München – Über 95 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland tragen den Gürtelrose-Erreger nach einer Windpocken-Infektion – meist in der Kindheit – im Körper. Sie sind deshalb alle gefährdet, an einer Gürtelrose zu erkranken. Vielen ist nicht bewusst, dass die beiden unterschiedlichen Erkrankungen vom gleichen Virus verursacht werden – zudem unterschätzt ein Großteil das persönliche Erkrankungsrisiko. „Jeder Dritte entwickelt im Laufe des Lebens eine Gürtelrose“, betont der Münchner Art Markus Frühwein. Auch er selbst erkrankte vor gut drei Jahren, als er im Zuge der Corona-Pandemie besonders viel Stress in seiner Arztpraxis hatte. „Das war eine sehr unangenehme und schmerzhafte Erfahrung!“, erinnert sich der Infektiologe.
Menschen in der zweiten Lebenshälfte haben ein erhöhtes Gürtelrose-Risiko. Der Grund ist, dass das Immunsystem mit zunehmendem Alter auf natürliche Weise schwächer wird, betont Frühwein. Bei Vorliegen einer Grunderkrankung wie Diabetes, Asthma, Rheuma oder Krebs steige die Wahrscheinlichkeit einer Gürtelrose nochmals um 30 Prozent.
■ Starker Schmerz durch entzündete Nerven
Aufgrund des Befalls von Nervenzellen, die u.a. für die Übermittlung von Empfindungen wie z. B. Schmerzen, Temperatur, Berührung oder Druck aus dem Körper an das Gehirn verantwortlich sind, führt die akute Gürtelrose-Erkrankung in der Regel zu starken und oftmals schwer behandelbaren Schmerzen. Ursächlich hierfür ist, dass die durch das Virus ausgelösten Entzündung neben sichtbaren Hautbereichen auch die Nervenfasern betrifft, über die sich das Virus ausgebreitet hat, erklärt der Mediziner. Für Betroffene können daraus nicht nur quälende Dauerschmerzen infolge der lokalen Hautentzündungen resultieren, sondern zusätzlich auch noch Miss- bzw. Fehlempfindungen sowie unvorhersehbar einschießende Schmerzen infolge der direkten Nervenschädigung. Einige Betroffene sprechen von brennenden Schmerzen, die sich anfühlen wie Messerstiche, erklären Experten des Medizinkonzerns GSK.
Wenn die Schmerzen trotz Abheilung der Hauterscheinungen über mehr als drei Monate fortbestehen, spricht man von einer Post-Zoster-Neuralgie (PZN). Ebenso kann es vorkommen, dass die Schmerzen nach einem mehr oder weniger langen beschwerdefreien Intervall wieder neu auftreten und dann bestehen bleiben. Diese Nervenschmerzen können monate-, jahre- oder – im schlimmsten Fall – lebenslang andauern, warnt der Mediziner Markus Frühwein. Unter allen möglichen Spätfolgen der Gürtelrose ist die PZN die häufigste: Bis zu 30 Prozent aller Gürtelrose-Betroffenen leiden an diesen Spätfolgen der Erkrankung.
Wer Gürtelrose einen Schritt voraus sein möchte, sollte mit dem Hausarzt über Vorsorge sprechen. Den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zufolge haben alle Personen ab 60 Jahren Anspruch auf eine Impfung gegen Gürtelrose. Für Menschen mit einer Grunderkrankung wie zum Beispiel Diabetes, Asthma, COPD, rheumatoide Arthritis usw. oder einer Schwächung des Immunsystems wird die Gürtelrose-Impfung ab 50 empfohlen. Mehr Informationen zur Nervenerkrankung Gürtelrose finden Sie im Internet unter: www.impfen.de/guertelrose.
SVS