Unterirdisch weit verbreitet: Gefleckte Höhlenspinne.
Braucht Höhlen zum Überleben: Kleine Hufeisennase.
Höhlentier des Jahres 2025: Wegdornspanner.
Die Teufelshöhle in Bayern fasziniert, doch kaum bekannt ist die Vielfalt des Lebens unter Tage. © Hildenbrand/dpa
Erforscht Höhlen: Bärbel Vogel. © Peter Hofmann
Die gleichbleibende Feuchtigkeit in Höhlen kommt dem Feuersalamander zugute. Ausgewachsene Tiere klettern meist über Gesteinsspalten in den Untergrund. Salamander-Larven werden in flachen Höhlengewässern abgelegt. © Klaus Bogon (4)
Nesselwang – Bärbel Vogel aus Nesselwang brennt für die Unterwelt. Sie ist die Vorsitzende des Verbandes der deutschen Höhlen- und Karstforscher: „Höhlen geben treffsicher Auskunft über den Zustand der Welt. Wenn man das Jahresmittel einer Region wissen will, dann gehe man in eine Höhle. Die Temperatur, die da herrscht, entspricht dem Mittel. Mit großer Besorgnis nehmen wir wahr, dass es auch in den Höhlen im Jahresdurchschnitt wärmer wird.“ Höhlen sind zudem Bioindikatoren, das Wasser in Höhlen gibt Auskunft über den Zustand des Grundwassers.
Dann sind Höhlen eben auch Lebensräume für hochspezialisierte Tiere. In Deutschland gibt es über 700 Tierarten, die auf Höhlen als Behausung angewiesen sind. Das sind zum einen Tiere, die regelmäßig übernachten, überwintern, übersommern oder auch nur ihr Larven- oder Jugendstadium in der Höhle verbringen. Das sind zum anderen Tiere, die dauerhaft, meist über mehrere Generationen die Höhle besiedeln, aber auch dauerhaft außerhalb der Höhle leben könnten. Und das sind zum dritten jene, deren kompletter Lebenszyklus unterirdisch stattfindet. Für die letzteren ist der Verlust des Lebensraums auf jeden Fall ein Todesurteil, aber auch für die anderen Teilzeitbewohner sind Ausweichquartiere rar!
„Naturhöhlen sind schutzwürdige Geotope und Lebensräume und jeder Verlust einer Naturhöhle ist ein Verlust für immer, denn verschwundene Höhlen kann man nicht renaturieren. Gegenwärtig haben wir eine Liste von 647 Höhlen, die verschwunden sind. Die Dunkelziffer ist sehr viel höher, wir erfahren ja lange nicht von allen Höhlen, die mehrheitlich durch Gesteinsabbau wie z.B. Gips zerstört werden. Mit ihnen verschwinden auch ihre umgebenden Landschaften, es verschwinden archäologische und paläontologische Relikte und Tropfsteine, die als Klimaspeicher für die Wissenschaft wichtige Daten liefern“, bedauert Vogel.
Feuersalamander besiedeln das ganz Jahr über Höhlen und Bergwerksstollen. Ihnen kommt die hohe Luftfeuchte im Erdinneren zugute, die sie vor dem Austrocknen schützt. Eine typische Höhlenfledermaus im Sommer wie im Winter ist die Kleine Hufeisennase. Im Sommer zieht es die Höhlenstelzmücke in den Untergrund: Zu Tausenden suchen sie dort Schutz vor der Hitze und paaren sich. Dabei sind sie ein beliebter Snack für andere Höhlenbewohner. Die Höhlenwasserassel lebt ausschließlich im Grundwasser und ist dort vor ihrem größten Feind, dem Höhlenflohkrebs, auf der Hut.
Um den fragilen Lebensraum bekannter zu machen, wird ein Höhlentier des Jahres gewählt. „Es ist immer ein wenig schwierig. Die meisten sind hässlich, nicht grad fotogen“, meint Vogel. Das Höhlentier 2009 war der Höhlenflohkrebs. „Ich dachte, dass der irgendwie tot aussieht, wie überfahren und dann erfuhr ich, dass er sich auch seitlich liegend fortbewegt. Faszinierend!“ 2025 ist es der Wegdornspanner, auch Olivbrauner Höhlenspanner genannt. Der Schmetterling ist ein Nachtfalter, der regelmäßig in Naturhöhlen, Bergwerksstollen und Felsenkellern überwintert. Der Falter steht damit für eine große Zahl an Tierarten, die bei ihrer Überwinterung auf geschützte und frostfreie Rückzugsorte unter Tage angewiesen sind. Der Wegdornspanner wurde im Jahr 1758 von Carl von Linné erstmals für die Wissenschaft beschrieben. Die Art sitzt gewöhnlich in größeren Gruppen an der Höhlenwand, seltener an der Decke, in der Eingangs-, Übergangs- und Tiefenregion. In Deutschland kommt der Falter in allen Höhlengebieten vor und kann in den Alpen noch auf einer Meereshöhe von 2200 Meter nachgewiesen werden. „Die flächendeckende Verbreitung in unseren Höhlen und die Tatsache, dass die Tierart auch für den Laien leicht erkennbar ist, führten dazu, dass der Wegdornspanner zum Höhlentier 2025 gewählt wurde. Es nutzt ja nichts, etwas in den Fokus zu rücken, was man nie zu sehen bekommt“, sagt Vogel.
Dabei hat auch das Verborgene seinen Reiz. Viele Wissenschaftsdisziplinen können profitieren: Erkenntnisse zu den Arten in unterirdischen Lebensräumen sind immer noch spärlich, man weiß, dass ursprünglich an der Erdoberfläche lebende Arten im Laufe der Zeit an das Höhlenleben angepasste Populationen entwickelt haben. Das klingt zwar im ersten Moment komisch, aber die extremen Lebensbedingungen haben den Vorteil, dass man kaum Konkurrenz durch andere Arten zu fürchten hat. Ohne jahreszeitliche Temperaturschwankungen erlaubt das Höhlenleben eben auch eine ganzjährige Fortpflanzung!
Mehr Infos
Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher, www.hoehlentier.de, www.vdhk.de