Tipps fürs passende Hörgerät: Prof. Martin Canis gehört zu den führenden HNO-Spezialisten. © Foto: Andreas Steeger
Verschiedene technische Lösungen: Eine Frau trägt ein Hörgerät hinter dem Ohr. © Foto: Panther Media
Hörgeräte unterscheiden sich nicht nur in der Optik, sondern auch in der Klangfarbe und in der Handhabung. Anders als die früher üblichen analogen Hörgeräte lassen sich digitale Hörgeräte so programmieren, dass sie sich automatisch auf verschiedene Hörsituationen einstellen. Sie blenden störende Hintergrundgeräusche wie Verkehr, Stimmengewirr oder Wind aus, dämpfen plötzlich auftretende Geräusche und verstärken die Sprache. Im Prinzip können Hörgeräte in zwei große Gruppen unterteilt werden: Entweder sitzen sie innerhalb des Ohres (IdO-Hörgeräte) oder hinter der Ohrmuschel (HdO-Hörgeräte).
Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte sind die am weitesten verbreiteten Hörhilfen. Sie werden am äußeren Ohr getragen und sind daher grundsätzlich sichtbar, wenn auch viel unauffälliger als die klobigen Vorgänger. Die Ohrpassstücke (Otoplastiken) werden individuell für unterschiedliche Ohrgrößen, -formen und Farben angefertigt. Bei Schlauch-Hörsystemen sitzt der Lautsprecher im Hörgerät, und der Schall wird durch einen kleinen Schlauch in den Gehörgang geleitet. Bei anderen Systemen sitzt der Lautsprecher direkt im Gehörgang und ist über ein dünnes Kabel mit dem Hörgerät verbunden. Sie klingen weniger verzerrt und sind meist kleiner als Schlauch-Hörsysteme.
Im-Ohr-Hörgeräte sind so klein, dass sie im äußeren Gehörgang Platz finden und kaum zu sehen sind. Dafür werden Abdrücke von den Ohren genommen, um die Hörgeräte perfekt anzupassen. Sogenannte Gehörgangs- oder CIC-Systeme (Completely-in-the-canal) liegen vollständig im Gehörgang und sind fast nicht zu sehen. Um das Gerät zu reinigen oder die Batterie auszutauschen, wird es an einem Nylonzugfaden aus dem Gehörgang gezogen. Noch kleiner sind IIC-Systeme (Invisible-in-the-canal). Sie werden tief in den Gehörgang eingeführt und kurz vor der zweiten Krümmung des Ohrkanals platziert. Von außen sind sie komplett unsichtbar. Auch sie werden zum Batteriewechsel an einem Nylonfaden herausgezogen. Allerdings können alle Im-Ohr-Hörgeräte als Fremdkörper im Ohr wahrgenommen werden sowie durch Ohrenschmalz zum Verschluss des Gehörganges führen. Sie sind meist auch deutlich teurer und bei einem starken Hörverlust oft mit der Verstärkung überfordert.
Mittelohr- und Knochenleitungsimplantate: Ist eine Versorgung mit konventionellen Hörgeräten nicht möglich (z. B. bei anatomischen Besonderheiten oder chronischen Entzündungen), oder war das Hörergebnis nicht zufriedenstellend, stehen verschiedene Mittelohr- und Knochenleitungsimplantate zur Verfgung. Dabei wird der Schall durch einen extern am Kopf sitzenden Audioprozessor aufgenommen und drahtlos durch die Kopfhaut an das Implantat gesendet. Ein winziger Stimulator gibt dieses mechanisch an die Gehörknöchelchen oder den Schädelknochen ab.
Cochlea-Implantate: Wenn auch das stärkste Hörgerät nicht hilft, kann der Hörnerv auch durch ein Cochlea-Implantat (CI) stimuliert werden. Diese verstärken den Schall nicht, sondern ermöglichen ihm einen anderen Weg zum Gehirn, indem sie den Teil des Ohres, der nicht funktioniert, umgehen. Bei Cochlea-Implantaten wird der Hörnerv direkt elektrisch stimuliert, indem die Haarzellen durch Elektrodenkontakte sozusagen „ersetzt“ werden. Es besteht aus zwei Hauptkomponenten: dem Implantat, das direkt unter der Kopfhaut eingesetzt wird und eine Elektrode in die Hörschnecke hat, sowie einem außen am Kopf oder hinter dem Ohr getragenen Audioprozessor, der die Schallinformationen aufnimmt und direkt an das Implantat sendet. Übrigens: WLAN-Geräte haben keinen Einfluss auf Cochlea-Implantate oder deren Audioprozessoren. Wer ein CI trägt, muss sich also keine Sorgen über Störungen machen.
YW