Drama an Küste: Seelöwen durch Blaualgen-Blüte vergiftet

von Redaktion

Rettungskräfte tragen tote und erkrankte Tiere vom Strand

Ab in die Tierklinik: Freiwillige bergen einen kranken Seehund, damit er gesund gepflegt werden kann. © Sullivan/dpa

Los Angeles – Alle paar Minuten klingelt bei den Einsatzkräften vom kalifornischen Meeresinstitut das Telefon und wieder meldet ein Strandspaziergänger einen desorientierten, von Krampfanfällen geplagten Seehund. In den letzten beiden Wochen wurden 25 Kalifornische Seelöwen von freiwilligen Helfern gerettet, mehrere Dutzend tote Säugetiere wurden eingesammelt. Die Helfer arbeiten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.

Das Drama wiederholt sich nach Angaben der Fischereibehörde »National Oceanic and Atmospheric Administration« .seit drei Jahren in den Sommermonaten: Es kommt an der Küste von Südkalifornien unterhalb von Los Angeles zu einer Algenblüte. Die Kieselalgen produzieren das Nervengift Domoinsäure, das sich in der Nahrungskette in Fischen, Muscheln und Tintenfischen anreichert. Bei Menschen löst das Toxin eine sogenannte Muschelvergiftung aus, die ebenfalls lebensgefährlich sein kann. Die Konzentration des Giftes erreicht für Tiere an der Spitze der Nahrungskette wie Delfine und Seelöwen tödliche Werte. Vergiftete Tiere können nicht mehr schwimmen, ihr Verhalten ist unberechenbar, sie wackeln mit dem Kopf, ihre Augen treten hervor. Sie haben Schaum vor dem Maul. Vergangenes Jahr starben mehr als 500 Seelöwen, erstmals verendeten auch 110 Delfine. Erkrankte Tiere hatten damals sogar Menschen attackiert. Überlebende Seelöwen erleiden nicht selten Hirnschäden und verlieren die Fähigkeit zur Orientierung und ihr Gedächtnis. Das Channel Islands Marine & Wildlife Institute berichtet, dass der aktuelle Vergiftungsfall vor allem erwachsene weibliche Kalifornische Seelöwen betrifft.

Einzelne Seelöwen mit Vergiftungssymptomen können eingefangen und behandelt werden. Vielen Tieren kann jedoch nicht mehr geholfen werden, sie verenden im Wasser und werden irgendwann tot an den Strand gespült. Insgesamt wird das Sterben der Seelöwen als ernsthaftes Umweltproblem angesehen, das jedoch überwiegend auf Menschen gemachte Ursachen zurückgeht: Die Domoinsäure produzierenden Kieselalgen profitieren von einer durch die Klimakrise erhöhten Wassertemperatur und von zu vielen von den Feldern ins Wasser gespülten Nährstoffen.

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