Wilde Frühjahrsküche

von Redaktion

VON STEPHANIE EBNER

„In jedem landwirtschaftlichen Betrieb steckt ein Schatz, den es zu heben gilt.“ Diese Erfahrung hat Christine Huber (49) bei ihrer Tour durch Deutschland mit den Landfrauen gemacht. Sie selbst hat ihren Schatz allerdings nicht mit der Schaufel gehoben, sondern mit Köpfchen. Sie sagt: „Jede Landwirtschaft muss ihr Alleinstellungsmerkmal finden, dann kann sie erfolgreich wirtschaften.“ In ihrem Fall besteht der Schatz aus Kräutern und einer Herde Hirschkühen.

Christine Huber wächst im Landkreis Fürstenfeldbruck auf. Sie ist 14 Jahre alt, als die Mauer fällt. Richtungsweisend für die Jugendliche. Der Vater bekommt seinen Hof im Brandenburgischen zurück. Hier verlebt die gebürtige Münchnerin in den folgenden Jahren „die schönsten Sommer“, hilft in der Landwirtschaft mit, wann immer Ferien sind. „Ich habe es geliebt.“

Als Christine 1994 das Abitur in der Tasche hat, fragt sie der Vater, ob sie sich vorstellen könnte, eines Tages den väterlichen Hof in Brandenburg zu übernehmen. Sie ist die Jüngste von fünf Kindern und die Einzige, die sich noch nicht für eine Berufsausbildung entschieden hat. Christine ist sofort begeistert und fängt ein Studium zur Landwirtschaftsmeisterin an.

Doch schon in der ersten Woche schmeißt sie ihre Zukunftspläne radikal um.

Statt Brandenburg steht künftig Bayern als Lebensmittelpunkt fest: Schuld ist die Liebe. Auf ihrem ersten Praktikumsplatz lernt sie ihren späteren Mann Georg kennen. Wenige Wochen später sind sie ein Paar. In diesem Sommer sind die beiden 30 Jahre zusammen.

Der Einstieg in die Landwirtschaft war für Christine Huber zunächst allerdings äußerst steinig: „Es war unheimlich schwer, einen Praktikumsplatz zu finden. Die Bauern haben mich ausgelacht.“ Keiner wollte ein junges Mädchen anstellen. Bis auf Hans Stürzer aus Geiselpullach. „Der hat mich schließlich genommen – aus Mitleid.“

Christine Huber wird wie ihr Mann Landwirtschaftsmeister. Nachdem sie 2000 geheiratet haben, übernehmen sie 2004 den Hof in Puchheim. Damals ist der Kreuthof ein reiner Ackerbaubetrieb, die Eltern betrieben neben dem Hof das Hotel Parsberg.

Das junge Ehepaar startet zunächst mit Pensionspferden. 2012 kommt die „Kräuteria“ dazu. „Die Natur hat alles, was wir brauchen“, ist die Kräuterpädagogin überzeugt. In der Kräuteria ist die Bäuerin von rund 80 Kräutern und Harzen umgeben – hier bietet sie u.a. Brotbackkurse („Meine große Leidenschaft“) und Kochen mit Wildkräutern an.

Seit 2019 hat die Familie zudem eine Rotwildherde. Die Tiere werden im Gehege geboren, aufgezogen und geschossen. So haben sie keinen Transport- und Schlachtstress. Weil es sich aber nicht um Gatterwild, sondern um ein naturnahes Gehege mit Rückzugsorten für die Tiere handelt, unterliegt die Herde dem Jagdrecht. „Deshalb haben wir bis zum Sommer auch kein Wildfleisch zum Verkauf.“ Derzeit ist Schonzeit für die Tiere. Die Herde ist der ganze Stolz der Familie und mittlerweile auf rund 80 Hirschkühe angewachsen.

Pferdepension, Kräuteria und Rotwild – das sind die drei Schätze, mit denen die Hubers ihren Hof bewirtschaften und für die Zukunft aufstellen.

Die nächste Generation ist schon am Start: Sohn Xaver (21) hat Metzgermeister gelernt. „Mal schauen, was er eines Tages aus dem Kreuthof macht“, sagt Christine Huber und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

Landfrauenküche

Die neue Staffel der Landfrauenküche startet am kommenden Montag, 8. April, um 20.15 Uhr im BR.

Sechs Kandidatinnen aus ganz Deutschland präsentieren darin „Kulinarische Schätze“ aus ihrer Heimat. Christine Huber vertritt Oberbayern. Ihr Beitrag wird am Montag, 6. Mai, ausgestrahlt.

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