Wie bitte? Endlich wieder besser hören

von Redaktion

Hilfe bei Schwerhörigkeit – Hintergründe zum Hörverlust – Die besten Tipps vom Spezialisten

Instrumente für die Ohrenuntersuchung: hier ein Tablett mit sogenannten Ohrtrichtern.

Hörtest im LMU-Klinikum: Der Patient muss einen Knopf drücken, sobald er einen Ton hören kann.

Experten-Blick ins Ohr: Professor Martin Canis, Direktor der HNO-Klinik des LMU Klinikums, untersucht eine Patientin. © Fotos: Andreas Steeger/LMU Klinikum

München – Wenn das Gehör nachlässt, kann das viele Ursachen haben. Allen voran das Alter. Wie man dem Verlust der Hörfähigkeit vorbeugen kann und weshalb es so wichtig ist, beim Verdacht auf Schwerhörigkeit so schnell wie möglich zum Arzt zu gehen, erklärt Professor Martin Canis, Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des LMU Klinikums. Er zählt zu Deutschlands führenden HNO-Spezialisten.

Ein gesundes Gehör ist wichtig für unsere Lebensqualität. Wird es schlechter oder geht es verloren, kann das unseren Alltag und unser Wohlbefinden stark einschränken. Doch leider machen die Alterungsprozesse auch vor unseren Ohren nicht halt, und so ist fast jeder irgendwann von der Altersschwerhörigkeit (Presbyakusis) betroffen. Rund 17 Millionen Erwachsenen in Deutschland sind laut Aussage des Robert-Koch-Instituts schwerhörig. Am häufigsten finden sich Hörstörungen dabei im höheren Lebensalter. „In der Altersgruppe über 60 hat immerhin mehr als jeder 5. Mensch Schwierigkeiten mit dem Hören“, weiß Canis. „Und auch wenn die meisten mit 50 noch keine Probleme haben, kann die Innenohrfunktion bereits in diesem Alter abnehmen.“

Signalübertragung wird gestört

„Unter Altersschwerhörigkeit versteht man die Abnahme des Gehörs mit zunehmenden Lebensalter, also eine Art Verschleiß“, erklärt Professor Canis. „Es handelt sich hierbei um eine Innenohrschwerhörigkeit bei der Töne im hohen Frequenzbereich schlechter wahrgenommen werden. Manchmal entsteht auch ein Tinnitus. Die Ursache ist eine Funktionseinschränkung vor allem der äußeren Haarzellen in der Hörschnecke. Man muss sich das so vorstellen: Die mit Flüssigkeit gefüllte Hörschnecke enthält feine, bewegliche Haarzellen. Diese Sinneszellen nehmen den Schall auf, schwingen hin und her und wandeln dabei die akustischen Wellen in elektrische Signale um, die an das Gehirn weitergeleitet werden. Im Alter verkümmern die Haarzellen, die Signalübertragung ist gestört. Das betrifft die kleinen Sinneszellen, die für die hohen Frequenzen zuständig sind.“

Eine einzige medizinische Ursache für Schwerhörigkeit gibt es meist nicht, in der Regel ist es die Summe aller hörschädigenden Einflüsse des Lebens. Faktoren wie Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, chronische Ohrentzündungen, anhaltende Lärmbelastungen oder Stoßverletzungen können das Risiko noch zusätzlich erhöhen. „Menschen, die sich häufiger in lauten Umgebungen aufhalten sind z. B. häufiger betroffen“, so Canis, „Auch die Gene spielen eine Rolle.“

Das Fatale daran: Aufgrund des schleichenden Verlaufs bleibt eine Schwerhörigkeit häufig lange unbemerkt. Die eingeschränkte Kommunikation und die fehlenden akustischen Umwelt-Reize führen oft zu einer schleichenden Vereinsamung, denn viele Betroffene ziehen sich zurück. Hinzu kommt, dass Altersschwerhörigkeit auch ein wichtiger Risikofaktor für Demenz ist.

„Daher ist es in jedem Alter sinnvoll, die Ohren von einem Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde (HNO) untersuchen und das Gehör testen zu lassen, aber besonders dann, wenn man erste Anzeichen einer Schwerhörigkeit bei sich wahrnimmt“, rät Professor Canis. „Je früher eine Schwerhörigkeit festgestellt wird, umso erfolgreicher kann diese versorgt und die Lebensqualität verbessert werden.“ „Eine medizinische Behandlung gibt es leider nicht, aber ein beginnender Hörverlust lässt sich mit einem Hörgerät gut ausgleichen“, berichtet Canis. „Aber, man muss wissen: Je länger man wartet, desto schwieriger wird es allerdings, weil sich das Gehirn erst an das ,neue Hören‘ anpassen muss.“

Doch wie genau äußert sich eine beginnende Schwerhörigkeit? „Das Sprachverstehen insbesondere in geräuschvoller Umgebung nimmt ab“, erklärt Canis. „Dann können bereits relativ leise Geräusch als unangenehm empfunden werden. Auch ein Tinnitus kann ein Hinweis sein! In der Regel sind immer beide Ohren gleichzeitig betroffen, bei Lärmbelastung in der Vergangenheit kann jedoch eine gewisse Asymmetrie auftreten.“

Test enttarnt Ursache des Hörverlusts

Um die Ursache des Hörverlustes und den Grad der Beeinträchtigung zu testen, wird der Facharzt auch einen Hörtest machen. Hier gibt es verschiedene Testverfahren: Das gängigste ist ein Tonaudiogramm, bei dem über einen Kopfhörer Töne in unterschiedlichen Frequenzen abgespielt werden.

Wird eine Schwerhörigkeit diagnostiziert sind Hörgeräte in den meisten Fällen die geeignete Therapie. „Diese werden von den Krankenkassen – je nach Kasse – ganz oder teilweise bezahlt“, so der HNO-Spezialist.
YVONNE WALBRUN

Artikel 2 von 4