FSME-Risikogebiete in Deutschland: Grün bezeichnet bestehende Risikogebiete, als gelb markiert sind diejenigen, die 2025 dazu kamen. Ganz Bayern ist als Risikogebiet gekennzeichnet. © dpa-Grafik: J. Reschke
Eine Zecke sollte man mit einer Pinzette oder einer Zeckenkarte entfernen. © PantherMedia
München – Die sommerlichen Temperaturen locken die Bayern ins Freie, damit steigt die Zahl der Zeckenbisse. Da die Biester in Deutschland zwei Infektionskrankheiten übertragen können, ist Vorsicht angesagt. Neun Todesfälle in 2023 sind auf Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die dadurch verursachte Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute zurückzuführen, 600 Menschen mussten wegen FSME in einem Krankenhaus behandelt werden. Aufgrund von Borreliose starben 2023 zehn Menschen, knapp 5400 Patientinnen und Patienten wurden der Statistik zufolge 2023 wegen Borreliose im Krankenhaus behandelt. Was muss man nach einem Zeckenbiss beachten, wogegen schützt die Impfung und welche Untersuchungen sind wichtig, welche dagegen unseriöse Abzocke? Dr. Markus Frühwein erklärt die wichtigsten Fakten:
Welche Infektionskrankheiten übertragen Zecken in Deutschland?
Zecken übertragen bei uns vor allem Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose. FSME wird von Viren verursacht, dagegen kann man sich impfen lassen. Borreliose wird von Bakterien ausgelöst, dagegen existiert keine Impfung. Allerdings ist Borreliose gut behandelbar. Anders ist das bei der durch Viren übertragenen FSME: Hiergegen gibt es keine Medikamente, man kann lediglich die Symptome behandeln, beobachten und hoffen, das die Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute abklingt. In rund der Hälfte der Fälle hinterlässt FSME bleibende Schäden. Und man weiß heute, dass auch Kinder nicht unkompliziert erkranken. Um so wichtiger ist die Impfung.
Wer kann und sollte sich gegen FSME impfen lassen?
Die Ständige Impfkommission empfiehlt die FSME-Impfung für Menschen, die in FSME-Risikogebieten leben, wie wir hier eines sind, und mit Zecken in Kontakt kommen können. Nun ist es aber so, dass FSME in Deutschland überall vorkommt, in manchen Gebieten eben seltener als in anderen. In meinen Augen gibt es also nur Niedrigrisiko- und Hochrisiko-Gebiete. Jeder, der ins Freie geht, kann mit Zecken in Kontakt kommen. Ich sage meinen Patienten immer, dass diejenigen, die kein Zeckenrisiko haben, an ihrem Lebensstil arbeiten sollten, da sie dann zu wenig rausgehen. Impfen kann man ab einem Alter von rund einem Jahr. Die Impfung ist gut verträglich, lediglich kleine Kinder haben manchmal kurz etwas Fieber. Ein Höchstalter für die Impfung gibt es nicht. Da der Impfstoff gegen eine FSME-Infektion in drei Tranchen verabreicht wird, sollte man ein Zeitraum von mindestens sechs Monaten für die Impfung einplanen. Die Auffrischung muss alle fünf Jahre erfolgen. Ab dem 50. bzw. 60. Lebensjahr muss – je nach verwendetem Impfstoff – alle drei Jahre aufgefrischt werden. Die gesetzlichen Krankenkassen tragen die Kosten.
Was löst die Krankheit Borreliose aus?
Borreliose wird meist durch eine Zeckenart, den sogenannten grauen Holzbock, übertragen. Es handelt sich um Bakterien. Diese befinden sich im Bauch der Zecke und werden von dieser quasi hochgewürgt, wenn sie sich festgesaugt hat. Es dauert also einige Zeit, bis die Borrelien übertragen werden – anders als bei den FSME-Viren: Diese befinden sich im Speichel der Zecke und werden sofort übertragen. Gegen Borreliose gibt es – noch – keine Impfung. Wer eine Zecke hatte, sollte diese entfernen und die Einstichstelle beobachten.
Wie entfernt man eine Zecke richtig?
Mit einer Pinzette, einer Zeckenkarte oder einer Zeckenzange. Wichtig ist es, kein Benzin zu verwenden, keinen Klebstoff, und die Zecke auch nicht so zu drehen, als hätte sie ein Gewinde. Man sollte sie herausreißen. Wenn man sie zuvor reizt oder drückt, steigt das Infektionsrisiko.
Wie stellt man fest, ob man mit Borreliose infiziert ist?
Im Erkrankungsfall erscheint als erstes Symptom oft eine größer werdende Rötung um die Einstichstelle herum. Allerdings ist das nicht immer der Fall. Sicher Diagnostizieren kann man eine Infektion mit einem Test auf Antikörper. Was man nicht braucht, ist ein Lymphozytentransformationstest, kurz LTT, oder eine Dunkelfeldmikroskopie. Es gibt einige Praxen, die ein Riesen-Geschäftsmodell aufgebaut haben mit Borreliosetests und Therapien: Manche Menschen machen eine einjährige Antibiotikatherapie, die sinnlos, ja sogar schädlich und sehr teuer ist. Davon rate ich dringend ab. Borreliose lässt sich gut behandeln, vor allem im Anfangsstadium. Der Erreger kann sich aber bei einer im Frühstadium nicht behandelten Infektion auf andere Gewebe und Organe ausbreiten und irreparable Langzeitschäden verursachen. Spätformen können Monate oder sogar Jahre nach dem Zeckenstich auftreten.
Wie schützt man sich vor Zeckenbissen?
Man sollte nach jedem Aufenthalt im Grünen den Körper nach Zecken absuchen, auch den der Haustiere. Um Zecken früh zu entdecken, empfiehlt es sich, helle lange Kleidung zu tragen. Diese kann man zusätzlich mit Anti-Zeckenspray präparieren.