Präziser als ein EKG: Früherkennungs-Analyse mit KI

von Redaktion

Die Cardisiografie bestimmt den Zustand der Herzgesundheit mittlerweile mit einer Genauigkeit von 94 Prozent

Wie beim EKG: Hier legt Dr. Milan Dinic seinem Patienten Anton K. die Cardisiografie-Elektroden an. © SIGI JANTZ

München – Seit Juli 2021 bietet Dr. Milan Dinic die Cardisiografie in seiner Praxis in der Münchner Innenstadt (Theatinerstaße 44) an. Mehr als 4000 Untersuchungen hat er seither damit bereits durchgeführt, über 200 Befunde davon waren hochgradig auffällig. Viele davon waren Zufallsbefunde – ausgeprägte Koronare Herzerkrankungen (KHK) ohne alarmierende Beschwerden, so wie bei Anton K. und seiner Frau. Wenn es um die Früherkennung einer KHK bei Patienten ohne Symptome geht, haben EKG bzw. Belastungs-EKG eine Genauigkeit von 50 Prozent. So steht es in den deutschen und europäischen kardiologischen Leitlinien. Die Cardisiografie dagegen erreicht eine Genauigkeit von 94 Prozent.

Die Früherkennung wurde von dem Frankfurter Unternehmen Cardisio entwickelt. Dessen CEO Meik Baumeister (57) überlebte selbst mit 30 Jahren einen Herzinfarkt. Weltweit wurden bereits 250 000 Cardisiographien durchgeführt. In Deutschland nutzen mittlerweile rund 650 niedergelassene Ärzte diese Technik in ihren Praxen. Laut Statistik der Cardisio GmbH sind ca. 30 Prozent der Messungen auffällig, rund elf Prozent davon sogar hochgradig auffällig wie im Fall von Anton K.

Über fünf Elektroden auf der Haut werden elektrische Signale des Herzens wie bei einem EKG vier Minuten lang aufgezeichnet. Die Auswertung erfolgt über einen KI-Algorithmus. Am Ende steht der Cardisio-Index. Dr. Dinic: „So bekomme ich den präzisen Überblick über das Infarktrisiko eines Patienten.“ Mit einer Genauigkeit von 94 Prozent weiß der Kardiologe jetzt, wie es um die Herzgesundheit seiner Patienten steht. Die Ergebnisse reichen von beginnenden und mittleren Verengungen der Herzkranzgefäße bis hin zu echten Notfällen. Es lässt sich auch erkennen, ob eine angeborene bzw. erworbene Herzerkrankung oder Herzrhythmusstörungen vorliegen.

„Ist die Cardisiografie auffällig, bedeutet es nicht, dass wir Sie gleich zur Herzkatheteruntersuchung schicken. Denn wir möchten eventuell unnötige, invasive Untersuchungen im Krankenhaus für unsere Patienten vermeiden“, beruhigt Dr. Dinic. Zeigt die Cardisiografie Herzrhythmusstörungen an, genügt zunächst eine Abklärung per Langzeit-EKG. Bei dem Hinweis auf eine Durchblutungsstörung erfolgt ein Kardio-CT. Erst danach wird von Fachärzten entschieden, ob eine Herzkatheteruntersuchung notwendig ist, die in Deutschland etwa eine Million mal jährlich durchgeführt wird. Dieser minimalinvasive Eingriff zur Untersuchung des Herzens auf einem Röntgen-Bildschirm erfolgt über einen Zugang z. B. über Handgelenk, Leiste oder Ellenbeuge. Die Herzkatheteruntersuchung ermöglicht gleichzeitig Diagnostik und Therapie wie etwa den Einsatz eines oder mehrerer Stents. Aber: „Ein großer Teil der Herzkatheteruntersuchungen bleibt ohne Befund – denn viele der Patienten benötigen gar keinen Stent.“ Private Krankenkassen übernehmen die Kosten der Cardisiografie. Dr. Dinic hofft, dass auch die gesetzlichen Krankenkassen die Untersuchung künftig bezahlen werden. Derzeit müssen Kassenpatienten dafür noch 90 Euro in Eigenleistung bezahlen. Weitere Informationen zum Thema finden Sie unter www.dr-dinic.de
DOP

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