Typisch Willy Astor. Das Wortspiel war zuerst da. Wie könnte es bei dem Wortverdreher auch anders sein? „Wir sehen uns vorm Gericht!“ Ein Satz, den er seinem Tontechniker auf einer gemeinsamen Tour hinwirft. Gemeint ist beim Abendessen. Bis dem Wortspieler Astor der Gedanke kommt: „Wenn das kein Titel für ein Kochbuch ist.“ Und schon sucht er nach Protagonisten, die ihm, dem selbsterklärten Feinschmecker, Rezepte liefern.
Das war in Zeiten von Corona. Astor hatte nichts zu tun und besuchte seine Freunde. Daraus entstand ein kunterbuntes Potpourri an Köchen. So wie Astor selbst ist – „meine Lieblingsfarbe ist kunterbunt“, fügt er erklärend hinzu. Und so stehen in Astors erstem Kochbuch Sterneköche neben Freunden oder Kollegen. Sie alle haben eins gemeinsam: Sie kochen leidenschaftlich gerne.
Nicht zu vergessen Willy Astors Mama Traudl. Sie ist zwar bereits vor acht Jahren gestorben, legte aber einst den Grundstein für Astors Liebe für gutes Essen. „Die Fleischpflanzerl meiner Mutter sind unvergessen“, schwärmt er.
Denn Essen spielte im Hause Astor eine bedeutende Rolle. „Als kleiner Bub saß ich auf der Spüle in der Küche und durfte die Salatsauce zusammenmixen“, erzählt Astor von seinen Erstkontakt mit der Küche. Das war im Münchner Hasenbergl, wo die Familie mit zwei Söhnen in der kleinen Drei-Zimmer-Wohnung lebte.
Übers Hasenbergl lässt Astor nichts kommen. Noch heute verbindet ihn viel mit dem Münchner Norden. „Meine Kindheitsheimat“ wie er das Viertel beinahe liebevoll bezeichnet. „Im Paradies“ wurde jeden Tag gekocht. „Bodenständig, aber vorzüglich“, wie Astor sagt. Obwohl die Mutter neben der Arbeit noch Putzen ging, stand jeden Tag ein warmes Essen auf dem Tisch. „Unser persönliches Tages-Highlight. Als Kind habe ich immer geschwärmt, wie gut unsere Mama gekocht hat.“
Nach dem Hauptschulabschluss geht Astor zu BMW, lernt Maschinenbautechniker. Doch schon bald entdeckt er die Bühne für sich – „das Gitarrenspiel war mein Schleusenöffner. Ich wollte Songwriter werden“. Die Beatles waren in dieser Zeit sein großes Vorbild.
Auch wenn Astor schon längst nicht mehr im Hasenbergl, sondern im Münchner Süden wohnt, frisch gekocht wird jeden Tag – „das ist für mich Lebensqualität“. Er wechselt sich mit seiner Frau oder dem Au pair, das sich um die drei Kinder kümmert, beim Kochen ab.
Klar könnte sich Astor als erfolgreicher Kabarettist und Musiker – er hat unter anderem die FC Bayern-Hymne „Stern des Südens“ komponiert – „mittlerweile die edelsten Delikatessen leisten. Doch das reizt Astor nicht wirklich. „Meine Küche ist bodenständig und meist vegetarisch.“ Am liebsten kocht er mit Zutaten, die er zu Hause hat. Spaghetti arabiata beispielsweise. Oder seine „Linsenweisheit“. Das Besondere an Astors Linsensuppe ist der klein geschnittene Apfel – „der verleiht der Suppe das gewisse Etwas“. Wer es schärfer will, spart nicht mit Chili oder Currypulver.
Nur wenn Astor auf Tour ist, hat gutes Essen Seltenheitswert. „Wurstbrote vor dem Auftritt kann ich nicht mehr sehen.“ Umso schöner sei es dann, wenn er wieder daheim in Oberbayern ist und sich mit Freunden und Kollegen auf ein Glas Wein und ein „g’schmackiges Essen“ treffen kann. „Das bringt immer wieder Leichtigkeit ins Leben.“ Denn was gibt es Schöneres als Kochen, Essen und Geselligkeit?“