Panikattacken führen zur Verzweiflung. © Mauritius Images
Angst vor einer Prüfung, Arbeitsplatzverlust oder einer Operation ist absolut nachvollziehbar. Wenn Angst jedoch den Alltag bestimmt, nicht mehr kontrollierbar ist, zu Vermeidungsverhalten, Rückzug und Verzweiflung führt, benötigt man Hilfe. Die Ärztin Dr. Aileen Könitz, Expertin für psychiatrische Fragen bei der Kaufmännischen Krankenkasse KKH, zeigt Auswege auf. Plötzliches Herzrasen, Brustschmerz, Erstickungsgefühle, Schwindel, Panik: Immer mehr Menschen in Bayern leiden an chronischen Angststörungen. Laut Hochrechnung der KKH waren 2023 rund 850 000 Menschen in Bayern davon betroffen – ein Anstieg um gut 78 Prozent gegenüber 2008. Neben genetischen und neurobiologischen Einflüssen spielen auch psychische Faktoren wie traumatische Kindheitserlebnisse oder der Verlust eines geliebten Menschen eine Rolle. Als Risiken gelten auch langanhaltende Belastungen und chronischer Stress, etwa bedingt durch den aktuellen gesellschaftlichen Dauerkrisenmodus, sowie Stress im Beruf oder Konflikte in der Familie.
„Viele Betroffene entwickeln eine generalisierte Angststörung“, erläutert Könitz. „Das heißt, die Ängste sind immer präsent, häufig übersteigert und realitätsfern.“ Betroffene können sich etwa fürchten, dass ihr Partner auf dem Weg zur Arbeit überfallen wird oder ihr Kind auf dem Schulweg einen Unfall erleidet. Im nächsten Moment denken sie, dass sie selbst schwer erkranken könnten oder das Haus abbrennt. Sie machen sich praktisch um alles Sorgen, auch etwa um Fragen wie die, ob der Bus zu spät kommt oder sie ihren Schlüssel verlieren könnten. „Sich ständig zu ängstigen, ist emotional und körperlich sehr erschöpfend. Depressive Verstimmungen, Konzentrations- und Schlafstörungen können die Folge sein“, erläutert Könitz.
Allein aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist für Betroffene meist unmöglich. Deshalb rät die Expertin zu professioneller Hilfe. Der Hausarzt kann an Fachmediziner überweisen. Die KKH hält darüber hinaus auf ihrer Website (kkh.de) Angebote zu Angststörungen bereit. Dort gibt es Tipps zu hilfreichen Methoden wie dem Gedanken-Stopp oder spezielle Atemtechniken sowie Hilfsangebote im Internet wie die Soforthilfe per Chat für junge Leute (krisenchat.de) oder die online-telefonseelsorge.de. Die Telefonseelsorge ist auch erreichbar unter 0800/111 0 111. Und die Robert-Enke-Stiftung hat mit dem Universitätsklinikum Aachen die Beratungshotline „Seelische Gesundheit“ gegründet. Die Hotline (0241-8036777) wird wochentags (9 bis 12 Uhr; 13 bis 16 Uhr) von Psychiatern oder Neurologen betreut.
DOP/KKH