Dr. Reinhard Schneiderhan Orthopäde im Wirbelsäulenzentrum München-Taufkirchen © Foto: MVZ Dr. Schneiderhan /Kollegen
Die von Ihnen beschriebenen Beschwerden sind typisch für eine Reizung des Ischiasnervs – und in der Tat könnte ein Bandscheibenvorfall der Auslöser sein. Dies sollte aber gründlich abgeklärt werden. Wichtig ist, dass bei der Diagnostik nicht nur Bilder der Magnetresonanztomografie (MRT) berücksichtigt werden, sondern vor allem die Ergebnisse einer klinischen, also körperlichen Untersuchung. Diese sollte am besten in einem Wirbelsäulen-Zentrum erfolgen, in dem Ärzte verschiedener Fachrichtungen interdisziplinär zusammenarbeiten – unter anderem konservative Orthopäden und Neurochirurgen. Eine Operation ist bei einem Bandscheibenvorfall nur selten nötig – dann nämlich, wenn neurologische Ausfallerscheinungen aufreten, etwa Lähmungserscheinungen im Bein oder sogar ein Kontrollverlust über Darm- und Blasenfunktion. In den allermeisten Fällen lassen sich selbst hartnäckige Ischiasbeschwerden mit konservativen und minimalinvasiven Therapien gut lindern. Dazu zählen beispielsweise Einspritzungen mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten unter Röntgenkontrolle. Als besonders effektiv gilt – belegt durch eine große internationale Langzeitstudie – der Wirbelsäulenkatheter. Das ist ein dünner, steuerbarer Schlauch, der im unteren Bereich der Wirbelsäule in den Spinalkanal eingeführt wird, während sich der Patient in einer leichten Dämmerschlafnarkose befindet. Muss wirklich operiert werden, sollte geprüft werden, ob eine endoskopische OP-Technik infrage kommt. Sie ist schonender als mikrochirurgische Verfahren.