So jagt München die gefährliche Tigermücke

von Redaktion

VON SUSANNE STOCKMANN

München – Sie ist gekommen, um zu bleiben: Doch das sollte verhindert werden. Wo sich die Asiatische Tigermücke ausbreitet, hat der Mensch keine Freude mehr am Draußensein: Die eingewanderten Blutsauger mit den markant schwarz-weiß gestreiften Beinen sind zwar nur drei bis neun Millimeter klein, dafür ist ihr Durst umso größer: Diese Mücken warten nicht auf die Dämmerung – angezogen vom CO2 in der Atemluft des Menschen, sticht der Mini-Vampir auch tagsüber zu. Tigermücken gelten als äußerst aggressiv.

In München wurden im vergangenen Jahr mit zehn Fallen 21 Exemplare gefangen. Vier Tigermücken wurden von aufmerksamen Münchnern eingeschickt. „25 Mücken sind sehr wenige“, beruhigt eine Sprecherin des Münchner Gesundheitsreferates auf Anfrage. Auch Dr. Silke Göttler von der Firma Biogents, die die Fallen aufstellt, spricht von einer noch geringen Anzahl. Aber: „Es ist das erste Jahr, wo systematisch nach den Tigermücken gesucht wurde, und wir wissen jetzt, dass sie tatsächlich vorhanden sind.“

Die Zahlen seien mit denen von deutschen Tigermücken-Hotspots in Baden-Württemberg und Hessen nicht vergleichbar. 2007 wurde das erste Exemplar in Deutschland an einer Autobahnraststätte bei Weil am Rhein entdeckt. Da Tigermücken nur circa 200 Meter weit fliegen, nutzen sie für ihre Reisen gern das Auto oder den Lkw. Göttler: „Sie steigen bei Urlaubern im Mittelmeerraum ein und bei uns wieder aus.“ Ursprünglich kamen sie vor 30 Jahren mit Altreifen und Pflanzen wie dem Glücksbambus aus Asien nach Europa. Beliebte Einfallstore in eine Stadt sind häufig Kleingartensiedlungen, Friedhöfe, Parks oder Campingplätze. Die genauen Münchner Fundorte will das Gesundheitsreferat nicht öffentlich machen: Vor Ort gibt es Aushänge, Anwohner wurden mit Flyern informiert.

Letztlich müssen alle mithelfen: Neben einem Aufruf, ungewöhnlich aussehende Mücken zu fangen und an das Landesamt für Gesundheit oder den Mückenatlas zu schicken, ist es wichtig, die Brutstätten trockenzulegen. Die Blutsauger überwintern als Ei, ist es warm genug, können die ersten schon im April schlüpfen. Die Eier sind kälteresistent: „Sie wurden für Versuche bei minus 20 Grad eingefroren und haben sich dennoch zu Mücken entwickelt“, so Göttler. Sie warnt: „Die Eier sind mit bloßem Auge nicht zu erkennen.“ Das Weibchen hat ihre 40 bis 90 sehr kleinen schwarzen Eier im Herbst an den Rand einer kleinen Wasseransammlung gelegt, das kann ein Blumentopfuntersetzer, ein halber Reifen, oder an einer Wasserlache auf einer Abdeckplane sein. Es ist sinnvoll, solche möglichen Brutstätten jetzt gründlich zu schruppen: „Aber das Wasser nicht in den Ausguss gießen, dort überleben die Eier“, so Göttler: „Alles z.B. auf einer Wiese auskippen.“ Dort würde die Brut vertrocknen.

In ihrer asiatisch-pazifischen Heimat sind Tigermücken als Krankheitsüberträger gefürchtet. Diese Gefahr ist bei uns (noch) nicht gegeben, da die Mücken eine z.B. mit dem Chikungunya- oder Zika-Virus infizierte Person stechen müssen, dann vermehren sich die Krankheitserreger in ihrem Körper und werden mit dem nächsten Stich auf einen weiteren Menschen übertragen. Am Gardasee jedoch kam es im vergangenen Sommer zu einem Ausbruch von Dengue-Fieber, das ebenfalls von Tigermücken übertragen wird. In Südfrankreich und auf Ibiza gab es ebenfalls solche autochthonen Erkrankungen, wo die Betroffenen vor Ort angesteckt wurden.

Dass München auch zukünftig frei von Tropenkrankheiten bleibt, ist ein weiterer Grund, warum jetzt energisch gegen die Tigermücken in der Stadt vorgegangen werden sollte. „Wir werden das engmaschig beobachten“, verspricht das Gesundheitsreferat, die Mittel für dieses Jahr seien schon bewilligt. „Generell müssen wir uns damit abfinden, dass wir in ganz Deutschland zukünftig mit Tigermücken leben müssen“, so Dr. Göttler. Denn: Immer wieder werden neue Exemplare auch nach Bayern und München eingeschleppt. In Europa siedelte sie sich vor allem im Mittelmeerraum an und wandert von dort immer weiter nach Norden, die zunehmende Klimaerwärmung und die milden Winter erleichtern dem anpassungsfähigen Sechsbeiner das Überleben. 2017 konnte eine Population auf einem Friedhof in Erding eliminiert werden, doch vergangenes Jahr wurde dort zufällig wieder ein Exemplar entdeckt.

Die Stadt Fürth kämpft seit 2019 energisch gegen die Ausbreitung einer Ansiedlung in einer Kleingartenanlage. Auch dort ist Dr. Silke Göttler im Einsatz: „Wir konnten die Anzahl deutlich eindämmen.“

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