Wie die Strahlentherapie heilen kann

von Redaktion

Hocheffektive Behandlung – TUM-Expertin möchte Patienten unbegründete Ängste nehmen

Über Monitore steuern Experten jede Einstellung des Geräts. Per Mikrofon können sie mit dem Patienten sprechen.

Von der Diagnose über die Behandlung bis zur Nachsorge: Prof. Stephanie E. Combs vom TUM-Klinikum hat ein Buch über die Strahlentherapie geschrieben. Sie möchte Patienten unbegründete Ängste nehmen. © Kathrin Czoppelt / TUM Klinikum

München – Strahlentherapie – bei diesem Wort zucken viele zusammen. Doch Prof. Stephanie E. Combs, Direktorin der Klinik für Radioonkologie und Strahlentherapie am TUM Klinikum, räumt in ihrem neuen Ratgeber „Strahlentherapie“ mit alten Vorurteilen auf: „Moderne Strahlentherapie ist heute eine hocheffektive, schonende Behandlungsmethode mit hervorragenden Erfolgen auch bei schweren Erkrankungen. In den vergangenen Jahren hat sich in diesem Bereich enorm viel weiterentwickelt.“ Auf dieser Seite erklärt sie die wichtigsten Aspekte, die Patienten und deren Angehörige immer wieder beschäftigen.

■ Große Fortschritte in den letzten Jahren

Heute lassen sich Tumoren punktgenau treffen, dank bildgestützter Verfahren und molekularer Marker. „Wir arbeiten mit personalisierten Therapiekonzepten, abgestimmt auf die biologische Struktur jedes einzelnen Tumors“, erklärt sie. Und auch die Behandlungsdauer hat sich verändert: „Früher kamen Patientinnen mit Brustkrebs sechs bis sieben Wochen lang täglich. Heute reicht in vielen Fällen eine Bestrahlung über wenige Tage.“ Gleichzeitig betont sie den hohen interdisziplinären Anspruch: „Gerade bei komplexen Tumoren – etwa im Gehirnbereich oder an der Schädelbasis, aber auch bei Kopf-Hals-Tumoren oder bei Tumoren im Bauchraum – ist die enge Zusammenarbeit mit Chirurgen und Onkologen entscheidend. Bei uns wird immer im Team festgelegt, was operiert und was bestrahlt wird.“

■ Keine Angst vor der Strahlentherapie

Wichtig ist ihr die Aufklärung: „Strahlen machen vielen Menschen Angst. Aber die moderne Strahlentherapie ist eine der verträglichsten Behandlungsmethoden überhaupt – gut steuerbar, nebenwirkungsarm, in den meisten Fällen ambulant.“ Haare können z. B. bei einer Hirnbestrahlung ausfallen, wachsen aber zuverlässig wieder nach. „Man muss den Menschen die Sorge nehmen. Verbrennungen wie früher gibt es heute nicht mehr – schlimmstenfalls leichte Rötungen.“ Für viele Erkrankungen – auch für gutartige wie Arthrosen oder Fersensporn – bietet die Strahlentherapie heute Optionen mit sehr niedriger Dosis. Und auch die Perspektive hat sich verändert: „Wenn jemand zur Strahlentherapie kommt, ist das oft ein gutes Zeichen – denn dann besteht eine echte Heilungschance. Wir behandeln in den meisten Fällen kurativ, nicht palliativ.“ Ihr wichtigster Appell: „Die Technik muss auf dem neuesten Stand sein – aber ebenso die Erfahrung. Es zählt, wie oft ein Zentrum eine Erkrankung sieht. Qualität entsteht durch Expertise und Teamarbeit.“

■ Wie Strahlen heilen und gezielt wirken

Die Strahlentherapie nutzt elektromagnetische Wellen oder Teilchenstrahlung – meist in Form von hochenergetischen Photonenstrahlen, also stark gebündelte Röntgenstrahlung. Diese kann Tumorzellen von innen heraus zerstören, ohne dass der Körper aufgeschnitten werden muss. „Die Strahlen wirken auf das Erbgut der Zellen, die DNA. Sie verursachen Schäden, die nicht mehr repariert werden können – so wird das Zellwachstum gestoppt oder die Tumorzellen sterben ganz ab“, so Prof. Combs.

■ Tumorzellen fehlt ein Reparatursystem

Tumorzellen teilen sich viel schneller und unkontrollierter als gesunde Zellen – das ist das Hauptproblem, aber zugleich ihr größter Schwachpunkt. „Gesunde Zellen haben ein geordnetes Reparatursystem – Tumorzellen fehlt dieses meist. Dadurch gehen auf der einen Seite die Tumorzellen zugrunde, aber auf der anderen Seite können sich gesunde Zellen immer wieder regenerieren und die Strahlentherapie unbeschadet überstehen“, erklärt Prof. Combs. Man könnte sagen: Die Strahlen greifen an der Achillesferse des Tumors an – und verschonen dabei gezielt gesundes Gewebe.

■ Höchste Präzision gegen Tumorgewebe

Moderne Technik erlaubt es heute, die Strahlen mit höchster Präzision auf das Tumorgewebe zu richten. Das geschieht mit speziellen Geräten (z. B. Linearbeschleunigern) und auf Basis von detaillierten Bilddaten aus CT oder MRT. „Wir können die Strahlen exakt dosieren und lenken – mit einer Genauigkeit im Millimeterbereich. Damit können wir das Tumorgewebe effektiv schädigen, aber das umliegende gesunde Gewebe maximal schonen.“

■ Die Strahlendosis wird aufgeteilt

Die gesamte Strahlendosis wird meist in viele kleine Einheiten aufgeteilt (fraktioniert). So hat gesundes Gewebe Zeit zur Erholung – während der Tumor systematisch geschädigt wird. „Durch diese Einteilung können wir den Therapieerfolg verbessern und gleichzeitig Nebenwirkungen verringern.“

■ Normal leben während der Therapie

Viele Patienten denken: „Strahlen? Dann liege ich wochenlang im Bett.“ Falsch gedacht! Die moderne Therapie ist präzise, oft ambulant und mit dem Alltag kombinierbar: „Wer sich gut fühlt, kann seinen Alltag wie gewohnt fortsetzen und sogar zur Arbeit gehen.“ Auch Kinder, Eltern, Berufstätige können den Alltag oft weiterführen. Selbst bei starken Nebenwirkungen wie Hautreizungen oder Erschöpfung gibt es Hilfe. Und vor allem gilt: „Die Behandlung ist individuell angepasst – damit sie möglichst gut vertragen wird.“SUSANNE HÖPPNER

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