Die Macht der guten Gene

von Redaktion

So kann man Krankheiten heilen und lange gesund bleiben

Schon 30 Minuten am Tag sind ein wichtiger Beitrag zur Gesundheit: Bewegung hilft in jedem Alter. Wer Sport treibt, aktiviert damit auch eine Vielzahl schützender Gene. © Foto: Panther Media, Helmut Bauer

Krebs, Alzheimer, Diabetes, Depressionen – jahrzehntelang glaubte man: Wer die falschen Gene geerbt hat, hat eben Pech gehabt. Die Krankheit ist vorprogrammiert, egal wie man lebt. Doch die moderne Wissenschaft sagt heute: Stopp! So einfach ist es nicht. Entscheidend ist nicht, was in unseren Genen steht – sondern welche Gene im Alltag aktiv sind. Kurz gesagt: Gene sind Vorschläge – nicht Verurteilungen! Und genau hier kommt ein neues Zauberwort ins Spiel: Epigenetik. Von Dr. Ulrich Strunz, Arzt, Molekularmediziner und Bestsellerautor, ist jetzt im Mai das Buch „Der Gen-Trick“ (Heyne Verlag, 224 Seiten, 22 Euro) erschienen. Untertitel: „Das Geheimnis der Epigenetik – Gute Gene einschalten, Krankheiten vorbeugen und heilen, lange und gesund leben.“ Darin bringt er es auf den Punkt: „Wer versteht, dass Gene nicht unser Schicksal sind, sondern durch den Lebensstil aktiv gesteuert werden können, hat ein mächtiges Werkzeug in der Hand.“ Auf dieser Seite fassen wir für unsere Leser die wichtigsten Erkenntnisse aus dem neuen Buch zusammen.

Was ist Epigenetik – und warum geht sie uns alle an?

Jede unserer Körperzellen trägt dieselbe DNA – unser persönlicher genetischer Code. Doch warum ist eine Zelle im Herzen anders als eine im Gehirn oder in der Leber? Die Antwort: Weil nicht alle Gene gleichzeitig aktiv sind. Einige sind eingeschaltet, andere stumm. Und genau hier setzt die Epigenetik an.

Epigenetik ist der Code, der auf den Genen sitzt und darüber entscheidet, welche Gene in einer Zelle an- oder ausgeschaltet werden“, schreibt Strunz. Das bedeutet: Unsere Gene sind nicht in Stein gemeißelt – sondern dynamisch steuerbar. Das Faszinierende: Diese Steuerung passiert durch Signale aus unserer Umwelt und unserem Verhalten. Ernährung, Bewegung, Stress, Schlaf – alles, was wir tun oder lassen, beeinflusst Tag für Tag unsere Genaktivität.

Der Gen-Schalter: So beeinflusst der Alltag unsere DNA

In seinem Buch zeigt Dr. Strunz anschaulich, wie jeder Mensch seine Gesundheit selbst gestalten kann – es müssen nicht immer Medikamente oder teure Therapien sein. Mit bewussten Alltagsentscheidungen kommt man schon sehr weit. Ein Beispiel: Wer regelmäßig Sport treibt, aktiviert Gene, die Entzündungen dämpfen, das Immunsystem stärken und sogar Zellen vor Krebs schützen. „Sport ist einer der effektivsten epigenetischen Schalter für ein langes, gesundes Leben“, betont Strunz. Ebenso wichtig ist der Umgang mit Stress. Chronischer Druck schaltet Gene ein, die depressive Verstimmungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. Achtsamkeit, Meditation oder ein Spaziergang im Grünen wirken dagegen wie ein genetischer Reset. Schlaf ist das dritte große Steuerungssystem: „Guter Schlaf führt zu positiven epigenetischen Veränderungen wie verbesserter Herzgesundheit, Hormonregulation und Stressbewältigung. Schlafmangel kann hingegen epigenetische Schalter so umlegen, dass diese Prozesse nicht stattfinden.“

Beispielhafte Kraft: Die Gene der Hungrigen

Dr. Strunz erklärt das mit einem faszinierenden historischen Beispiel: Kinder von Müttern, die im Hungerwinter 1944/45 in den Niederlanden schwanger waren, zeigten als Erwachsene ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Diabetes und Herzkrankheiten. Warum? Die Hunger-Erfahrung der Mutter hatte die Genaktivität des Fötus verändert – und zwar dauerhaft. „Der Körper des Fötus stellt sich auf ein Leben mit knappen Ressourcen ein. Er ist also auf Mangel programmiert und speichert deshalb lieber vorsichtshalber die Energie, als sie zu verbrauchen. Und das bleibt“, so Strunz.

Gene ein- und ausschalten – mit Köpfchen

Was heißt das nun für uns? Es heißt: Jeder hat die Macht, durch seinen Lebensstil aktiv auf seine Gene einzuwirken – und damit Krankheiten zu verhindern, das Altern zu verlangsamen und Heilungsprozesse zu fördern. Denn: „Gene sind kein Schicksal, wir können sie steuern und damit selbst über unser Leben bestimmen“, schreibt Dr. Strunz. Ob wir gesünder, fitter, klarer im Kopf und länger jung bleiben – das ist keine Frage des Schicksals. Es ist eine Frage des täglichen Handelns. Die Erkenntnisse der Epigenetik zeigen: Gesundheit ist nicht Glückssache. Sie ist das Ergebnis bewusster Entscheidungen.
SUSANNE HÖPPNER

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