Die Illustration zeigt, wie Car-T-Zellen Krebszellen angreifen. © Foto: Panthermedia
Grigorios mit seiner Mama Lida. Der 17-jährige Münchner ist an Leukämie erkrankt, aber die Krankenkasse will eine lebensrettende Therapie nicht zahlen. © Astrid Schmidhuber(2)
München – Eine Krebsdiagnose oder auch nur die einer Vorstufe eines bösartigen Tumors ist ein Schock. Die Patienten leiden aber noch mehr, wenn ihnen Ärzte Behandlungen dringend empfehlen, doch Krankenkassen sich weigern, die Kosten zu übernehmen. Denn Krebs bleibt – trotz aller medizinischen Fortschritte – eine tödliche Gefahr. Seit rund zehn Jahren sterben jedes Jahr gut 231 000 Menschen in Deutschland an Krebs. Wir berichten heute auf der Medizinseite über zwei Fälle, in denen die Kassen sich entgegen dem Rat der behandelnden Ärzte querstellen.
■ Die Leukämie kam sehr plötzlich
Vor zwei Jahren war der quirlige Grigorios aus Untergiesing plötzlich immer häufiger schlapp und müde. Der heute 17-jährige Münchner, der die elfte Klasse besucht, hatte keine Lust mehr, Fußball zu spielen. Seine Mutter Lida machte sich große Sorgen – doch zwei Ärzte winkten ab. Erst ein Hausarzt wurde stutzig. Nach einigen Untersuchungen stand die Diagnose Leukämie fest. Genau gesagt: akute lymphatische Leukämie, kurz ALL. „Das ist die häufigste Leukämie bei Kindern“, erklärt Prof. Christoph Klein, Direktor des Dr. von Haunerschen Kinderspitals der LMU München. Da eine ALL rasch voranschreitet, war schnelles Handeln angezeigt.
Die Erkrankung riss Grigorios plötzlich aus seinem Alltag: Der ehemals sportliche Jugendliche wiegt inzwischen nur noch 51,9 Kilogramm bei einer Körpergröße von 167 Zentimetern. Nach einer Chemotherapie und einer Transplantation von Blutstammzellen im Winter 2023 tauchten im Dezember leider wieder Krebszellen in seinem Blut auf. Eine erneute Chemo hat Grigorios bereits bekommen. „Doch brauchen wir auch noch schärfere Waffen, um die Krebszellen im Blut alle zu vernichten, bevor wir erneut Blutstammzellen transplantieren, damit bei Grigorios wieder eine normale Blutbildung funktioniert“, erklärt Prof. Klein.
■ Es fehlen 35 000 Euro für die Behandlung
Der Experte für Krebs bei Kindern setzt auf eine CAR-T-Zelltherapie (siehe Kasten rechts). Bei dieser wird vereinfacht gesagt das körpereigene Immunsystem scharf gemacht, damit es Krebszellen gezielt vernichten kann. Die CAR-T-Zellen entdecken die Tumorzellen an deren Oberflächenstruktur, erklärt Prof. Klein. Um zu sehen, ob eine CAR-T-Zelltherapie Aussicht auf Erfolg hat, testet man zunächst im Labor an einer Blut- und Knochenmarkprobe, ob Antikörper die Krebszellen erkennen. Tun sie das, leuchten sie. „Wir haben auf zwei verschiedene Oberflächenstrukturen getestet, genau gesagt auf CD 19 und CD 22 – und nur bei CD 22 zeigte sich eine Reaktion“, sagt Prof. Klein. Das Problem: Die zugelassenen CAR-T-Zelltherapien zielen alle auf CD 19. Doch es gibt Grund zur Hoffnung: An der Universität in Tübingen befindet sich eine neue CAR-T-Zelltherapie in Studienphase zwei, die über zwei verschiedene Zielantigene (CD19 und CD22) Krebszellen zerstören kann. „Da sie noch nicht offiziell zugelassen ist, verweigert nun die Krankenkasse die Kostenübernahme“, bedauert Prof. Klein. Und das, obwohl die Uni Tübingen einen großen Teil der Kosten von 150 000 Euro übernimmt.
„Es fehlen uns noch 35 000 Euro, damit wir Grigorios Hoffnung auf ein Leben ohne Leukämie machen können“, sagt Prof. Klein. „Die CAR-T-Zelltherapie ist meine einzige Chance!“, sagt Grigorios. Weil Ärzte und Familie an die Therapie glauben, bitten sie nun um Spenden für Grigorios – „und sollten mehr Spenden als nötig eintreffen, so kommen diese anderen schwer kranken Kindern in ähnlicher Lage zugute“, versichert Kinderklinikchef Prof. Klein.
■ Spendenkonto für Grigorios
Wer helfen will, kann zweckgebunden an den Stiftungsfonds Kindermedizin der LMU München spenden. Empfänger: LMU München KdöR, IBAN: DE16 7002 0270 0015 6232 55, BIC: HYVEDEMMXXX, Stichwort „Grigorios“.
SUSANNE SASSE