Ärger um HPV-Impfung

von Redaktion

Die AOK zahlt in manchen Bundesländern – nicht aber in Bayern

Teure Spritzen: Drei Impfungen gegen die krebserregenden HPV-Viren sind nötig, jede Impfdosis kostet 196,80 Euro. Hinzu kommen je 35 Euro für das Spritzen beim Arzt.

Zwei Frauenärztinnen rieten Susanne Sasse zur HPV-Impfung nach Entfernung von Krebsvorstufen, die Kasse aber verweigert die Bezahlung. © Markus Götzfried (2)

München – Mit Krebsvorsorgeuntersuchungen ein wenig schlampen, das passiert vielen. Auch ich muss zugeben, dass ich die Frauenarzt-Vorsorge im vergangenen Herbst nur deshalb nicht verschwitzte, weil meine Frauenärztin mich per E-Mail daran erinnerte, einen Termin zu vereinbaren. Weil ich dachte, es sei schon alles in Ordnung, investierte ich auch keine 50 Euro in eine Ultraschalluntersuchung des Unterleibs, die anders als der PAP-Abstrich keine Kassenleistung ist. Beim PAP-Abstrich werden Zellen auf Veränderungen untersucht, die die Frauenärztin vom Gebärmutterhals abstreicht.

Als die Frauenärztin kurz drauf anrief, hatte ich ein ungutes Gefühl. Der Test auf krebserregende Typen von Humanen Papillomaviren (HPV) war positiv, auch gab es Anzeichen für Krebsvorstufen. „Würde man alle Menschen gegen HPV impfen, wäre Gebärmutterhalskrebs ausgerottet“, dieser Satz, den mir LMU-Frauenklinik-Chef Prof. Sven Mahner mehrfach in den Block diktiert hatte, hallte in meinem Kopf nach. Ich bin 50 Jahre alt, als ich jung war, gab es diese Impfungen noch nicht.

In einer Spezialsprechstunde („Dysplasie-Einheit“) wurden Gewebeproben entnommen. Diese enthielten hochgradige Krebsvorstufen, die operativ entfernt werden mussten. Das ließ ich schnell machen. Nach der OP verschwinden zu 95 Prozent auch die HP-Viren. Meine Frauenärztin und die operierende Ärztin rieten mir dringend – und schriftlich – zur Impfung. Diese reduziere das Risiko, dass HPV und Krebsvorstufen wieder auftreten, um mehr als die Hälfte.

Doch die AOK Bayern lehnte es ab, die Kosten von rund 700 Euro (3 Impfdosen zu je 196,80 Euro und jeweils 35 Euro für das Impfen) zu übernehmen. „Studien haben gezeigt, dass jüngere Patienten eine bessere Immunantwort nach der HPV-Impfung aufbauen als ältere“, mit diesem dürren Satz begründet die Krankenkasse ihr Nein. Obwohl „HPV-Impfungen im Erwachsenenalter in Einzelfällen medizinisch sinnvoll sein können“, wie die AOK schreibt. Ich habe Widerspruch gegen die Ablehnung eingelegt – eine Antwort steht noch aus.

Was mich ärgert: In anderen Bundesländern, etwa im benachbarten Baden-Württemberg, würde die AOK die HPV-Impfung zahlen. Andere Krankenkassen auch in Bayern. Wer wissen will, ob seine Kasse eine HPV-Impfung im Erwachsenenalter zahlt: Die Initiative „Entschieden gegen Krebs“ listet im Internet auf, welche Krankenkassen in welchem Bundesland die Kosten einer HPV-Impfung bis zu welchem Alter übernehmen. Die genaue Adresse: https://www.entschiedengegenkrebs.de/vorbeugen/kostenerstattung/
S. SASSE

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