Diagnose Depression: Zehn Fragen und Antworten

von Redaktion

Expertin erklärt die typischen Symptome – Wie Angehörige und Arbeitgeber Betroffenen helfen können

Niedergeschlagenheit und Rückzug können Anzeichen einer Depression sein. © Mauritius Images; Jürgen Hofstätter

Bad Saulgau – Weltweit, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO, sind etwa 322 Millionen Menschen von einer Depression betroffen, in Deutschland knapp fünf Millionen Menschen. „Diese komplexe psychische Störung beeinträchtigt das tägliche Leben erheblich und wird hinsichtlich ihrer Schwere weiterhin stark unterschätzt“, erklärt Prof. Dr. Petra Beschoner, Fachärztin für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatische Medizin und ärztliche Leitung der Akutklinik Bad Saulgau. „Die Aufklärung ist entscheidend, um Stigmatisierung zu reduzieren, frühzeitige Diagnosen zu ermöglichen und angemessene Unterstützung bereitzustellen.“ Hier beantwortet die Fachärztin wichtige Fragen:

1. Was sind die Anzeichen? „Symptome einer Depression können vielfältig sein und sind hauptsächlich geprägt von Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit und Interessenverlust. Weitere Anzeichen wie Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Gefühle der Schuld oder Wertlosigkeit sowie vermindertes Selbstvertrauen kommen hinzu. In schweren Fällen auch Suizidalität. Daneben berichten Betroffene oft von körperlichen Symptomen wie Magenbeschwerden, Kopf- und Rückenschmerzen oder Tinnitus.“

2. Wann spricht man von einer Depression? „Wenn über einen Zeitraum von wenigstens zwei Wochen mindestens zwei der Hauptsymptome wie depressive Stimmung, Verlust von Interesse, Freude und Antriebsminderung vorliegen. Hinzukommen müssen mindestens zwei der Nebensymptome wie Konzentrationsstörungen, Appetitminderung, Schlafstörungen, Gefühle von Wertlosigkeit oder übermäßiger Schuld, Konzentrationsprobleme und Gedanken an Tod oder Suizid. Aber: Nicht jede gedrückte Stimmung ist eine Depression. Um behandlungsbedürftige Störungen sicher zu identifizieren, erfolgen eine umfangreiche psychische Befunderhebung und ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch.“

3. Wie können Angehörige helfen? „Wie bei allen schwerwiegenden Erkrankungen sollten Angehörige auch in diesem Fall ärztlichen Rat einholen und sich über die Erkrankung informieren, wie zum Beispiel über Online-Seiten der Deutschen Depressionsliga oder der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Diese bieten u. a. auch die Möglichkeit zu einem anonymen Austausch mit anderen depressiven Menschen. Im nächsten Schritt können Angehörige einen Arztbesuch vereinbaren und den Betroffenen anbieten, sie zu begleiten. Allerdings ist Geduld gefragt, denn Hilfsangebote werden häufig abgelehnt. Manchmal braucht es Zeit und eine sensible Hartnäckigkeit, bis die geliebte Person professionelle Hilfe in Anspruch nimmt. Wichtig: Den betroffenen Menschen immer wieder zeigen, dass man für sie da ist und Gesprächsbereitschaft signalisieren, ohne zu drängen. Nicht vom Erkrankten abwenden, auch wenn es schwerfällt. Und bei all dem gut auf sich selbst achten.“

4. Gibt es eine Winterdepression? „Ja, die saisonale affektive Störung, kurz SAD, ist eine Form der Depression, die typischerweise in den Wintermonaten mit weniger Sonnenlicht auftritt. Praktische Tipps zur Bewältigung können die Nutzung von Tageslichtlampen, regelmäßige körperliche Bewegung und die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte sein.“

5. Wie läuft die Behandlung ab? „Diese umfasst meist eine Kombination aus Psychotherapie, wie z. B. die kognitive Verhaltenstherapie oder tiefenpsychologische Therapie, die Pharmakotherapie mit Antidepressiva und gegebenenfalls Licht- oder Bewegungstherapie. Ein individueller Behandlungsplan wird oft in Absprache mit einem Facharzt erstellt.“

6. Sind Depressionen heilbar? „In den meisten Fällen sind sie gut behandelbar und viele Menschen erholen sich vollständig. Die Heilungschancen hängen jedoch auch von einer frühzeitigen Diagnose, der Schwere der Depression, der Behandlungszugänglichkeit und der individuellen Reaktion auf die Therapie ab. Eine Depression kann jedoch wiederkehren. Das ist, statistisch gesehen, bei rund der Hälfte aller Betroffenen der Fall.“

7. Machen Antidepressiva abhängig? „In der Regel nicht. Sie können aber Absetzphänomene verursachen, wenn sie plötzlich weggelassen werden. Antidepressiva sollte man daher ausschließlich nach ärztlicher Verordnung einnehmen bzw. absetzen.“

8. Wo finden Betroffene Hilfe? „Erster Ansprechpartner ist der Hausarzt. Er kann Betroffene an einen Facharzt oder Psychologischen Psychotherapeuten weiterleiten. Betroffene können sich auch direkt an einen Facharzt oder Therapeuten wenden. Zudem finden sie hilfreiche Ansätze bei Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und Krisentelefonen sowie Online-Ressourcen und Apps.“

9. Wer übernimmt die Behandlungskosten? „Die gesetzlichen Krankenversicherungen übernehmen die Kosten für die Behandlung von Depressionen. Bei privaten Krankenversicherungen ist es jedoch ratsam, die Deckung und mögliche Selbstbeteiligungen im Voraus zu klären.“

10. Sollte der Arbeitgeber die Diagnose kennen? „Das ist eine persönliche Entscheidung. In einigen Fällen ist es hilfreich, um Unterstützung bzw. Anpassungen im Arbeitsablauf zu erhalten. Das kann die Effizienz verbessern und das Rückfallrisiko minimieren.“

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