Interview zu den Fortschritten in der Herzmedizin: Prof. Thorsten Lewalter (li.) mit Redakteur Andreas Beez. © Fotos: Jens Hartmann
Herz-Profis (v. li.): Johannes Brachmann, Thorsten Lewalter mit Larry Chinitz und Douglas Packer aus den USA.
München am Puls der Wissenschaft: Seit elf Jahren trommeln Prof. Thorsten Lewalter vom Internistischen Klinikum München-Süd und Prof. Johannes Brachmann aus Coburg unmittelbar nach dem wichtigsten Europäischen Herz-Kongress der European Society of Cardiology (ESC) eine illustre internationale Expertenrunde zusammen, um über die ESC-Ergebnisse zu diskutieren. Hier analysiert der erfahrene Kardiologe Lewalter fünf neue Erkenntnisse, die am vergangenen Wochenende bei der Tagung „munich heart“ im Literaturhaus erörtert wurden.
Fingerhut hilft bei Herzschwäche: Aus der Blüte der Pflanze wird der Medikamenten-Klassiker Digitalis hergestellt. Es erlebt derzeit eine Renaissance . Denn eine Studie über zehn Jahre zeigt, dass dieses uralte Arzneimittel das Risiko deutlich verringert, in die Klinik eingeliefert zu werden oder gar zu sterben.
Kalium schützt vor Herzrhythmusstörungen: „Wenn der Kaliumspiegel im Blut medikamentös angehoben wird, reduzieren sich bedrohliche Herzrhythmusstörungen“, berichtet Lewalter, warnt aber zugleich: „Patienten mit Nierenschwäche müssen vorsichtig sein.“
Effektive Herzablationen: Eine Studie zeigt, dass alle gängigen Katheter-Verfahren mit Strom oder Kälte zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen ähnlich effektiv sind. Allerdings ist das moderne Verfahren namens Pulsed Field Ablation (PFA) schneller und etwas risikoärmer. „Es schützt besser vor Verletzungen der Speiseröhre und des Zwerchfellnervens“, so Lewalter.
Bessere Diagnostik dank Hightech: „Die Kardio-CT ermöglicht uns eine viel bessere Beurteilung von Engstellen in den Herzkranzgefäßen. Wir können genauer einschätzen, wie gefährlich die Gefäßplaques sind. Das ist eine ganz neue Sicherheits-Dimension“, sagt Lewalter. Auch die Magnetressonanztomografie (MRT) gewinne immer mehr an Bedeutung: „Sie erlaubt eine viel bessere Einschätzung, wie gefährlich beispielsweise eine vorhandene Herzschwäche, Koronare Herzkrankheit (KHK), Wandverdickungen oder Entzündungen sind.“
KI revolutioniert die Herz-Diagnostik: Künstliche Intelligenz wird unter anderem beim EKG eingesetzt. „Die KI kann beispielsweise sagen, ob der Patient in der Vergangenheit schon mal Vorhofflimmern hatte. So gewinnen wir wertvolle Erkenntnisse für die weitere Therapie“, erläutert Lewalter.BEZ