Schneller heim nach der Operation

von Redaktion

Hightech-Helfer im OP des Isarklinikums: Prof. Franz Bader sitzt an der Steuerungskonsole des Da-Vinci-Roboters.

Der Herr der Roboterarme: Prof. Franz Bader mit dem Da-Vinci-Roboter. © Fotos: Isarklinikum München

Herzklappen-OP mit Kathetertechnik im Herzzentrum: das Team um (v. re.) Prof. Markus Krane, PD Dr. Hendrik Ruge, Dr. Caterina Campanella und Assistentin Nadja Pereira-Silva.

Schonender Eingriff im Deutschen Herzzentrum des TUM Klinikums: Prof. Markus Krane operiert einen Herzpatienten. © Fotos: TUM Universitätsklinikum/ Dr. Elda Dzilic

Vorfreude auf daheim! Ein Patient kann die Klinik schon kurze Zeit nach seiner OP wieder verlassen. © Foto: Smarterpix

München – In der Herzchirurgie machen zwei Entwicklungen den Unterschied aus: „Zum einen stehen uns heute Katheterverfahren zur Verfügung. Damit können wir Herzklappen ohne offene OP ersetzen. Zum anderen haben wir viel Know-how über schonende OP-Zugänge dazugewonnen“, berichtet Prof. Markus Krane. Der Ärztliche Leiter des Deutschen Herzzentrums München erklärt die Zusammenhänge:

Katheterverfahren: Das Grundprinzip besteht darin, einen dünnen Schlauch durch die Leistenarterie einzuführen. Darin wird eine zusammengelegte künstliche Herzklappe bis zum Herzen vorgeschoben und dort entfaltet. Das Verfahren wurde vor 20 Jahren erstmals an der besonders häufig defekten Aortenklappe eingesetzt und heißt in der Fachsprache Transkatheter-Aortenklappenimplantation (TAVI). Es wurde inzwischen perfektioniert – auch mit besseren OP-Vorbereitungen wie einer exakten Berechnung der Klappengröße. „In 95 Prozent der Fälle kann eine TAVI-Klappe heute sogar in sanfter Dämmerschlafnarkose eingesetzt werden, und die Patienten können im Schnitt bereits nach vier Tagen wieder aus der Klinik entlassen werden“, so Krane. Mittlerweile können auch erkrankte Mitralklappen und Trikuspidalklappen in Kathetertechnik behandelt werden.

OP-Zugänge: Immer öfter können Herzchirurgen darauf verzichten, den Brustkorb des Patienten mit einer Durchtrennung des Brustbeins zu eröffnen – etwa bei minimalinvasiven Bypass-Operationen oder aber auch bei Herzklappenoperationen. Hier kommen die Chirurgen oft mit einem kleinen Schnitt am seitlichen Brustkorb zwischen den Rippen aus. „Dadurch können sich die Patienten nach dem Eingriff voll bewegen und der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt beträgt nur noch fünf bis sechs Tage.“

■ Bauchchirurgie

Bei Operationen gewinnt die Robotik in vielen Kliniken immer mehr an Bedeutung – auch bei Eingriffen im Bauchraum. Die Technologie ist Herzstück einer minimalinvasiven OP-Strategie, die mit viel kleineren Schnitten als früher auskommt. Sie hat für einen Quantensprung bei der Verkürzung der Krankenhausaufenthalte gesorgt. Das kristallisiert sich unter anderem beim Thema Darmkrebs heraus: „Vor zwei Jahrzehnten war noch ein großer Bauchschnitt die Regel und die Patienten mussten an die drei Wochen in der Klinik bleiben. Heute können wir nahezu alle Eingriffe am Darm minimalinvasiv durchführen. Wenn wir zusätzlich noch spezielle Behandlungskonzepte verwenden, können wir unsere Patienten sehr häufig bereits am dritten oder vierten Tag nach der OP entlassen“, erläutert Professor Franz Bader, Chirurgie-Chef im Münchner Isarklinikum.

Sein Team arbeitet mit dem ERAS-Programm. Die Abkürzung steht für Enhanced Recovery After Surgery. Das bedeutet auf Deutsch „Verbesserte Erholung nach Operationen“. In Kombination mit minimalinvasiven Operationstechniken inklusive Robotik zielt ERAS darauf ab, die Patienten nach dem Eingriff schneller und noch sicherer wieder auf die Beine zu bringen. „Dadurch verringert sich die Komplikationsrate um bis zu 80 Prozent“, weiß Bader.

Bei dem Konzept gibt es beispielsweise schon vor der OP Tipps, wie sich die Heilung mit cleverer Ernährung günstig beeinflussen lässt und welche Vitamin- und Mineralstoffdefizite ausgeglichen werden sollten. Nach der OP werden Blasenkatheter rasch entfernt, es gilt die Devise: möglichst bald aufstehen. „Bereits am OP-Tag sollten die Patienten zwei Stunden außerhalb des Betts verbringen und am Tag danach für sechs Stunden“, erläutert leitender Oberarzt Privatdozent Dr. Maximilian Sohn.

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