Erster Ausflug auf wackligen Beinen

von Redaktion

Eisbärenbaby erkundet mit Mutter Nuka sein Gehege in Karlsruhe und wird nach innen gelockt

In einer Halbhöhle im Außenbereich hat Eisbärin Nuka ihren Nachwuchs zur Welt gebracht.

Putzmunter und abenteuerlustig: Bilder der Überwachungskamera zeigen den Eisbärennachwuchs. © Timo Deible/dpa (2)

Karlsruhe – Es ist ein kleines Wunder – und einfach nur niedlich: Das Eisbärenbaby aus dem Karlsruher Zoo hat einen ersten Ausflug ins Freigehege unternommen. Den Forscherdrang sahen die Tierpfleger und Zoodirektor Matthias Reinschmidt mit großer Sorge: Fällt das unbeholfene Kleine in den abgelassenen Wassergraben, könnte es sich schwer verletzen. Würde Wasser eingelassen, könnte der Zwerg ertrinken. Doch alles ging gut: Mutter Nuka passte gut auf den Sprössling auf, auch als dieser versuchte einen zu großen Felsblock zu erklimmen und mehrfach auf sein gut gepolstertes Hinterteil plumpste.

Die Eisbärin ließ sich mit ihrer Lieblingsnascherei, dem Lachsöl, endlich in das Innengehege locken, wo es eine Geburtshöhle gibt. Zum ersten Mal Mutter geworden, hatte sie den Zwillingsnachwuchs Anfang November überraschend in einem Unterstand auf dem Außengehege geboren. Ein Tier starb kurze Zeit später, für das zweite Baby rechneten sich die Verantwortlichen nur wenige Chancen aus. Doch Nuka kümmert sich hingebungsvoll, das bei der Geburt nur meerschweinchengroße und sehr anfällige Bärenkind entwickelte sich prächtig. Mit drei Monaten sollte es jetzt so 13 Kilo wiegen.

Nun in der Innenhöhle hoffen die Pfleger, das Eisbärenkind untersuchen und das Geschlecht bestimmen zu können. Dafür müssen Mutter und Kind kurzzeitig getrennt werden, eine heikle Aufgabe. Aber dann kann auch endlich ein Name ausgewählt werden. Derweil wird der Außenbereich ordentlich aufgeräumt und gereinigt. Alles soll zu einem sicheren Abenteuerspielplatz für den Nachwuchs umgestaltet werden, ab Mitte März vermutlich dürfen dann Besucher wieder ans Gehege. Bisher war es weiträumig abgesperrt, um der Mutter die größtmögliche Ruhe zu geben.

Vater Kap übrigens wird von seiner kleinen Familie getrennt gehalten. Denn es kommt nicht selten vor, dass erwachsene Eisbären den Nachwuchs attackieren. Insgesamt jedoch freut sich der Karlsruher Zoo über eine sehr erfolgreiche Zusammenführung: Die acht Jahre alte und in Dänemark geborene Nuka war erst Anfang März nach Karlsruhe gekommen, in der Hoffnung, dass sie sich mit dem Männchen Kap gut verstehen würde. Tatsächlich war es praktisch Liebe auf den ersten Blick: Schon im April paarten sich die beiden mehrfach. Erst bei der Paarung wird bei den Weibchen der Eisprung ausgelöst. Anschließend kommt es zu einer Keimruhe, die mehrere Wochen dauert, bis sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistet. Es kommt nur zu einer Schwangerschaft, wenn die Mutter gut genährt ist. Sie braucht mindestens 200 Kilo an Fettreserven, da sie in der ersten Zeit die Wurfhöhle nicht verlässt. Die eigentliche Trächtigkeit beträgt dann nur 65 Tage, ist also sehr kurz. Daher war es für den Zoo Karlsruhe schwer vorherzusagen, wann Nuka wirklich trächtig wurde und wie lange es bis zur Geburt dauern würde. Auch in Freiheit finden die Geburten im Winter statt.

Beide Tiere gelten im Europäischen Programm der Zoos zur Arterhaltung als besonders wertvoll. In europäischen Zoos leben gut 140 Tiere, viele davon gelten als nicht geeignet zur Zucht, sodass die Bemühungen, der Tierart in Gefangenschaft ein Überleben zu sichern, wenig aussichtsreich erscheinen.

Artikel 2 von 8