Die Impfungen gegen Masern gehen in den USA zurück, und damit steigt die Gefahr von Infektionen. © J. Stratenschulte/dpa
Stanford – In den USA könnten sinkende Impfquoten bei Kindern das Risiko schwerer Masern-Ausbrüche erhöhen – selbst in Regionen, in denen Masern bislang weitgehend unter Kontrolle waren. Darauf weist eine neue Studie von Forschenden des Stanford Medicine Institute und weiterer Universitäten hin, die im Fachblatt „Journal of the American Medical Association“ (JAMA) veröffentlicht wurde. Bereits bei den heutigen Impfständen rechnen die Forschenden damit, dass Masern in den kommenden 20 Jahren wieder regelmäßig auftreten könnten – mit rund 850 000 Erkrankungen, 170 000 Klinikeinweisungen und 2500 Todesfällen in 25 Jahren. „Würden die Impfungen heute auch nur um zehn Prozent zurückgehen, würden die Masernfälle in den nächsten 25 Jahren auf 11,1 Millionen ansteigen“, prognostiziert der Hauptautor der Studie Mathew Kiang. Wenn die Impfraten über einen längeren Zeitraum weiter sinken, könnten Masern und auch andere in den USA als ausgerottet geltende Krankheiten – wie Röteln und Kinderlähmung – wieder auftauchen. „Würden die Impfraten halbiert, wären innerhalb von 25 Jahren 51,2 Millionen Masern-, 9,9 Millionen Röteln-, 4,3 Millionen Polio- und 200 Diphtheriefälle zu erwarten“, warnt Kiang. Dagegen könnte eine Erhöhung der Impfraten um fünf Prozent verhindern, dass Masern wieder dauerhaft zirkulieren.
Das Thema Masern hatte zuletzt in den USA wieder öffentlich für Debatten gesorgt, weil kürzlich erstmals seit zehn Jahren zwei Kinder in Texas an Masern starben – sie waren ungeimpft. Zudem gab es bundesweit mehrere hundert Infektionen, die meisten davon in Texas. Die meisten Betroffenen waren nicht geimpft. Der von US-Präsident Donald Trump ernannte Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. nannte angesichts dieser Entwicklung eine Impfung die wirksamste Methode, um die Verbreitung der Masern zu vermeiden. Zunächst hatte er in Interviews angesichts der Masernwelle allerdings auf Vitamin A und Lebertran als Heilmittel verwiesen.
In Deutschland schwankt die Zahl der registrierten Masernfälle laut Robert Koch-Institut (RKI) von Jahr zu Jahr. Von 2012 bis 2023 lag die Zahl im Pandemiejahr 2021 mit nur 8 Fällen auf einem Minimum. Im Jahr 2015 mit den meisten Fällen dieses Zeitraums waren es 2466. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC registrierte 2024 zehn Todesfälle im Zusammenhang mit Masernerkrankungen, neun davon in Rumänien und einen in Irland. Weltweit gab es 2023 laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzungsweise 107 000 solcher Todesfälle, die meisten bei nicht oder nicht genügend geimpften Kindern unter fünf Jahren.
Masern werden von Mensch zu Mensch durch Tröpfchen übertragen. Sicheren Schutz bietet nur eine doppelte Impfung. Schon fünf Tage vor dem typischen roten Hautausschlag sind Infizierte ansteckend. Nach grippeähnlichen Anzeichen wie hohem Fieber, Husten und Schnupfen folgt Tage später der Ausschlag. Masern schwächen das Immunsystem. Daher können Bronchitis, Mittelohr- oder Lungenentzündungen die Folge sein, selten auch eine Gehirnentzündung. Daran sterben bis zu 20 Prozent der Betroffenen. Bei fast einem Drittel bleiben schwere Folgeschäden wie geistige Behinderung oder Lähmungen zurück.