Beim Heilfasten nach Buchinger sind klare Brühen erlaubt. © PantherMedia
Überlingen – Fasten bedeutet, bewusst für eine bestimmte Zeit auf feste Nahrung zu verzichten. „Dabei wird der Zellreinigungsmechanismus angekurbelt und der Körper kann Zellschrott, etwa Mitochondrien, die nicht mehr funktionieren, in ihre Bestandteile zerlegen und wiederverwenden oder ausschleusen“, erklärt Verena Buchinger, Chefärztin der Klinik Buchinger Wilhelmi in Überlingen, die sich auf Heilfasten spezialisiert hat.
Das Fasten habe viele positive Effekte auf den Körper, sagt die Fasten-Expertin, deren Urgroßvater Dr. Otto Buchinger das Buchinger Heilfasten für Körper und Seele begründete und entwickelte: „Periodisches Fasten verbessert Gesundheit und Wohlbefinden, zeigt eine Studie von uns in Zusammenarbeit mit der Charié, die mit 1422 Patientinnen die weltweit größte Fastenstudie ist“, sagt Buchinger. Fasten wirke positiv auf die Blutfette, den Blutzuckerspiegel und verbessere die Insulinempfindlichkeit, was das Risiko senkt, an Diabetes zu erkranken. In der Buchinger Klinik habe sich zudem gezeigt, das zehntägiges Fasten hilft, die Entzündungswerte zu senken und die Darmgesundheit zu verbessern. Weiterhin helfe Fasten als Begleittherapie neben der medizinischen Behandlung dabei, einen erhöhten Blutdruck zu senken und eine Fettlebererkrankung zu therapieren.
Beim Fasten passiert Folgendes: „Am ersten Tag, an dem man die Nahrungsaufnahme einstellt, entleert der Körper seinen Kohlenhydratspeicher, er holt sich seine Energie also aus dem vorwiegend in Leber und Muskulatur gespeicherten Vorräten an Glucose, also Zucker, dem sogenannten Glykogen“, erklärt Chefärztin Verena Buchinger. Wenn die Zuckerreserven zur Neige gehen werden für ein bis zwei Tage Proteine zur Energiegewinnung mitverwendet.
Danach stellt sich der Körper um und zapft die Fettreserven an, er kommt in den sogenannten Fasten-Stoffwechsel. „Dann beginnt der sogenannte ketogene Stoffwechsel, der Körper verbrennt Ketonkörper aus Körperfett.“ Da Körperfett aus den Fettspeichern und nicht Muskelmasse verbrannt werde, gehe Fasten auch nicht mit einem Muskelabbau einher, so die Expertin. „Patienten, die regelmäßig fasten, regulieren damit langfristig auch möglicherweise vorhandenes Übergewicht – insbesondere das gefährliche viszerale Fett in der Bauchgegend, das sich zwischen den Organen einlagert und für Entzündungen sorgt, reduziert sich massiv.“
Nach der Erfahrung von Verena Buchinger ist es für den Erfolg des Fastens auch entscheidend, dass man mit einer positiven Einstellung herangeht: „Haben Sie keine Angst vor dem Fasten, der Körper braucht Phasen des Verzichts“, sagt die Expertin. „Der vorübergehende Nahrungsverzicht ist quasi eine Art Atempause für den Stoffwechsel und senkt sogar die Risiken für verschiedene Erkrankungen, etwa Demenz oder Autoimmunerkrankungen.“
Um in der Fasten-Stoffwechsel zu kommen und das Hungergefühl auszuschalten, rät die Chefärztin, sich an den Tagen zuvor vorzubereiten: „Man sollte salzarm und faserstoffreich essen, also am besten viel Gemüse, roh oder schonend zubereitet, beispielweise gedünstet.“ Um das Hungergefühl weg zu bekommen und mögliche Kopfschmerzen zu verhindern, sei zudem eine Darmentleerung sinnvoll.
Für Menschen mit Vorerkrankungen wie Rheuma, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sei es auf alle Fälle ratsam, einen Arzt hinzuzuziehen oder in eine Fastenklinik zu gehen. Und auch diejenigen, die mehr als eine Woche lang fasten wollen, sollten sich medizinisch begleiten lassen.
SUSANNE SASSE