An der Spitze des Katheterschlauchs sitzt der Stent, ein feines Geflecht aus Metall bzw. Kunstfaser. © Yannick Thedens
Dieses Bild mit Prof. Dr. Stefan Sack entstand im Februar 2013 – keine zwei Jahre nach Niki Bats Herzinfarkt. © M. Schlaf
Sie kennen sich schon seit 13 Jahren: Herzpatient Niki Bat mit seinem Lebensretter Prof. Dr. Stefan Sack in der München Klinik Neuperlach. © Yannick Thedens
München – Glücklicher Ehemann und Vater, erfolgreicher Münchner Banker mit besten Zukunftsaussichten – das Leben meinte es gut mit Niki Bat. Bis zu jenem Tag im August 2011, an dem das Leben des erst 36-jährigen Managing Directors urplötzlich am seidenen Faden hing. Heute – 13 Jahre später – macht er seinen Lebensrettern ein ganz besonderes Geschenk. Tage nach der Geburt seines ersten Kindes erlitt Niki Bat beim Joggen einen lebensgefährlichen Herzinfarkt aufgrund einer angeborenen Erweiterung einer Koronararterie (siehe Kasten). Ein Schock, der Körper und Psyche gleichermaßen traf. Und Niki Bat zwang, sein Leben umzubauen. Kürzlich feierte er seinen 50. Geburtstag. Und bedankte sich mit einem sehr besonderen Geschenk bei seinem Lebensretter Prof. Dr. Stefan Sack – seinerzeit Chefarzt in der München Klinik Schwabing und seit 2019 Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Pneumologie und der Internistischen Intensivmedizin in der München Klinik Neuperlach.
Von der drohenden Gefahr einer Koronargefäßdissektion (SCAD) ahnte Niki Bat wie viele andere Betroffene absolut nichts: „Ich hatte damals ein paar Kilo zu viel auf den Rippen. Aber ich fühlte mich fit.“ Und so joggte er an jenem schwülen Augusttag 2011 am Nymphenburger Kanal einfach los. Nach 20 Minuten überfiel ihn eine unerklärliche Schwäche, dazu ein starkes Brennen in der Brust. Mit letzter Kraft schleppte er sich heim. Seine Frau rief den Notarzt. Das erste EKG vor Ort zeigt noch keine Auffälligkeiten. „Offenbar war der Infarkt da noch nicht so weit fortgeschritten“, vermutet Prof. Sack. Das zweite EKG in der Klinik löste Vollalarm aus. Akuter Herzinfarkt! Im Herzkatheterlabor der München Klinik Schwabing hatte Prof. Stefan Sack damals Dienst. Der Eingriff dauerte Stunden und erwies sich als sehr schwierig: „Die Vorderwandarterie war komplett zu. Der Riss war sehr lang, der Verschluss erstreckte sich über sieben Zentimeter. Das Problem war, den richtigen Weg für den Blutfluss zu finden.“ Prof. Sack setzte letztlich fünf Stents (Gefäßstützen) ein. Damit war die akute Gefahr gebannt.
Nach diesem Schock einfach so wieder zurück ins alte Leben – das funktioniert nicht: Ein derart gravierendes Ereignis hinterlässt Spuren auch in der Psyche (siehe unten). Das spürte auch Niki Bat sehr bald. Gut umsorgt und überwacht baute er sich körperlich in der Reha in Bad Wiessee zwar bald wieder gut auf. Doch die Unsicherheit blieb: „Ich ging nie mit den anderen auf die Spaziergänge. Ich habe noch lange Zeit genau darauf geachtet, mich nirgendwo alleine zu bewegen.“ Manchmal überfiel ihn das Kopfkino: „Ich war damals am Kanal ganz allein, hatte weder Ausweis, Geld oder Handy dabei. Niemand hätte gewusst, wer ich bin, wenn man mich dort gefunden hätte. Wie konnte es sein, dass mein Drehzahlmesser innerhalb von Sekunden von 180 auf null herunterfiel? Passiert das wieder? Was wird jetzt aus meiner Familie? Da habe ich schon auf der Intensivstation und noch lange Zeit danach oft drüber nachgedacht. “
Wieder daheim in München war er anfangs überfordert: „Mir wurde nach Wochen der Ruhe am Tegernsee bewusst, was im Alltag alles auf uns einprasselt. Das war der Wahnsinn.“ Beim kleinsten Ziehen in der Brust fuhr er in die Notaufnahme. „Ich war bestimmt acht Mal da, bis ich selbst glaubte, dass es nur Sodbrennen war.“ Eine Reaktion, die Prof. Sack und seine Kollegen gut nachvollziehen können: „Patienten müssen erst wieder lernen, mit dieser Situation umzugehen. Wir bestärken sie auch darin. Wenn nämlich tatsächlich etwas wäre, könnten wir innerhalb der ersten zwei Stunden die schwerwiegenden Folgen für die Herzfunktion bis zu 100 Prozent abfangen.“ Niki Bat vergleicht es mit den Folgen eines Beinbruchs: „Danach tritt man auch noch eine Weile sehr vorsichtig auf.“
Der Rückweg in die Normalität war lang und manchmal auch nervig: „Familie, Freunde, Kollegen – alle fassen einen mit Samthandschuhen an. Gut gemeint. Aber das ist eben nicht normal.“ Nach gut vier Monaten kehrte er im Winter 2011 wieder zurück in den Beruf. „Das ging überraschend gut. Ich startete mit 20 Prozent, war bald wieder bei 200 Prozent. Es war spannend, aber ich trug auch große Verantwortung und hatte Stress. Und so habe ich dann beschlossen, aus der ganz großen in die etwas kleinere Tretmühle umzusteigen. Ich machte mich selbstständig.“ Er blieb der Branche treu, arbeitet jetzt bereits seit fast zwölf Jahren wieder erfolgreich als Unternehmensberater für Produktentwicklung und Strategie. Und auch privat änderte Niki Bat manches. Er nahm lang vernachlässigte Kontakte wieder auf, ist wieder mehr daheim bei seiner Frau und den mittlerweile zwei Kindern (11 und 13 Jahre): „Sie waren und sind meine Energie, ohne die ich all das wahrscheinlich nicht geschafft hätte.“ Er begann zu wandern und auch wieder Golf zu spielen, gerne früh am Morgen: „Dann wacht man mit der Natur auf. Meine Uhr mit Notruffunktion ist immer dabei.“ Nach drei Jahren schließlich nahm er die höchste Hürde. „Ich traute mich wieder, zu joggen. Und das fühlte sich richtig gut an.“
Im Laufe der Jahre und nach jedem guten Ergebnis bei den jährlichen Kontrolluntersuchungen rückte der überstandene Herzinfarkt gedanklich allmählich in den Hintergrund. Niki Bat steigerte sein Sportpensum – zuletzt mehr als gut für ihn war: „Ich hatte zehn Kilo abgenommen, war sehr viel gejoggt.“ Bei der letzten Jahreskontrolle (Echokardiografie (EKG), Stress-EKG auf dem Fahrrad, Ultraschall des Herzens etc.) im Dezember letzten Jahres bei Prof. Sack in der München Klinik Neuperlach musste ihn der Chefarzt bremsen. Denn: „Die Herzfunktion war um zehn Prozent abgefallen.“ Niki Bat selbst hatte das gar nicht gespürt. Er muss lebenslang u. a. Medikamente zur Herabsetzung der Herzwandspannung nehmen. Prof. Sack: „Die haben wir neu angepasst. Jetzt ist alles wieder in Ordnung. Aber er muss seinen Motor etwas schützen.“ Also: Niedrigere Belastung, keine Spitzen, keine Sprints. Stattdessen gemäßigte Ausdauer. „Das fiel mir gar nicht so leicht, weil ich mich doch gut fühlte. Aber ich höre jetzt wieder mehr auf mich.“
In all den Jahren ist zwischen Prof. Sack und Niki Bat eine sehr vertrauensvolle Arzt-Patienten-Beziehung gewachsen. Und in Niki Bat wuchs der Wunsch, sich zu bedanken – jenseits seiner regelmäßigen Spenden an die Deutsche Herzstiftung, deren wichtige Aufklärungsarbeit er seit Jahren unterstützt. Mit seiner Einladung an Familie, Freunde und Kunden zum 50. Geburtstag im Altstadt-Restaurant Goldig am 25. Oktober 2024 verband er eine Bitte: Keine Geschenke, nur Spenden. Am Ende des Abends lagen 2500 Euro in den Geldboxen, die Niki Bat auf 5000 Euro aufstockte – „für jedes Lebensjahr einen Hunderter“. Davon kann die München Klinik Neuperlach nun ein mobiles Ultraschallgerät und eventuell auch noch die neueste Version eines Event-Rekorders als Langzeit-EKG kaufen. Eine große Freude für Prof. Sack und sein Team: „Das ist die modernste aktuell verfügbare Medizintechnik. Wir freuen uns sehr.“
DORITA PLANGE