Denpasar/München – Er gilt als der exklusivste und teuerste Kaffee der Welt: Mindestens 400 Euro und bis zu 1000 pro Kilo kostet der sogenannte Katzenkaffee Kopi Luwak, der auf Bali, Java und Sumatra hergestellt wird. Angeblich ist das Getränk besonders bekömmlich und frei von Bitterstoffen, weil die Kaffeebohnen den Darmtrakt von Schleichkatzen passieren und dabei einer Nassfermentation ausgesetzt seien.
Ursprünglich sammelten die Farmer den Kot frei lebender Wildtiere auf den Kaffeeplantagen ein, wo die kleinen wilden Allesfresser die besonders reifen, saftigen Kaffeekirschen stibitzten. Das Fruchtfleisch wird verdaut, die Bohne ausgeschieden. Auch heute wird mit Bezeichnungen wie „von wilden Tieren“ oder „aus Freilandhaltung“ geworben. Die Realität sieht anders aus, wie die Tierschutzorganisation Peta Asien erst kürzlich bei einer Undercover-Recherche aufdeckte: Die nachtaktiven Schleichkatzen wurden in viel zu kleinen Käfigen ohne Schutz vor Sonnenlicht gehalten und manchmal ausschließlich mit Kaffeebohnen gefüttert, was sie sehr krank macht.
Für diese Legebatterien werden ständig Wildtiere gefangen, so die Münchner Artenschutzorganisation Pro Wildlife. Sie hat ausgerechnet, dass alle frei lebenden Schleichkatzen Indonesiens im Jahr 300 Kilo Kopi Luwak pro Jahr liefern könnten. Die Nachfrage ist viel größer: Tonnenweise werden die Katzen-Bohnen exportiert. Die Münchner Experten sprechen von einem Etikettenschwindel im großen Stil: „Die Branche weiß um die immense Tierquälerei hinter dem Produkt, aber vor der betuchten Kundschaft soll das gefälligst verborgen bleiben.“
Auf Bali laden Kaffeegärten Urlauber zum Verkosten und Verweilen ein – aber wer genau hinschaut, wird auch in der tropischen Bilderbuch-Idylle Unstimmigkeiten entdecken. Dort leben natürlich nicht 100 der Schleichkatzenart Fleckenmusang in winzigen Käfigen. Stattdessen werden ein oder zwei Tiere in etwas größeren Käfigen hergezeigt. Musterexemplare, damit die Kundschaft sich ein Bild von der exotischen Art machen kann, die die Bohnen vorverdaut hat.
Aber selbst für diese Tiere gibt es oft keinen Rückzugsort, keine Ablenkung, kaum Platz. Auf die Nachfrage einer dpa-Reporterin, ob die Tiere immer im Käfig leben müssten, antwortete die Angestellte sehr freundlich: „Nachts lassen wir sie im Dschungel frei und morgens fangen wir sie wieder ein.“ Das sei natürlich gelogen, so ein Peta-Sprecher: Aber wenn sie die Wahrheit sagen, kommen ja keine Urlauber mehr.