Das Leben gemeinsam genießen: Senioren des KWA-Stifts Rupertihof bei einem Besuch der Fraueninsel im Chiemsee. © FOTOS: Hauke Thomas/KWA-Stift Rupertihof
Helga Kaiser (93) hat sich nach einem Oberschenkelhalsbruch zurück ins Leben gekämpft.
Prien/Rottach-Egern – Gerade im Alter ist man vor gesundheitlichen Rückschlagen nicht gefeit. Aber mit einer positiven Einstellung, Selbstdisziplin und Trainingsfleiß lässt sich viel erreichen. Ein Paradebeispiel dafür ist Helga Kaiser. Nach einem Oberschenkelhalsbruch kämpfte sie sich wieder zurück in den Alltag. „Ich wollte mich nicht einfach meinem Schicksal ergeben“, erzählt die 93-Jährige. Jetzt kann sie wieder das Leben genießen, so wie am letzten Donnerstag bei einem Ausflug zum Chiemsee mit weiteren rüstigen Senioren des KWA-Stifts Rupertihof Rottach-Egern. Dort erkundete auch Helga Kaiser zu Fuß die Fraueninsel – noch vor einigen Monaten wäre dieser ausgedehnte Spaziergang undenkbar gewesen.
Ein Oberschenkelhalsbruch ist die häufigste schwere Sturzverletzung bei Senioren über 80 Jahren, in vielen Fällen sind die Folgen fatal. So stirbt jeder Zehnte der jährlich etwa 100 000 Betroffenen im ersten Monat nach dem Unfall an Komplikationen wie Thrombose, Lungenembolie oder Lungenentzündung, zahlreiche Betroffene sind nach der Verletzung dauerhaft auf Pflege angewiesen. „Ich hatte das Glück, wieder auf die Beine zu kommen“, weiß Helga Kaiser. Aber zu ihrer Erfolgsgeschichte gehört auch eiserne Willenskraft. „Jeder hat es ein Stück weit selbst in der Hand, seine persönliche Situation und Gesundheit zu verbessern.“
Rückblende: Es ist regnerisch und grau am Tegernsee, als Helga Kaiser auf dem Gehweg unglücklich stürzt und sich schwer verletzt. Sie wird operiert. Die hochbetagte Seniorin absolviert zunächst eine Reha, nimmt anschließend im Rupertihof regelmäßig zwei Mal pro Woche am bestform-Programm teil. Das ist ein spezielles betreutes Gerätetraining, das Sportwissenschaftler der TU München entwickelt haben. „Es hat mir sehr geholfen. Wir haben die Belastung langsam gesteigert und immer wieder angepasst. So lange, bis ich wieder fast auf dem gleichen Leistungsniveau wie vor meinem Unfall war.“
Als Vorbild diente Helga Kaiser auch ihr Mann, der schwer an der Lungenkrankheit COPD litt. „Aber er war ein Kämpfer und ging selbst mit seinem Sauerstoffgerät regelmäßig zum bestform-Training.“ Auch kranke Menschen profitieren davon, bestätigt Prof. Martin Halle: „Je kränker die Menschen sind, desto größer sind die Effekte.“ Das konnten Halle und seine Wissenschaftler-Kollegen unter anderem in einer Studie mit Dialyse-Patienten dokumentieren. Auch der Psyche hilft das Training, wie Helga Kaiser berichtet: „Im Alter braucht man Bewegung. Das ist der Ansporn. Wenn man den Erfolg spürt, fühlt man sich besser.“
BEZ