Der Mann, der die Welt verändert

von Redaktion

VON JÖRG HEINRICH

Der letzte Technik-Vordenker, der so gefeiert wurde wie Jensen Huang, war der 2011 verstorbene Apple-Gründer und iPhone-Erfinder Steve Jobs. Wir stellen den Mann mit den schwarzen Lederjacken und den Taylor-Swift-Vergleichen vor, dessen Prozessoren die Welt verändern.

Herkunft

Der neue Technik-Guru wurde 1963 als Jen-Hsun Huang in Taiwan geboren. Mit neun Jahren schickte ihn seine Familie zu einem Onkel in die USA, wo er bessere Ausbildungschancen haben sollte. Damit die Amerikaner seinen Vornamen aussprechen können, änderte er ihn in Jensen.

Durchbruch

1993 gründete Huang Nvidia. Das Unternehmen spezialisierte sich auf Grafikkarten für 3D-Computerspiele. Mit den Chips, die dem Prozessor Arbeit abnahmen, waren die Spiele auf PlayStation oder PC plötzlich so schön und schnell wie nie zuvor. Seit der Börsenkurs seiner Firma erstmals 100 Dollar erreichte, trägt Huang das Logo angeblich als Tattoo.

Künstliche Intelligenz

Seit einigen Jahren wird die enorm leistungsstarke Hardware von Nvidia nicht mehr nur für Spielegrafik genutzt, sondern auch für Multimedia im Auto, für die Berechnung von Kryptowährungen wie Bitcoin und vor allem für Künstliche Intelligenz. Die Serverfarmen aller großen KI-Anbieter von OpenAI bis Google laufen mit dem Erfolgschip Nvidia Hopper H100. Die Firma soll sogar das jahrzehntealte „Mooresche Gesetz“ übertroffen haben, das beschreibt, in welchen Zeiträumen sich die Leistung von Computern verdoppelt.

Zukunft

Jetzt hat der US-Konzern seinen KI-Prozessor Blackwell B200 vorgestellt, auf den alle großen Tech-Firmen sehnsüchtig warten. Der angeblich stärkste Chip der Welt soll je nach Einsatzgebiet bis zu 30-mal schneller laufen als der Vorgänger – und dabei 25-mal weniger Strom verbrauchen. Alle KI-Fortschritte der nächsten Jahre basieren auf dem neuen Nvidia-Chip, den die Firma zum „Motor für die nächste industrielle Revolution“ machen will. Auf seine Leistung setzt auch der KI-Roboter GR00T von Nvidia.

Geld

Laut Huang hat die Entwicklung des Blackwell zehn Milliarden Dollar gekostet. Entsprechend astronomisch teuer ist der Chip. Für Privatkunden gibt es ihn vorerst gar nicht, Google und Co. zahlen bis zu 40 000 Dollar pro Stück. Weil die Umsätze von Nvidia explodieren, hat die Aktie binnen eines Jahres um 250 Prozent zugelegt. Mittlerweile ist Nvidia nach Microsoft und Apple mit 2,3 Billionen Dollar Börsenwert das drittwertvollste Unternehmen der Welt. Viele Experten raten trotzdem weiter zum Kauf des Papiers, obwohl die Luft immer dünner wird.

Reichtum

Weil Jensen Huang 3,5 Prozent der Nvidia-Aktien besitzt, liegt der 61-Jährige mit einem Vermögen von 81,7 Milliarden Dollar mittlerweile auf Platz 17 der weltweiten Forbes-Reichenliste. Er gilt als freigiebiger Spender. Zuletzt hat er 50 Millionen Dollar für die Universität Oregon springen lassen.

Show

Für die Präsentation des neuen Chips mietete Nvidia die Eishockey-Halle SAP Center in San Jose für 11 000 Zuschauer. Beobachter nannten das Spektakel schon vorab das „Hollywood der KI“ und Huang wurde dann tatsächlich von der Menge frenetisch gefeiert. „Ich hoffe, Ihr wisst, dass das kein Konzert ist“, scherzte er deshalb zu Beginn. Während seiner Rede umkreisten ihn kleine KI-Hündchen. Und Huang verabschiedete den Vorgänger-Chip launig in den Ruhestand: „Ist schon gut, Hopper. Du bist sehr brav. Guter, guter Junge. Braves Mädchen.“

Taylor Swift

Der Hype um Huang wird mit dem Kult um US-Popstar Taylor Swift verglichen – seine Fans sind die „Technik-Swifties“. Bei der Blackwell-Show ließ sich der Nvidia-Chef deshalb einen Swift-Gag nicht entgehen: „Als ich diese Präsentation geprobt habe, hat mir jemand erzählt, dass eine Künstlerin ihren gesamten Auftritt übt, während sie auf dem Laufband rennt. Das habe ich nicht getan. Wenn ich nach 10 Minuten also abbaue, wissen Sie, was passiert ist.“ Gemeint war natürlich Taylor Swift, die beim Laufen die Konzerte ihrer „Eras“-Tour durchgesungen haben soll. Doch die Luft ging dem Nvidia-Chef nicht aus – ebenso wenig wie seinen Chips.

Lederjacken

So wie Steve Jobs ohne Rollkragenpulli undenkbar war, sind seine schwarzen Lederjacken das Markenzeichen von Jensen Huang. Grund: „Dann muss ich weniger darüber nachdenken, was ich anziehen soll.“ Bei der Auswahl helfen ihm Ehefrau Lori, Tochter Madison und Sohn Spencer. Bei der Blackwell-Vorstellung trug er eine 9000-Dollar-Jacke von Tom Ford aus Kalbsleder mit Eidechsenprägung.

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