„Die Technik schenkte uns viele schöne Jahre“

von Redaktion

Vor 27 Jahren bekam er die Diagnose Parkinson: So geht es Kult-Liedermacher und Ex-Gewichtheber Fredl Fesl heute

Fredl Fesl bei einem Redaktionsbesuch im Jahr 2010 auf seinem Hof bei Altötting. Damals spielte er noch Gitarre.. © O. Bodmer

Lassen sich seit Jahrzehnten von der Krankheit nicht unterkriegen: Monika und Fredl Fesl. © Andreas Reichelt

Pleiskirchen – Er erfand das bayerische Musikkabarett, 1976 nahm er seine erste Langspielplatte auf, war Gewichtheber und machte mit 57 Jahren die Fischerprüfung, „um endlich der Schwarzfischerei ein Ende zu machen“, wie er in seiner Biografie schreibt. Doch noch etwas anderes hat das Leben von Fredl Fesl seit Jahrzehnten geprägt: Im Juni 1997 bekam er die Diagnose Parkinson. An 7. Juli feiert Fredl Fesl seinen 77. Geburtstag. Seine Frau Monika erzählt im Interview, wie es ihm heute geht.

Wie geht es Ihrem Mann heute – 27 Jahre nach der Parkinson-Diagnose??

Mein Mann war immer so selbstständig und kreativ, es ist traurig zu sehen, wie eingeschränkt er nun ist, wenn man seinen Charakter kennt. Noch im vergangenen Frühling war er viel mit dem Rollator bei uns im Haus und auf der Veranda unterwegs, doch dann stürzte er im Garten und ich entschied, dass wir zwei das alleine hier nicht mehr schaffen. Seit vergangenem Herbst haben wir nun also einen Pfleger, der mit in unserem Haus wohnt. Auch dank ihm können wir unseren Alltag weiter beibehalten – so fahren wir zum Beispiel jede Woche zu Fredls Stammtisch. Dort spricht er selbst zwar kein Wort mehr – sich zu artikulieren und seine Gedanken in Worte zu fassen, ist ihm zu anstrengend. Aber man sieht und merkt, dass er ganz aufmerksam zuhört und mitdenkt.

Hätten Sie, als Sie 1997 von der Diagnose erfuhren, sich vorstellen können, wie Sie heute leben?

Fredl hat versucht, sein Leben so normal wie möglich weiterzuführen. Er hat sich auch nicht gleich geoutet, sondern gesagt, wenn man bei seinen Auftritten die Krankheit bemerkt, dann hört er auf. Das war dann 2007 – bis dahin stand er noch auf der Bühne. Im Oktober 2009 ließ er sich einen Hirnschrittmacher einsetzen, und auch diese Tiefe Hirnstimulation hat sicher sehr dabei geholfen, dass er so lange seine Selbstständigkeit beibehalten konnte. Die Technik hat uns so viele gute Jahre geschenkt. Noch im vergangenen Frühling war er ganz alleine mit Rollator im Garten unterwegs. Natürlich hat ihn die Krankheit immer mehr eingeschränkt, aber er hadert nicht und ergibt sich geduldig seinem Schicksal.

Wie hat sich die Krankheit gezeigt? Wurde sie gleich erkannt?

Nein, Fredl hatte wie viele Parkinson-Erkrankte eine Odyssee hinter sich, bis er die Diagnose bekam. Er hatte schon zwei bis drei Jahre vorher Schmerzen und ein Ziehen in einem Bein. Als Sportler wusste er, dass da etwas nicht stimmt. Er ließ sich untersuchen und alle Ergebnisse bescheinigten ihm unheilbare Gesundheit Dann schauten wir uns im Fernsehen eine Dokumentation über Muhammad Ali an – und Fredl erkannte ein Symptom, das er auch hatte: dass er immer wieder rechts die Faust ballte und den Arm heranzog. Wir gingen zu einem Parkinson-Spezialisten und nach einer halben Stunde sagte der: Ja, Sie haben Parkinson.

Wie haben Sie die Diagnose verarbeitet?

Fredl hat sich natürlich viele Informationen reingezogen, unter anderem, wie es ist, Parkinson im Endstadium zu haben. Damals schien das ein Horror, ein Mensch, der völlig bewegungslos und verspannt nur noch im Bett liegen kann. Dieses sehr deprimierende Bild des Endstadiums, das damals gezeichnet wurde, hat sich heute sehr geändert dank der erheblich verbesserten Behandlungsmöglichkeiten. Man kann heute ganz schön viel machen – wer die Diagnose bekommt, sollte sich bei guten Ärzten informieren. Zwar ist Fredl durch Parkinson eigeschränkt, aber die Krämpfe und Verspannungen bekommt er gut in den Griff und er ist auch noch mobil. Allerdings ist er nach einem Ausflug mit dem Auto und dem Rollstuhl sehr erschöpft und geht dann gerne früh ins Bett.

SUSANNE SASSE

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