Hitzewallungen stören viele Frauen in den Wechseljahren. © Mauritius Images
München – Welche Symptome bringen die Wechseljahre und sind Hormonersatztherapien sinnvoll und sicher? Prof. Marion Kiechle erklärt die Fakten.
An welchen Beschwerden leiden die Frauen?
Häufige Beschwerden sind: Hitzewallungen und Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme und Schwierigkeiten, das Gewicht zu halten. Zudem können Konzentrations- und Gedächtnisprobleme auftreten, ebenso trockene Haut und Schleimhäute, Gelenk- und Muskelschmerzen, gelegentlich auch Herzrasen, Blutdruckschwankungen und Haarausfall. Nicht alle Frauen erleben alle Symptome, und die Intensität kann stark variieren.
Etwa eine von 100 Frauen erlebt eine vorzeitige Menopause vor dem 40. Lebensjahr. Zigarettenrauchen, Diabetes, Depressionen oder Medikamente können den Eintritt der Wechseljahre beschleunigen. Auch spielen die Gene eine Rolle, denn oft ist das Menopausen-Alter bei Müttern und Töchtern ähnlich. Ein gesunder Lebensstil mit viel pflanzlichen Proteinen und sekundären Pflanzenstoffen kann den Zeitpunkt der Menopause nach hinten verschieben. Frauen, die Zerealien, Tofu und Nüsse essen, haben ein geringeres Risiko einer vorzeitigen Menopause.
Hormone: Ja oder nein?
Eine Hormonersatztherapie (HRT) hilft, den in den Wechseljahren entstehenden Hormonmangel auszugleichen und ist die wirksamste Behandlung von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Andere Wechseljahresbeschwerden wie Scheidentrockenheit und Schlafstörungen können ebenfalls effektiv gelindert werden. Ein weiterer Vorteil der Östrogenbehandlung ist unter anderem die Vorbeugung von Osteoporose und die mit dem Knochenschwund verbundene Gefahr von Knochenbrüchen. Zusätzlich zum Östrogen wird Frauen bei einer HRT zum Schutz ihrer Gebärmutter ein Gestagen verschrieben. Durch das Östrogen wird die Schleimhaut der Gebärmutter zum Wachstum angeregt. Dies ist ein normaler Prozess, der in jedem weiblichen Zyklus natürlicherweise abläuft. Das Gestagen verhindert dann ein übermäßiges Wachstum der Gebärmutterschleimhaut. Dies ist nötig, da ein verstärktes Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zu Blutungen oder sogar, im ungünstigsten Fall, zu Gebärmutterschleimhautkrebs führen kann. Die Gestagenbehandlung erfolgt entweder mit synthetischen Gestagenen oder mit natürlichem Progesteron.
Die Anwendung der Hormone kann oral in Tablettenform, transdermal (über die Haut) als Gel, Spray oder Pflaster oder vaginal als Ovulum erfolgen.
Welche Gefahren bringen Hormone mit sich?
Nach heutigem Kenntnisstand überwiegt bei Frauen in den Wechseljahren, die durch den Verlust der Hormonproduktion stark beeinträchtigt sind, in der Regel der therapeutische Nutzen einer Hormontherapie das mögliche Risiko. Eine Hormonersatztherapie kann das Risiko für das Auftreten eines Typ-2-Diabetes um circa 30 % reduzieren. Aber auch bei vorhandenem Typ-2-Diabetes kann die HRT positive Effekte zeigen, da sich durch die Behandlung mit Östrogenen verschiedene Zucker- und Fettwerte verbessern.
Bei Anwenderinnen, die nur eine Östrogentherapie bekamen, war das Risiko für Dick- und Enddarmkrebs um 21 % reduziert im Vergleich zu Nichtanwenderinnen; bei Anwenderinnen einer kombinierten HRT mit Gestagen sogar um 26 %. Weitere Daten weisen darauf hin, dass das Risiko für andere Krebsarten des Magen-Darm-Trakts ebenfalls reduziert sein kann.
Zu den Gefahren zählt u.a. ein geringfügig erhöhtes Risiko für Brustkrebs unter einer kombinierten Östrogen-Gestagen-Therapie. Das Risiko ist vergleichbar mit dem Brustkrebsrisiko bei Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen und beim Trinken von zwei Gläsern Wein pro Tag.
Bei der Anwendung einer Östrogen-Gestagen-Kombinationstherapie sollte das natürliche Progesteron gewählt werden, das bei einer Behandlungsdauer von fünf Jahren keine Erhöhung des Brustkrebsrisikos zeigte. In Kombination mit synthetischen Gestagenen hingegen stieg das Risiko an. Aus Gründen der Arzneimittelsicherheit rate ich ausdrücklich zu verschreibungspflichtigen, bioidentischen Hormonpräparaten.
Gibt es Altersgrenzen?
Wichtig ist hinsichtlich Gefahren auch das Alter. Bei Start einer Hormonersatztherapie innerhalb von zehn Jahren nach der letzten Regelblutung oder vor einem Alter von 60 Jahren ist das Risiko für einen Herzinfarkt nicht erhöht. Im Gegenteil, es gibt Hinweise darauf, dass unter diesen Umständen Herzerkrankungen sogar seltener auftreten, da Östrogene vor Ablagerungen (Plaques) in den Blutgefäßen schützen. Liegen bereits atherosklerotische Plaques vor, könnte eine HRT das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall hingegen erhöhen. Bei Frauen mit schwerwiegenden oder zahlreichen kardiovaskulären Risikofaktoren sollten Nutzen und Risiken daher vor der Anwendung einer HRT immer abgewogen und entsprechende risikoarme Präparate und Anwendungsformen gewählt werden.
Welche Ernährungsregeln sollte man beachten?
Hitzewallungen können durch eine Ernährung, die reich an Phytoöstrogenen ist, gelindert werden. Hierzu zählen: Sojamilch oder –mehl, Sojaprodukte wie Toufu, Rotklee, Leinsamen, Salbeitee (die ätherischen Öle hemmen die Schweißproduktion), Traubensilberkerze, Hopfen und Frauenmantel.
Gibt es „natürliche Hormone“ für eine Hormonersatztherapie?
In der Medizin spricht man von sogenannten Bio-Identischen-Hormonen (BIH). Diese haben die gleiche chemische und molekulare Struktur wie die vom menschlichen Körper produzierten Hormone. Estron, Estriol, Estradiol, Progesteron und Testosteron sind BIH.
Der Pflanzenstoff Diosgenin dient als Basis für die Herstellung der bioidentischen Hormone Estradiol und Progesteron. Er findet sich in größeren Mengen in der Yamswurzel. Auch die Sojabohne enthält eine Substanz (Stigmasterin), die zu den bioidentischen Hormonen umgewandelt werden kann. Da der menschliche Körper Diosgenin oder Stigmasterin nicht selbstständig in Estradiol und Progesteron umwandeln kann, erfolgt dies im Rahmen der Herstellung in verschiedenen chemischen Schritten.
Sollten Frauen, die in der Familie viele Fälle von Osteoporose haben, vorbeugend eine Hormonersatztherapie machen?
Eine HRT kann einem hormonmangelbedingten Knochenschwund (Osteoporose) vorbeugen. Viele Studien konnten zeigen, dass die Einnahme von Östrogenen einen positiven Effekt auf die Knochendichte hat und auch die Anzahl von Knochenbrüchen reduziert. So wurde in der Million-Frauen-Studie eine Verminderung der Frakturhäufigkeit um 25 % nach Anwendung von Estradiol durch Gabe über die Haut beobachtet. Auch die groß angelegte Women’s Health Initiative (WHI)-Studie zeigte, dass durch eine Östrogen-Gestagen-Behandlung bei einer Therapiedauer von durchschnittlich 5,6 Jahren die Häufigkeit von Knochenbrüchen um 24 % gesenkt wurde. Schon sehr geringe Mengen an Östrogen reichen aus, um einen positiven Effekt auf den Knochenhaushalt zu bewirken. Auch Sport schützt die Knochen. Günstig sind alle Sportarten, die Muskeln aufbauen, also Krafttraining beinhalten.