Steingaden – Rocky, ein Mischling aus Ungarn, war als Welpe eher ein ruhiger Typ. Er war leicht erziehbar und wollte alles richtig machen. Aber nun dreht er auf. Plötzlich versteht er „Sitz“ nicht mehr, verbellt aggressiv den Nachbarn und hat alles vergessen, was er je gelernt hat. Rocky ist sieben Monate alt und pubertiert. Je nach Rasse beginnt die Pubertät um den sechsten bis neunten Monat, eine sensible Phase im Hundeleben, denn die vernetzten Nervenzellen im Gehirn müssen nun auch gefordert werden. Nur ein Hund, der Reize empfängt, kann später auf alle Lebenssituation reagieren.
Hundehalter neigen aber oftmals auch dazu, zu überreizen, der junge Hund muss unbedingt auch Ruhephasen haben. Die Pubertät dauert etwa bis zum Alter von 18 Monaten. Der Rüde pöbelt auch mal, bei der Hündin wird die Pubertät mit den Vorboten der ersten Läufigkeit eingeläutet. Sie ist durch den Wind, wird entweder nervig und hyperaktiv oder ungemein anhänglich und liebesbedürftig. „Da muss man durch! Das Pubertier ist eine Herausforderung, so manche Hundemama und so mancher Hundepapa verzweifeln, aber so weit ist das alles normal, nur: Der Hund wächst nicht von allein da raus, das Tier braucht in der Phase ein souveränes Leittier! Aggression ist sinnlos, Laissez faire aber auch, denn Fehlverhalten verfestigt sich. Pubertät ist wichtig, domestizierte Tiere werden relativ früh geschlechtsreif, was aber nicht bedeutet, dass sie emotional oder sozial erwachsen sind! In der Pubertät erfolgt ein höchst komplexer Umbau des Hormonsystems und das Gehirn wird zu einer Art Großbaustelle. Die neuronalen Verbindungen verändern sich, erst mal herrscht Chaos, erst nach dem Umbau im Gehirn können Individuen dann planvoll vorgehen, die Aufgabegebiete werden neu verteilt. In der Pubertät kommt es zu einem Widerstreit zwischen Sicherheitsdenken und Autonomiebestreben“, erklärt Kleintierexpertin Dr. Dagmar Moder aus Steingaden.
Es ist erwiesen, dass in dieser Phase eine erhöhte Risikobereitschaft entsteht, bei Affen genauso wie bei Menschen. Das ist evolutionär sinnvoll, denn das Individuum muss mit Erlangen der Geschlechtsreife oftmals abwandern und eigene Rudel oder Familien bilden. Halbwüchsige Mäuse oder Ratten sind in einer neuen Umgebung neugierig und risikobereit, bei älteren Tieren überwiegt dagegen die Furcht vor der Neugier.
Auch bei Wildtieren kann man beobachten, dass sie Ärger regelrecht suchen. Forscher der University of Cambridge haben bereits 1994 beobachtet, dass Teenager-Thomson-Gazellen in einem von 419 Fällen vom Geparden gefressen werden, einfach, weil sie in maßloser Selbstüberschätzung nicht flüchten. Bei erwachsenen Gazellen ist die schnelle Katze nur in einem von 5000 Fällen erfolgreich…
„Impulsivität und Risikobereitschaft gehören zur Pubertät, für einen Hund werden in der Pubertät neue Dinge interessant, sein Radius vergrößert sich. Sein Hirn wird empfänglicher für Dopamin, das dafür sorgt, dass ein internes Belohnungssystem greift, es wirkt lernverstärkend. So wird jeder Grashalm interessanter als das am Wegesrand brüllende Herrchen“, lächelt die Tierärzin Dagmar Moder.
Katze Lillifee war als Kätzchen ganz bezaubernd und schmusig. Jetzt faucht sie plötzlich und beißt in Frauchens Hand. Und sie gibt erstaunliche Geräusche von sich, reckt den Allerwertesten in den Himmel, rollt am Boden, stöhnt unter der Türe durch. Frauchen lernt nun alle Kater der Umgebung kennen, die auch mal die Schuhe vor der Tür markieren. Lillifee ist rollig.
Ab der achten bis zehnten Woche beginnt bei der Katze die Jugendphase, die mit rund sechs bis acht Monaten in die Pubertät übergeht. Mit acht bis zehn Monaten haben die meisten Katzen einen Großteil ihres Wachstums abgeschlossen und beinahe ihre Endgröße erreicht. Spätreife, große Rassen wie Maine Coone wachsen bis zu zwei Jahre. „Es ist sinnvoll, Kater ab dem sechsten Lebensmonat kastrieren zu lassen, das senkt das Risiko, dass sich der Kater während des Freilaufs bei gefährlichen Revierkämpfen verletzt“, so Moder. Es ist eine Mär, dass kastrierte Kater fett werden. Sie werden eher langbeinig, wenn man kastriert, bevor sich die Wachstumsfugen ihrer Knochen geschlossen haben.
Frei laufende Kätzinnen sollte man im fünften Lebensmonat kastrieren. Man erspart sich und ihr die Rolligkeit und senkt das Risiko einer Gebärmuttervereiterung oder von Gesäugekrebs. Die Klimaerwärmung hat inzwischen dazu geführt, dass junge Katzen immer früher rollig werden. Wer glaubt, er kann sein Baby noch unbesorgt durch Feld und Garten laufen lassen, kann eine böse Überraschung erleben.
Für den jungen Katzenkörper ist eine frühe Trächtigkeit eine schwere Belastung! Zudem geht man davon aus, so Moder, dass sich momentan in Deutschland circa. 2,5 Millionen Katzen auf dem Land und in der Stadt durchschlagen müssen. Jedes Frühjahr kommen Abertausende dazu. Eine wild lebende Katze kann zweimal im Jahr Nachwuchs bekommen – ein bis sechs Junge. Von jedem Wurf überleben statistisch 2,8, die sich in sechs Monaten wieder weiter vermehren! Moder: „Eine Spirale des Elends!“