Planung und Präzision: Dr. Christian Maischberger, Ärztlicher Leiter der Implaneo Dental Clinic, operiert eine Patientin. Sie schläft in Narkose. © Foto: Implaneo
München – In der Implaneo Dental Clinic im Münchner Stadtteil Bogenhausen hat sich das Behandlungsteam unter anderem auf große Gebisssanierungen spezialisiert. Dazu gehört das Einsetzen von festen dritten Zähnen an einem Tag – eine aufwendige OP, bei der vier bis sechs Implantate (künstliche Zahnwurzeln) im Kieferknochen verankert werden. Sie tragen später Brücken mit hochwertigen neuen Zähnen aus Keramik. Solche Eingriffe dauern in der Regel etwa zwei bis zweieinhalb Stunden, in besonders komplexen Fällen aber auch mal wesentlich länger. Unter lokaler Betäubung würde diese Prozedur den Patienten einiges an Durchhaltevermögen abverlangen und auch Verschnaufpausen erforderlich machen. „Deshalb entscheiden sich etwa 75 Prozent dafür, den Eingriff unter Narkose durchführen zu lassen. Das erspart ihnen Stress und Schmerzen. Sie bekommen nichts von der Behandlung mit. Wenn sie aufwachen, haben sie bereits alles überstanden. Von diesem Vorgehen profitieren insbesondere auch Menschen mit Zahnarztangst oder einem ausgeprägten Würgereiz“, berichtet Prof. Hannes Wachtel, Ärztlicher Leiter der Implaneo Dental Clinic.
Damit sich die Operateure ganz auf ihre Arbeit im Mund konzentrieren können, übernimmt ein auf ambulante Narkosen spezialisiertes Team die Betreuung der Patienten. Es besteht immer aus einem Anästhesisten und einer Fachschwester für Anästhesie. „Die Patienten werden wie bei einer herkömmlichen Vollnarkose beispielsweise bei einer OP am Knie oder im Bauchraum beatmet. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass der Beatmungsschlauch durch die Nase eingeführt wird“, erklärt Anästhesist Dr. Hannes Pfizenmayer, ärztlicher Leiter der Narkosepraxis München (NaPraM).
Der dünne Schlauch wird mithilfe eines sogenannten Videolaryngoskops gelegt – das ist ein medizinisches Gerät zur Kehlkopfspiegelung mit einer Mini-Kamera, die Bilder auf einen Monitor überträgt. Auf diese Weise stellen die Narkose-Spezialisten sicher, dass sie den Beatmungsschlauch schonend am Rachen entlang bis zum Eingang der Luftröhre vorschieben. Ein weiterer Vorteil bei dieser Art der Narkose: „Die Luftröhre ist praktisch abgedichtet, so dass während der OP keine Flüssigkeit wie Speichel, Blut oder Spüllösungen hineinlaufen können“, so Pfizenmayer. Vor allem aber haben die Zahnärzte im Mund ein freies Operationsgebiet, sie müssen keine Rücksicht auf den Tubus nehmen, wie der Beatmungsschlauch in der Fachsprache heißt. „Dadurch können wir effizienter und damit schneller arbeiten. Die OP ist noch besser planbar und damit noch sicherer“, bestätigt Implaneo-Chefarzt Wachtel. „Und der Patient hat den Vorteil, dass mehrere Arbeitsschritte in einem Aufwasch erledigt werden können, die sonst vielleicht mehrere Sitzungen erforderlich gemacht hätten. Würden wir ausschließlich mit Lokalanästhesie arbeiten, könnte man aufgrund der Komplexität und der Dauer dieser Eingriffe die Höchstdosis der Medikamente schnell überschreiten.“
Um die Schlafmittel zu verabreichen, legt der Anästhesist dem Patienten eine Infusionsnadel – genauso wie bei einer herkömmlichen Narkose mit einer Atemmaske. Die Mittel sind gut verträglich und auch gut steuerbar, sie werden rasch abgebaut. „In der Regel lassen wir den Patienten noch im Zahnarztstuhl aufwachen. Er kann dann in den allermeisten Fällen zu Fuß in den Ruheraum gehen. Dort wird er noch etwa eineinhalb bis zwei Stunden überwacht“, berichtet Pfizenmayer. Nach der Aufwachphase werden bereits die Brücken mit den im Dentallabor vorbereiteten neuen Zähnen auf die Implantate geschraubt. Sie sind in etwa 95 Prozent der Fälle sofort belastbar.
Anschließend kann sich der Patient von einer Begleitperson abholen lassen. „Ähnlich wie nach einer Darmspiegelung gilt man für 24 Stunden nach Narkoseende als nicht geschäftsfähig, darf also keine rechtsverbindlichen Unterschriften leisten. Außerdem ist Autofahren verboten“, erklärt Pfizenmayer.
Bei der Narkose muss der Patient nüchtern sein – das bedeutet: die letzte Mahlzeit muss mindestens sechs Stunden zurückliegen, Wasser darf man noch bis zwei Stunden vor dem Eingriff trinken.
Die Narkose-Zeit ist theoretisch nicht limitiert, allerdings habe sich bei Studien herauskristallisiert, dass nach vier Stunden das Risiko für Druckstellen im Zahnarztstuhl steigt. Deshalb werden die Patienten mit Unterlagen aus polsterndem Gel-Material zusätzlich geschützt. „Das Risiko für eine schwerwiegende Komplikation durch die Narkose ist äußerst gering. Die statistische Wahrscheinlichkeit liegt bei eins zu einer Viertelmillion“, sagt Pfizenmayer. Häufiger kann es zu kleineren Nebenwirkungen wie einer vorübergehenden Heiserkeit oder einem kurzfristigen Kloßgefühl im Hals kommen – eine mögliche Reizung durch den Beatmungsschlauch. Auch ein blauer Fleck an der Stelle der Infusionsnadel lässt sich nicht immer verhindern.