Arthrose im Knie: Das Gelenk ist gerötet und auch noch geschwollen. © Panthermedia
Neueste Studien weisen darauf hin, dass das Knorpelgewebe in der Lage ist, sich zu regenerieren. Biologe Dr. Wolfgang Feil zeigt, wie der Körper dafür Wege gefunden hat, und stellt seine neue Arthrose-Strategie vor.
Sie behaupten, Arthrose sei heilbar. Warum?
Nach der traditionellen Sichtweise wurde angenommen, dass Knorpelgewebe aufgrund seiner fehlenden Durchblutung nicht in der Lage sei, sich zu regenerieren. Dieser Irrglaube hat dazu geführt, dass erste internationale Studien übersehen wurden, die bereits Hinweise auf eine bemerkenswerte Regenerationsfähigkeit des Körpers lieferten. Unsere Forschung belegt, dass der Organismus über das Knochenmark Stammzellen mobilisiert, die an die geschädigte Knorpelstelle wandern. Dort ist allerdings in vielen Fällen ein chronisch hohes Entzündungsniveau vorhanden, wodurch die neu aus den Stammzellen gebildeten Knorpelzellen rasch wieder absterben. Genau an diesem Punkt setzen wir mit unserer neuen Arthrose-Strategie an: Indem wir die überschießenden Entzündungsprozesse regulieren, schaffen wir ein Milieu, in dem die neu gebildeten Knorpelzellen überleben und neues Knorpelmaterial aufbauen können. Der Schlüssel liegt in speziellen Immunzellen, die vorwiegend in der Gelenkinnenmembran angesiedelt sind. Werden sie aktiviert, klingen Entzündungen ab und der Knorpel kann heilen. Zu den entscheidenden Einflussfaktoren gehören eine entzündungssenkende Ernährung, ausgewogene Bewegung, effektives Stressmanagement und die gezielte Zufuhr bestimmter Nährstoffe.
Welche neuen Erkenntnisse gibt es?
Viele der jüngeren internationalen Studien konnten zwar nachweisen, dass bestimmte Immunzellen namens M2-Makrophagen eine zentrale Rolle in der Knorpelregeneration spielen. Allerdings dauert es oft Jahre, bis neue wissenschaftliche Erkenntnisse etablierte Lehrmeinungen in der Medizin nachhaltig beeinflussen. Wir veröffentlichen im April in einer renommierten Ärztezeitung nun die detaillierten Stoffwechselwege, um zu zeigen, wie über M2-Makrophagen bestimmte Gene für Knorpelregeneration und damit die Ausheilung einer Arthrose aktiviert werden. Ich bin überzeugt, dass dieses neue Wissen sich dann in der gesamten Ärzteschaft schnell verbreiten wird.
Wie schnell merken Betroffene eine Besserung, wenn sie Ihre (Ernährungs-)Ratschläge ganz konsequent umsetzen?
Erfahrungsgemäß verbessert sich das Befinden der meisten Patienten nach etwa vier bis sechs Wochen deutlich. Eine vollständige Ausheilung – also ein nahezu beschwerdefreier Gelenkzustand – erfordert jedoch meist einen Zeitraum von neun bis zwölf Monaten. Dieser Prozess ist allerdings individuell unterschiedlich und hängt sowohl von der Schwere der Arthrose als auch vom persönlichen Lebensstil ab.
Gibt es Lebensmittel, die Betroffene meiden sollten, weil sie die Gelenkentzündungen verschlimmern könnten?
Ja, es gibt einige Nahrungsmittelgruppen, die entzündungsfördernd wirken. Hierzu zählen Zucker (etwa in Süßigkeiten und in der Limo), Weizenprodukte (insbesondere stark verarbeitete), Omega-6-reiche Pflanzenöle wie Sonnenblumenöl, Distelöl, Maiskeimöl und Sojaöl, Margarine, Fleisch- und Wurstwaren aus Massentierhaltung (hoher Anteil entzündungsfördernder Fettsäuren wie zum Beispiel die Arachidonsäure).
INTERVIEW: S. HÖPPNER