„Ich bin ein Stück weit meines Glückes Schmied“

von Redaktion

Parkinson-Patient spricht offen über seine Krankheit, seine Ängste und seine Hoffnungen

Innovative Therapie: Parkinson-Patient Franz Huber spielt mit einer VR-Brille Tennis. © Carolin Jacklin/Schön Klinik Gruppe

München – Franz Huber (Name geändert) ist 65, Rentner, Familienmensch – und seit 13 Monaten Parkinson-Patient. Die Diagnose traf ihn wie ein Schlag. Der Münchner erinnert sich genau an den Moment, der alles veränderte: „Mein linker Arm ist beim Gehen nicht mehr mitgeschwungen. Ich dachte, es sei ein eingeklemmter Nerv. Dazu kamen ein unruhiger Schlaf, lautes Sprechen in der Nacht. Ich hatte gehofft, all das wäre bald vorbei.“ Doch die Untersuchungen ergaben etwas anderes. MRT, CT – dann die nüchterne Mitteilung der Neurologin: Parkinson. „Für mich war das erstmal ein Alptraum“, sagt Huber. Der 65-jährige Rentner hatte keine Vorerkrankungen, keine familiäre Vorbelastung. „Natürlich fragt man sich: Warum ich? Was bedeutet das für meine Frau, meinen Sohn? Was, wenn ich ein Pflegefall werde?“ Die ersten Wochen waren von Verdrängung, dann von tiefer Sorge geprägt.

Es waren gute Gespräche, die seine Perspektive änderten. „Jemand sagte: Mit 65 kannst du dir auch überlegen, wie viele Krankheiten du nicht hattest. Und dass Parkinson eine Erkrankung ist, bei der die Forschung weit ist. Das hat mir geholfen.“ Heute schöpft Huber Hoffnung – aus der Wissenschaft, aber vor allem aus dem, was er selbst tun kann. „Ich bin ein Stück weit meines Glückes Schmied“, so motiviert er sich selbst. Früher war er ein Bewegungsmuffel – jetzt geht er jeden Tag mindestens 6000 Schritte. Dazu nimmt er dreimal pro Tag sein Medikament – ein L-Dopa-Präparat, das den Dopaminmangel im Gehirn ausgleicht. Zweimal wöchentlich macht er Kiesertraining. In der Schön Klinik nahm er an einem speziellen Bewegungsprogramm teil: „Je weiter Parkinson fortschreitet, desto kleiner werden die Bewegungen. Das Programm hilft, dem gezielt entgegenzuwirken.“

Für Huber ist der Umgang mit Parkinson ein Dreiklang: Medikamente, Bewegung – und die Einstellung zu sich selbst.„Man muss gut eingestellt sein – medizinisch, aber auch innerlich.“ Auch Neues lässt er zu. In der Schönklinik hat er zum ersten Mal so eine Virtual-Reality-Brille ausprobiert und Tennis damit gespielt „Ich fand das richtig witzig“, sagt er. Er hofft auf die Forschung und dass seine „Honeymoon-Phase“ mit Parkinson lange anhält. Der Begriff stammt aus der Medizin: Es ist die Phase nach Beginn der Therapie, in der die Symptome stabil sind. „Ich hoffe, die Forschung ist in den nächsten fünf, sechs Jahren so weit, die Krankheit zumindest zu bremsen“, sagt Franz Huber.
SUSANNE HÖPPNER