Das gelbe Plasma in der Doppelkammerspritze. © JANTZ
Die Münchner Orthopäden Dr. David John und Manuela Weis an der Zentrifuge, in der die Blutprobe zehn Minuten in einer bestimmten Geschwindigkeit rotiert. Dabei wird das wertvolle Plasma vom Restblut getrennt. © Sigi Jantz
München – Die Eigenblut-Therapie wird PRP (Platelet Rich Plasma/plättchenreiches Plasma) oder auch ACP (Autologes conditioniertes Plasma) genannt. Zugrunde liegen die wissenschaftlich erwiesenen Zusammenhänge über erstaunliche körpereigene Reparaturmechanismen, die das Immunsystem bei jeder Verletzung oder Entzündung augenblicklich in Gang setzt. Eine wesentliche Rolle spielen dabei Blutplättchen (Thrombozyten), die entzündungshemmende Wachstumsfaktoren zur Zellregeneration und Beschleunigung der Heilung freisetzen und Gelenk- und Sehnenfunktionen verbessern können. Das Besondere daran: „Weil es sich dabei ausschließlich um körpereigene Substanzen ohne jeden Zusatz handelt, gibt es keine Allergien bzw. schwere Nebenwirkungen“, so Dr. John. Ein Effekt, den auch Sportprofis schätzen. Wichtig: Die PRP-Therapie hat absolut nichts mit Doping zu tun! Beim gesundheitlich riskanten und natürlich verbotenen Blutdoping wurde Spitzensportlern eine sehr viel größere Menge Blut entnommen und aufbereitet, um die Ausdauerleistung zu steigern.
■ Die Behandlung
„Vor der eigentlichen Behandlung nehmen wir dem Patienten maximal 15 Milligramm Blut ab“, erklärt Manuela Weis. Verwendet wird dafür die vom Münchner Medizintechnikunternehmen Arthrex entwickelte ACP-Doppelspritze. „Das ist ein in sich geschlossenes, absolut steriles und damit sehr sicheres System, das jegliche Verunreinigung bei der Plasmagewinnung ausschließt“, so Dr. John. Bei dieser Technik handelt es sich um eine Spritze-in-Spritze-Konstruktion mit einer Membran, in der die Blutprobe für zehn Minuten in eine Zentrifuge gestellt wird. Dabei werden die hochkonzentrierten Wachstumsfaktoren und entzündungshemmende Transmitterstoffe im Blutplasma (gelb) von den übrigen Blutbestandteilen (rot) abgelöst. So entstehen ca. fünf Milliliter des wertvollen hellgelben Konzentrats, das nun die zwei- bis dreifache Konzentration an Blutplättchen (Thrombozyten) sowie entzündungshemmende Enzyme und körpereigene Proteine enthält.
■ So wirkt ACP/PRP
Das Plasma wird nach einer gründlichen Desinfektion der Haut mit einer feinen Nadel direkt in das schmerzende Gelenk oder an die entzündete Sehne gespritzt. Die heilsamen Bestandteile sammeln sich so in hochkonzentrierter Form direkt am Ort des Problems und beschleunigen gezielt Immunabwehr, Zellregeneration und somit den Heilungsprozess. Manuela Weis: „Im günstigsten Fall gelingt es auf diese Weise, Operationen zumindest hinauszuzögern oder sogar ganz zu verhindern.“ Die Wirkung ist in einigen Bereichen so überzeugend, dass PRP bzw. ACP starke Medikamente wie Cortison abgelöst haben.
■ Kosten & Risiken
Wie bei allen Eingriffen in den Körper besteht auch hier eine Infektionsgefahr, die jedoch – professionell angewendet – äußerst gering ist. Empfohlen werden meist drei bis fünf Behandlungen im Wochenabstand. Eine Spritze kostet etwa 200 Euro. Allein die Hightech-Spritze kostet ca. 60 Euroim Einkauf. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten nicht. Und auch Privatpatienten sollten sich bei ihrer Krankenkasse vorab vorsichtshalber über ihren Tarif informieren.
■ Die Grenzen
Wie alle Eingriffe in den Körper hat natürlich auch die Eigenblut-Therapie Grenzen. Bei einer Arthrose vierten Grades – dem Endstadium, bei dem kaum mehr Knorpel im Gelenk vorhanden ist – kann die Eigenblut-Therapie nicht mehr helfen. Die gleiche Einschätzung gilt für Sehnenrisse in der Schulter bzw. in der Rotatorenmanschette: „Das sind meist klare Operations-Indikatoren. Nach der Operation können wir die Heilung jedoch gut mit der Eigenblutbehandlung unterstützen“, so Dr. John. Auch Menschen mit starkem Untergewicht, Tumorerkrankungen, Hepatitis, bestimmten Blutgerinnungsstörungen oder einer Erkrankung der weißen Blutkörperchen sollten nicht mit PRP/ACP behandelt werden.