Gefährliche Herzrhythmusstörungen

von Redaktion

VON ANDREAS BEEZ

München – Das Herz ist ein Hochleistungsmotor unseres Körpers, es schlägt mehr als 100 000 Mal am Tag. Gelegentlich gerät es dabei aus dem Takt. Den Betroffenen jagen solche Herzrhythmusstörungen oft Angst ein. Kein Wunder, denn für medizinische Laien lässt sich das Bedrohungspotenzial der Beschwerden nur schwer einschätzen. Herzrhythmusstörungen können manchmal harmlos sein, mitunter aber auch lebensgefährlich werden. Die Folgen reichen von einem Schlaganfall bis zum plötzlichen Herztod.

In Ruhe schlägt das Herz etwa 60 bis 90 Mal pro Minute. Liegt der Herzschlag in Ruhe deutlich darunter oder darüber oder schlägt das Herz unregelmäßig, spricht man von Herzrhythmusstörungen. Ein unregelmäßiger Herzschlag zeigt sich häufig durch ein Gefühl, als ob das Herz kurz aussetzt und dann „stolpert“, erklärt die Deutsche Herzstiftung. „Hinter diesem Herzstolpern stecken häufig Extraschläge, sogenannte Extrasystolen. Diese zusätzlichen Herzschläge kommen auch bei jungen und gesunden Menschen vor. Viele Betroffene bemerken sie gar nicht. Nur wenn sie gehäuft auftreten, dann spricht man von einer Herzrhythmusstörung.“

Diese Symptome treten häufig auf

Schlägt das Herz in Ruhe zu schnell, spüren Betroffene meist ein Herzpochen oder Herzrasen. Begleitet wird es häufig von Unruhe und Nervosität, manchmal auch von Angst. Weitere mögliche Symptome sind Schwindel, Kurzatmigkeit oder Brustschmerz. Nur bei sehr rascher Herzschlagfolge (mehr als 200 pro Minute) könnten Verwirrtheit, Benommenheit oder Bewusstlosigkeit auftreten, berichtet die Herzstiftung und rät: „Anfälle von Herzrasen, die weder auf körperliche Belastung noch auf extremen Stress zurückzuführen sind, sollten immer abgeklärt werden.“

In den letzten Jahren bereitet das Störfeuer im Herzen immer mehr Menschen größere gesundheitliche Probleme, und seit dem Jahr 2011 fordern Herzrhythmusstörungen immer mehr Todesopfer. Das belegt auch der aktuelle Deutsche Herzbericht. Danach kamen in Deutschland 2021 insgesamt 447 485 Patienten wegen Herzrhythmusstörungen stationär in Krankenhäuser, fast 10 000 mehr als im Jahr zuvor. 28 219 Betroffene starben innerhalb des Berichtjahres, 2020 waren es 27 369 gewesen. Noch dazu gehen Herzspezialisten bei den Opferzahlen von einer hohen Dunkelziffer aus. „Herzrhythmusstörungen gehören zu den zehn häufigsten Todesursachen“, warnt die Deutsche Herzstiftung.

Nach Expertenprognosen wird die Volkskrankheit künftig noch mehr Menschen treffen. Schon jetzt hat rein statistisch gesehen jeder dritte Mensch das Risiko, im Laufe seines Lebens eine Herzrhythmusstörung zu entwickeln.

Allein an Vorhofflimmern, der häufigsten Herzrhythmusstörung, leiden in Deutschland etwa 1,6 Millionen Menschen. Die große Gefahr bestehe darin, dass Vorhofflimmern eine fatale Kettenreaktion in Gang setzen könne, warnen Kardiologen wie der Münchner Herz-Professor Alexander Leber: „Vorhofflimmern ist für etwa jeden dritten Schlaganfall verantwortlich“, erklärt der erfahrene Direktor des Isar-Herz-Zentrums im Münchner Isarklinikum. „Durch diese Herzrhythmusstörung können sich im Herzen Blutgerinnsel bilden. Diese können mit dem Blutfluss ins Gehirn geschwemmt werden und dort Gefäße verstopfen. In der Folge werden Gehirnzellen nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und sterben ab.“

Von Vorhofflimmern ist deshalb die Rede, weil besagte Kettenreaktion überwiegend im Bereich der linken Vorkammer entsteht, Experten sprechen vom Vorhofohr. „Darin ist während des Vorhofflimmerns der Blutfluss vermindert, und es können sich Blutpfropfen bilden, die in der Fachsprache Thromben genannt werden“, erläutert Leber. „Deshalb werden Patienten mit erhöhtem Schlaganfallrisiko bei Vorhofflimmern in der Regel blutverdünnende Medikamente verordnet.“ Dazu zählen etwa der Arznei-Klassiker Marcumar oder moderne Nachfolgepräparate wie Xarelto, Pradaxa, Eliquis oder Lixiana.

Der „Sekundentod“ fordert 65 000 Opfer

Doch nicht nur Vorhofflimmern kann dramatische Folgen haben. So sterben in Deutschland jedes Jahr etwa 65 000 Menschen am plötzlichen Herztod. Dieser „Sekundentod“ wird durch gefährliche Herzrhythmusstörungen ausgelöst. Mediziner sprechen von ventrikulären Rhythmusstörungen aus der Herzkammer (z. B. Kammerflimmern). „Meist gehen diesen langjährige Herzerkrankungen wie koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz und Herzmuskelerkrankungen wie Kardiomyopathien voraus sowie (seltener) Herzklappenerkrankungen voraus“, weiß die Herzstiftung. Aber auch eine verschleppte Myokarditis, angeborene Herzfehler und genetisch bedingte Erregungsleitungsstörungen im Herzen können zu bedrohlichen Rhythmusstörungen führen, die dem plötzlichen Herztod unmittelbar vorausgehen.

Die Entwicklung bei der Volkskrankheit erfüllt Herzspezialisten zunehmend mit Sorge. Deshalb will die Herzstiftung gemeinsam mit anderen herzmedizinischen Fachgesellschaften die Aufklärungsarbeit verstärken. „Unser gemeinsames Ziel ist es, Herzrhythmusstörungen und ihre Ursachen frühzeitig aufzudecken und zu behandeln, bevor es zu vermeidbaren körperlichen und psychischen Langzeitfolgen bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen kommt“, sagt der Vorstandschef der Herzstiftung, Professor Thomas Voigtländer. Ein Mittel dazu soll die Einführung eines Aktionstages zu Herzrhythmusstörungen sein, der künftig immer am 1. März stattfinden soll.

Der Pulseday (Pulstag) soll die Menschen unter anderem dazu ermuntern, regelmäßig ihren eigenen Puls zu messen – beispielsweise am Handgelenk. Wenn Sie dabei öfter eine Art Pulsrasen feststellen, vereinbaren Sie am besten einen Termin bei Ihrem Hausarzt oder beim Kardiologen und schildern ihm Ihre Erlebnisse, er wird dann eine nähere Diagnostik einleiten. Ein normales EKG liefert allerdings in vielen Fällen keine näheren Erkenntnisse zu Vorhofflimmern, weil es außerhalb dieser Herzrhythmusstörungen unauffällig ausfällt. Deshalb verordnen viele Mediziner bei Verdacht auf Vorhofflimmern ein Langzeit-EKG.

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