Was Blutwerte über die Gesundheit verraten

von Redaktion

Oft müde, erkältet oder kraftlos? Münchner Arzt erklärt, wann die Analyse einen Sinn macht

Diese Ärztin erklärt ihrem Patienten, was die Ergebnisse seiner Blutwerte für die Behandlung bedeuten. © Mauritius Images

Jede Farbe der Röhrchen steht für eine andere Analyse bei der Bestimmung des großen Blutbilds. © Mauritius Images

Unerklärliche Müdigkeit: Ein Check-up der Blutwerte kann helfen, verborgenen Nährstoffmängeln oder Infekten auf die Spur zu kommen. © Mauritius Images

München – Leberwerte, Blutzucker, Cholesterin, Entzündungen – viele Patienten haben von ihrem Hausarzt schon mal den Satz gehört: „Wir sollten mal Ihre Blutwerte checken.“ Aber was heißt das eigentlich? Welche Werte geben Hinweise auf welche Krankheiten und was bedeuten die vielen Zahlen im Laborbericht? Der Münchner Allgemeinmediziner Dr. Markus Frühwein erklärt, was die wichtigsten Werte über den Zustand unseres Körper, der Organe und mögliche Erkrankungen verraten.

„Eine Blutuntersuchung gibt Auskunft über die Funktion von Organen, Konzentration von Hormonen oder die Existenz von Viren oder anderen Erkrankungen im Körper. Aber jedes Messergebnis muss im Zusammenhang gesehen werden“, so Dr. Markus Frühwein. Denn ein erhöhter Wert alleine sagt oft gar nichts aus. Der Mediziner warnt: „Ein Wert ist erst mal nur ein Wert und kein Patient. Wenn man im Netz sucht, was hinter einem ungewöhnlichen Ergebnis stecken könnte, landet man unweigerlich bei einer Krebserkrankung. Was in den meisten Fällen glücklicherweise gar nicht zutrifft. Deshalb ist die Einordnung der Blutuntersuchung durch einen Arzt so wichtig.“ Denn ein zu hoher oder zu niedriger Blutwert kann viele Ursachen haben und nicht immer steckt eine Erkrankung dahinter.

■ Der Check-up 35

Immer mehr Patienten wünschen sich sicherheitshalber ein Blutbild wie eine Art Vorsorgeuntersuchung. Das jedoch ist aus medizinischer Sicht weder notwendig noch sinnvoll: „Regelmäßige Untersuchungen des Blutes machen nur dann einen Sinn, wenn jemand beispielsweise eine chronische Erkrankung wie Diabetes oder hohe Cholesterinwerte hat oder wenn längerfristige Symptome vorhanden sind, denen man auf den Grund gehen sollte“, so Dr. Frühwein. Ab dem 35. Lebensjahr zahlen die gesetzlichen Krankenkassen bereits einen Check-up 35, der alle zwei Jahre erneuert werden kann. Dabei werden neben einer ausführlichen Anamnese und einem Herz-Kreislauf-Check unter anderem auch Blutzucker, Blutfette und Harnsäure gemessen. Diese Werte sind aufschlussreich im Hinblick auf Erkrankungen wie Gefäßverkalkung oder Diabetes.

„Stellt sich bei einer Routine-Untersuchung heraus, dass Schilddrüsenwerte nicht in Ordnung sind oder Leberwerte dauerhaft aus dem Normbereich fallen, wird man die entsprechenden Stellschrauben drehen, um den Patienten medikamentös gut einzustellen. Kommt jedoch ein übergewichtiger Patient zu mir, der natürlich selbst weiß, dass er sich falsch ernährt und zu viel Alkohol konsumiert, hilft ihm der Laborwert, der ihm eine alkoholische Fettleber bestätigt, auch nicht weiter.“ In seiner Praxis erlebt Dr. Frühwein immer wieder, dass Patienten schwarz auf weiß haben möchten, was sie eh schon wissen und deshalb nach der Blutuntersuchung fragen. Oder dass sie erst dann beruhigt sind, wenn sie die Ergebnisse in Papierform in der Hand halten.

■ Aussagekraft der Werte

Wie aussagekräftig ein Blutbild ist, hängt nicht zwingend von der Menge der untersuchten Werte ab, sondern von der Qualität. „Wir können Tausende von Parametern bestimmen lassen, die am Ende des Tages nichts aussagen. Stellt man z. B. einen Mangel an freiem Eisen fest, sagt das noch nichts über den Eisenspeicher (Ferritin) im Körper. Dieser ist aber wichtig, um andere Werte richtig einzuordnen“, erklärt Dr. Markus Frühwein. „Ein Blutbild ist keine Vorsorgeuntersuchung, die man sich wie die Prophylaxe beim Zahnarzt in den Kalender schreiben sollte. Das Blutbild sollte dann angeordnet werden, wenn es zum Beispiel Anhaltspunkte für Erkrankungen oder Entzündungen gibt. Denn Blutbilder können richtig eingesetzt ein echtes Frühwarnsystem unseres Körpers sein und über die Funktion von Organen, den Hormonstatus und die Existenz von Erregern Auskunft geben.“

■ Die Blutentnahme

Schon während der Blutentnahme wird das Blut in verschiedene Probenröhrchen gefüllt, deren Farben unterschiedlichen Analysen zugeordnet sind. Einige Blutwerte könnten durch Nahrung, Getränke und Medikamente verändert werden. Deshalb müssen Patienten beispielsweise bei der Bestimmung von Blutzuckerwerten nüchtern in die Praxis kommen.

■ Ergebnis in zwei Tagen

Der Arzt entscheidet je nach Anlass für die Untersuchung oder das Krankheitsbild, welche Blutuntersuchungen durchgeführt werden. Ganz individuell entscheidet der Experte dann zudem, ob noch einzelne Werte hinzugefügt werden sollten. Im Labor angekommen, wird das Blut mit Hilfe analytischer Geräte in seine Bestandteile zerlegt – ein hochtechnischer Prozess. Die Auswertung ist meist innerhalb von zwei Tagen für den Arzt und damit auch für den Patienten verfügbar.


DORIT CASPARY

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