Spezieller Herz-Check rettet Ehepaar

von Redaktion

Anton (67) und Edeltraud K. (72) ahnten lange Zeit nichts von ihrem Infarkt-Risiko

Gemeinsam um die Welt: Hier sitzen Anton und Edeltraud K. an der Atlantikküste in Portugal am Cabo da Roca – dem westlichsten Punkt Europas. © privat

Im Sommer lockt der Bergsport: Anton K. auf einer Gipfeltour im österreichischen Heutal im Salzburger Land. © privat

Ein Foto mit starker Symbolkraft: Hier stehen Anton und Edeltraud K. vor einem Herz aus Schnee im Ski Juwel Wildschönau im Tiroler Alpbachtal. © privat, Sigi Jantz

München – Anton (67) und Edeltraud K. (72) treiben täglich Sport, achten auf Ernährung und Gewicht, reisen gern und pflegen seit 20 Jahren ein sehr glückliches Familienleben. Beste Vorausetzungen also für ein langes Leben bei bester Gesundheit. Dachten sie. Tatsächlich litten alle beide unter einer unerkannten Koronaren Herzerkrankung (KHK), die unbehandelt jederzeit zum Herzinfarkt hätte führen können. Gerade noch rechtzeitig wurde die Gefahr erkannt bei einem speziellen Herzcheck (Cardisiografie) in der Praxis des Münchner Kardiologen Dr. Milan Dinic. Ein Plädoyer für die Vorsorge. Und eine Geschichte, die im wahrsten Sinne des Wortes zu Herzen geht.

■ Seltsame Symptome

Sport war und ist ein zentraler Punkt im Leben des Ehepaars K. Pilates, Nordic Walking, Bergwandern, Skilanglauf, Fitnessstudio, Schwimmen – „wir sind eigentlich immer in Bewegung und waren überzeugt davon, kerngesund zu sein“, sagt der pensionierte Polizeihauptkommissar Anton K. Darum führte seine Ehefrau ihre schmerzenden Verspannungen in Nacken und Rücken im Frühjahr 2023 zunächst auf ein Muskelproblem zurück. Doch ihr Orthopäde fand nichts und auch Massagen halfen nicht. Edeltraud K. suchte im Internet nach einer Erklärung für ihre Symptome. Und fand heraus, dass die Vorboten eines Herzinfarkts bei Frauen und Männern völlig verschieden (siehe Text rechts) ausfallen können. Zudem passten ihre Symptome genau zu den alarmierenden Vorboten einer Koronaren Herzerkrankung.

■ Höchste Gefahr

Auf der Homepage des Münchner Kardiologen und Sportmediziners Dr. Milan Dinic stieß sie auf die Cardisiografie – ein Herz-Check wie ein EKG, der nur wenige Minuten dauert. Am 13. April 2023 kam sie zu der Untersuchung. Das Ergebnis war ein Schock für die ganze Familie. Dr. Dinic: „Die Perfusions-Werte zeigten ganz eindeutig eine Durchblutungs-Störung an. Eine Herzkranz-Arterie war schon fast dicht. Ich habe sie sofort ins Deutsche Herzzentrum überwiesen.“ Im Kardio-CT bestätigte sich der Verdacht. Mit einem Herzkatheter wurde ihr ein Stent eingesetzt. Damit war die Gefahr eines Herzinfarkts gebannt.

■ Eine Zeitbombe

Nur seiner Frau zuliebe („Sie ist mein Sechser im Lotto“) ging auch Anton K. fast auf den Tag genau ein Jahr später, am 16. April letzten Jahres, zur Cardisiografie zu Dr. Dinic. „Ich ging sicher davon aus, dass ich dort Entwarnung bekomme. Zwar hat meine Mutter im Alter von 65 Jahren einen Hinterwandinfarkt überlebt. Weil ich doch aber topfit bin und immer alle Vorsorgeuntersuchungen gemacht habe, war ich sicher, dass diese familiäre Vorbelastung keine Rolle spielt.“

Genau das Gegenteil war der Fall: „Sein Ergebnis war hochpathologisch. Das war eine Zeitbombe“, bestätigte Dr. Dinic. Auch Anton K. musste zum Kardio-CT ins Herzzentrum: „Die Ärzte haben mich gleich dabehalten“. Drei Herzkammern und ganz speziell die Hinterwand waren betroffen: „Ich musste begreifen, dass ich auf dem direkten Weg zu einem Herzinfarkt war. Das hat mich wirklich schockiert und auch psychisch massiv getroffen. Da wird einem die Endlichkeit des Lebens voll bewusst.“ Das Ehepaar wollten damals eigentlich nach Asien und Kanada fliegen: „Ich weiß nicht, ob ich das überlebt hätte.“ Das bestätigte ihm auch sein Operateur Prof. Dr. Heribert Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum. Fünf Stents wurden Anton K. bei drei Eingriffen per Katheter eingesetzt. Nach der letzten und schwierigsten OP sagte Prof. Schunkert zu ihm: „Sie haben großes Glück gehabt.“

■ Kleine Änderungen

Seine völlig unerwarteten Diagnosen sieht das Ehepaar mittlerweile positiv: „Unsere Herzerkrankungen wurden rechtzeitig erkannt. Mit Medikamenten und kleinen Änderungen im Sportprogramm – mehr Ausdauertraining und weniger Gewichte im Fitnessstudio – haben wir keine Einschränkungen mehr. Wir gehen regelmäßig zur Kontrolle zu Dr. Dinic. Ihm vertrauen wir.“ Die nächsten Reisen nach Kanada und Japan sind schon geplant. Und die Vorfreude ist groß: „Das Leben ist zu schön, um es mit Krankheiten zu verbringen. Es ist dazu da, dass man es lebt.“

Und doch: Manchmal – ganz plötzlich – meldet sich die Angst. Wie im letzten Dezember auf einer Nordland-Schiffsreise an der Nordküste Norwegens. Es war Nacht, über der stockfinsteren Barentsee tobte ein schwerer Sturm mit zehn Meter hohen Wellen. Da fragte sich Anton K., ob diese Winterreise wirklich eine gute Idee gewesen war: „Kein Arzt an Bord, Hubschrauberrettung bei diesem Wetter ausgeschlossen. Wer hätte mir helfen können, wenn ich da einen Herzinfarkt gehabt hätte?“ Doch dann erinnerte er sich an den Satz, den Dr. Dinic ihm mit auf den Weg gegeben hatte: „Tun Sie so, als ob Sie kein Herz hätten.“ Was übersetzt heißt: Vertrauen Sie Ihrem Arzt und Ihrem Körper. Es ist alles wieder in Ordnung. Leben Sie! „Dieser Satz“, sagt Anton K., „hilft mir sehr, wenn ich mal unsicher werde.“
DORITA PLANGE

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