Essbare Blüten: Kornblumen sind ein Hingucker.
Basilikum und Mozzarella sind im Sommer ein Klassiker. Besonders hübsch ist das blaue Kraut.
Bunte Vielfalt auf dem Teller mit den unterschiedlichsten Tomatensorten.
Der Teig für die Tomatentarte ist ein Mürbeteig und wird sorgfältig mit den Händen verknetet.
So schmeckt der Sommer: Kunterbunt dekorierte Tomatentarte mit Büffelmozzarella und Parmesan.
Konzentriert mischt Raluca Egger die Zutaten zusammen.
Einfach zum Anbeißen: die frisch gebackene Tarte.
Bei der Ernte: Egger züchtet seltene Tomatensorten.
Leben ihre Leidenschaft: die Innenarchitektin Raluca Egger und ihr Mann Johann Egger, ein Designer, haben die alte Gärtnerei übernommen. © Astrid Schmidhuber
Gräfelfing – Manchmal entscheidet der Zufall über das weitere Leben. So war es auch bei den beiden Münchnern Raluca (40) und Johannes Egger (45). Das Ehepaar suchte für sich und seine zwei Kinder ein Feld zum Bewirtschaften. „Wir wollten selbst gesunde Lebensmittel ziehen.“ Zunächst eigentlich für den Eigenbedarf. Über eine Internetplattform erfuhren sie von der alten Gärtnerei in Gräfelfing. 5000 Quadratmeter und rund 100 Jahre alte Gewächshäuser standen zur Pacht an. Nichts, was man neben einem Vollzeitjob betreibt. „Wir mussten uns entscheiden.“
Ein Gelände mitten im Wohngebiet also. Und plötzlich hatten die Innenarchitektin und der Designer eine Vision: „Wir erzeugen für die stadtnahe Bevölkerung Lebensmittel.“ Das Konzept ihrer Mikrofarm überzeugte die Gemeinde. Seit knapp vier Jahren bewirtschaften sie die Fläche inmitten von Wohnhäusern.
Seitdem ziehen die beiden Karotten, säen Pflanzen, züchten Blumen. Alles per Hand. Im Gewächshaus wachsen die unterschiedlichsten Tomaten. „Wir probieren jedes Jahr neue Sorten aus.“ Dazwischen stehen Kräuter und Blumen. Der große Unterschied zu konventionellen Betrieben: „Wir ernten wirklich erst, wenn das Obst bzw. das Gemüse reif ist.“
Mikrofarm, das bedeutet, dass auf kleinster Fläche Landwirtschaft betrieben wird. Alles in Handarbeit. Traktoren hätten hier auch gar keinen Platz, um über die Miniflächen zu fahren. „Das, was wir machen, geht weit über Bio hinaus“, erklärt Johannes Egger. „Wir sind dabei, den Boden zu regenerieren.“ Nach und nach soll das Angebot ausgebaut werden. „Im kommenden Jahr wollen wir an den Hanglagen Obstbäume setzen.“
Sie lernten während ihres Studiums in Italien: „Wenn man Essen direkt bei den Erzeugern auf dem Markt einkauft, ist es nicht nur frisch, sondern schmeckt auch hervorragend.“ Diese Lebensweise praktizieren sie jetzt wöchentlich mit ihren Abo-Angeboten. Ihr Motto: „Wir bringen die Landwirtschaft zu den Leuten.“ Mit Gemüse-Kisten und Blumen-Abos. Freitags ist der Hofladen von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Ihre Kunden stammen nicht nur aus Gräfelfing selbst, sondern auch aus dem Münchner Westend, wo die Familie selbst wohnt. Etwa 130 Haushalte beziehen die erntefrischen Erzeugnisse.
Mit ihren Kunden pflegen sie regen Austausch. Es ist mittlerweile eine regelrechte Rezept-Community entstanden. Nicht nur die Eggers informieren, was man mit den alten Gemüsen alles zubereiten kann. Auch die Kunden teilen ihre Erfahrungen mit. So schmeckt Gemüse von Nebenan. Immer wieder anders.