Der perfekte Marillenknödel

von Redaktion

VON STEPHANIE EBNER

Sie hat schon an vielen Orten in Europa gelebt, doch ihrer österreichischen Heimat ist sie stets treu geblieben. Zumindest sprachlich. Wenn Angelika Diller Rezeptangaben macht, dann selbstverständlich in Dekagramm. Tomaten sind bei ihr nach wie vor Paradeiserl, zum Hackfleisch sagt sie Faschiertes und der Blumenkohl ist bei ihr ein Karfiol. „Das wird sich wohl nicht mehr ändern“, sagt sie mit einem Lachen.

Überhaupt Österreich und seine Küche. „Wir lieben sie“, sagt Angelika Diller. „Bei uns gibt es häufig Hausmannskost, so wie sie in ihrer Heimat gekocht wird.“ Speziell von ihrer Patentante Else (95) hat Angelika Diller einst kochen gelernt. Wie die Marillenknödel beispielsweise. „Sie schmecken verführerisch gut“, verspricht der Fan Kärntner Küche. Doch nicht nur das: Die süße Hauptspeise ist eine wahre Protein-Bombe. Deshalb können ihre heranwachsenden Söhne gar nicht genug davon bekommen. „Das liegt am Quark, der in den Teig kommt.“ Angelika Diller freilich spricht von „Topfen“. Es muss sich übrigens um eine Mager-Variante handeln. „Sonst funktioniert der Teig nicht.“ Die Quarkmasse lässt die Hobbyköchin übrigens nicht wie sonst häufig in Rezepten beschrieben, abtropfen. „Das ist nicht notwendig“, sagt sie.

Auch beim Mehl greift die Österreicherin zu einer österreichischen Besonderheit: zum Wiener Grießler, wie doppelgriffiges Mehl genannt wird. Wiener Grießler liegt im Feinheitsgrad zwischen Mehl und Grieß und fühlt sich leicht körnig an. „Er eignet sich zum Backen von Strudel, Hefeteig, Biskuit und Spätzle – einfach für alles, was locker werden soll.“ Idealerweise halb Grießler, halb 405er-Mehl.

Angelika Diller kocht liebend gerne. Beruflich hat sie jedoch einen ganz anderen Weg eingeschlagen: „Ich habe Waffengraveurin gelernt.“ Als solche sei sie viel herumgekommen: „Ich habe in Italien, Schottland, England und an verschiedenen Orten in Deutschland gearbeitet.“ Aus gesundheitlichen Gründen gab sie nach dem dritten Kind den Beruf auf. Heute arbeitet Angelika Diller bei einem Hilfsmittelhersteller in der Region.

Dass sie sich mit ihrem Mann, einem gebürtigen Sauerländer, im Alpenvorland niedergelassen hat, ist kein Zufall. „Ich habe hier früher immer Urlaub gemacht, weil es mir hier so gut gefallen hat.“ Erst zog die Familie an den Tegernsee, seit vielen Jahren leben die Dillers im Warngau (Landkreis Miesbach).

Doch zurück zu den Knödeln mit Marillen. Weil die Marillenzeit den Dillers viel zu kurz ist, friert die gebürtige Österreicherin die Früchte gerne auch mal ein. Dann sollte man allerdings auf Zucker in der Frucht verzichten. Sonst wird’s zu süß. Alternativ kann man auch zu gefrorenen Erdbeeren greifen, lautet der Tipp von Angelika Diller. In diesem Fall werden die Früchte im gefrorenen Zustand in die Teigmasse eingearbeitet.

Aber am besten schmecken die Knödel aus Topfenteig mit Marillen, die idealerweise in der Wachau gewachsen sind.

Und wenn Angelika Diller ganz viel Zeit hat, holt sie die Früchte gerne auch mal selbst in der alten Heimat ab. Oder sie lässt sich die Marillen von Freunden mitbringen.

Denn so schmeckt ihr und ihrer Familie Heimat am allerbesten.

Artikel 4 von 4