Friederikes Herberge für heilige Kühe

von Redaktion

Deutsche Auswanderin betreut in Indien auf eigene Kosten rund 3000 Rindviecher

Friederike Irina Bruning betreut in Indien 3000 Kühe, viele davon wurden bei Unfällen verletzt. © Antje Stiebitz/epa

Neu-Delhi – Wer Friederike Irina Bruning besucht, findet sie inmitten von rund 3000 kranken, verletzten und alten Kühen. In Radhakund, einem Ort rund 150 Kilometer entfernt von der indischen Hauptstadt Neu-Delhi, betreibt die Deutsche seit mehr als 20 Jahren eine Kuh-Herberge. Die 67-Jährige hat hier ihre Lebensaufgabe gefunden.

„Als ich vor 45 Jahren hier ankam, gab es kaum Kühe auf der Straße. Nur ein paar Stiere liefen herum.“ Doch dann seien die Ochsen nach und nach von Traktoren ersetzt worden, die Stierkälber hätten ihren Wert verloren und seien ausgesetzt worden, erzählt Bruning. Als die Futterpreise stiegen, landeten plötzlich auch unproduktive Kühe und Kälbchen auf der Straße. „Zeitgleich stieg der Verkehr an, und da passieren Unfälle.“ Ihre erste Kuh habe sie nach einem Unfall von der Straße aufgelesen. So habe alles begonnen.

Zunächst hatte sie einen kleinen Tempel mit Hof gemietet. Doch als die Zahl der Kühe auf 30 stieg, mietete sie ein größeres Grundstück und gründete ihre Herberge, die Radha Surabhi Gaushala. Inzwischen beherbergt Bruning rund 3000 Kühe, etwa 500 von ihnen sind verletzt und brauchen regelmäßige medizinische Versorgung. Tatsächlich tragen viele der Tiere einen Mullverband um den Kopf oder den Bauch. Andere haben ein geschientes Bein, manchen fehlt eins.

Rund 140 Angestellte arbeiten in der Herberge. Sie machen die Ställe sauber, füttern und betreuen die verletzten und erkrankten Tiere. Bruning finanziert die Kuh-Herberge aus eigenen Mitteln und Spenden. Im Hof sitzen einige Arbeiterinnen und Arbeiter im Schatten. Malti, eine der Frauen, erklärt, dass sie hier jeden Tag acht Stunden ausmistet. Dafür bekomme sie monatlich 10 000 Rupien, umgerechnet etwa 100 Euro. Friederike Irina Bruning hat sich mit ihrem Engagement den Respekt ihres indischen Umfelds verdient. Die indische Regierung hat sie dafür bereits mit der sogenannten Shree-Padma-Auszeichnung geehrt, dem vierthöchsten indischen Zivilorden. Für sie zählt vor allem eins: „Das Leid von Lebewesen, egal ob Mensch oder Tier, zu erkennen und zu lindern.“ Das helfe der Seele dabei, große Fortschritte zu machen. Der Dienst am nächsten Lebewesen, ohne Interesse daran, sich selbst zu bereichern, sei der beste Weg, ins Blickfeld Gottes zu geraten.

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