Manchmal werden Lymphknoten entfernt. © Smarterpix
Team: PD Dr. Lisanne Grünherz und Prof. Christoph Scholz, Chefarzt Frauenklinik Harlaching und Neuperlach.
„Ich wollte Normalität“, sagt Brustkrebspatientin Barbara Sprinzl. Ein wichtiger Baustein hierfür war die Rekonstruktions-OP. Da bei der Tumor-OP ihr Lymphsystem beschädigt wurde, leidet sie an einem Lymphödem, das der Handschuh lindert. © Thedens (2)
München – „Meine rechte Brust war geschwollen und wirkte entzündet“, erinnert sich Brustkrebspatientin Barbara Sprinzl. Antibiotoka halfen nicht, nach einer Ultraschalluntersuchung und einer Biopsie, bei der eine Gewebeprobe untersucht wurde, stellte man fest, dass es sich um bösartigen Krebs handelte. „Man untersuchte noch, ob er schon gestreut hatte, und drei Wochen später bekam ich einen Zugang gelegt und begann eine Chemo“, sagt Barbara Sprinzl. Sie verlor zeitweise ihre Haare, nicht aber ihren Lebensmut. So gut es ging, arbeitete sie auch während der Zeit der Behandlung weiter, erzählt sie. Die selbständige Firmeninhaberin aus Hof erinnert sich: „Ich wollte so viel Normalität, wie nur irgendwie möglich!“
■ Rekonstruktion schafft Normalität
Trotz erfolgreicher Chemo rieten Ärzte dazu, die rechte Brust zu entfernen: „Damals vor zweieinhalb Jahren ging es mir in allererster Linie darum, mit allen Mitteln zu verhindern, dass der Krebs zurückkommt“, sagt die Patientin. Im Sommer 2024 informierte sie sich dann zu den Möglichkeiten einer Rekonstruktion mit Eigenfett. Im November 2024 rekonstruierte dann Privatdozentin Dr. Lisanne Grünherz, Leitende Oberärztin Klinik für Plastische, Rekonstruktive, Hand-und Verbrennungschirurgie an der München Klinik Bogenhausen die Brust – und verwendete dabei Bauchfett der Patientin: „Es ist wirklich erstaunlich, was in der modernen Medizin alles möglich ist“, freut sich die Patientin, die mit dem Ergebnis sehr zufrieden ist.
■ Lymphsystem in Mitleidenschaft gezogen
Nur eines macht ihr weiterhin – und hoffentlich nicht zunehmend – zu schaffen. Bei der Operation in einer Klinik bei Hof wurden auch Lymphknoten entfernt. Das führte zu einer Begleiterscheinung, die immer wieder Frauen nach einer Brust-OP trifft: Ein Lymphödem. Es begann etwa vor einem halben Jahr, dass der rechte Unterarm und die Hand von Barbara Sprinzl dick wurden. Der Grund ist, dass durch die Entfernung von Lymphknoten und eine zusätzliche Bestrahlung, das Lymphsystem langfristig beschädigt wurde – dieses sorgt dafür, dass Gewebeflüssigkeit aus dem Gewebe wieder in den Blutkreislauf zurückkommt, nachdem in den Lymphknoten Keime und Abfallstoffe herausgefiltert wurden. Dieser Lymphfluss, der ein wichtiger Teil des körpereigenen Immunsystems ist, ist bei Barbara Sprinzl im rechten Arm beschädigt. Um zu verhindern, dass die Hand und der Arm stark anschwellen, trägt sie einen Stützhandschuh. „Ich stehe dazu und habe deshalb ein knalliges Blau gewählt“, sagt die Patientin. Sie braucht nun eine regelmäßige Lymphdrainage. Und es steht noch eine OP an: Dr. Lisanne Grünherz will einen Lymphknoten transplantieren und eine Art Bypass für die Lymphflüssigkeit in das Venensystem schaffen.
■ Behandlung heute schonend und effektiv
Bei der Behandlung von Brustkrebs hat sich heute viel geändert im Vergleich zu früher, sagt Prof. Christoph Scholz, Chefarzt Frauenklinik München Klinik Harlaching und Neuperlach: „Wir arbeiten heute daran, die Achselhöhlen und damit auch die Lymphknoten ganz in Ruhe zu lassen“, erklärt der Brustkrebsexperte. Früher wurden meist vorsorglich alle Lymphknoten entfernt. Heute werden die Tumoren analysiert und dann beraten die Experten u. a. für OP, Bestrahlung, Chemotherapien und neuartige Immuntherapien gemeinsam am sogenannten Tumorboard über die jeweils beste individuelle Behandlung der jeweiligen Patientin.
■ Rekonstruktion schon bei der ersten OP möglich
Die Frage, ob und wie eine Brust rekonstruiert werden soll, ist eine ganz individuelle Entscheidung der Patientin. Es ist auch möglich, gleich in einer OP den Tumor zu entfernen und im Anschluss die Brust zu rekonstruieren. „Wenn die Patientin dies möchte und es medizinisch möglich ist, stehen die Kollegin PD Dr. Grünherz als plastische Chirurgin und ich als Brustkrebsexperte gemeinsam am OP-Tisch“, sagt Prof. Scholz. Er will den Patientinnen Mut machen: „In vielen Fällen schenkt die Rekonstruktion ein Stück Normalität.“
Wie die Rekonstruktion erfolgt, hängt auch ab davon, ob nur die Brustdrüse entfernt werden muss und ein Hautlappen mit Brustwarze zurückbleibt, oder ob die gesamte Brust entfernt werden muss. Es kann Silikon verwendet werden oder eben Eigengewebe. Dieses kann man am Bauch oder an den Oberschenkeln entnehmen. Zweitere OP ist mikrochirurgisch anspruchsvoll, aber die Patientinnen nehmen dies gerne in Kauf, da sich die Brust durch das Eigengewebe viel natürlicher anfühlt, sagt Dr. Grünherz. Der herausragenden Chirurgin ist es wichtig, dass die Patientinnen die Entscheidung so treffen, wie es sich für sie richtig anfühlt, menschlich und medizinisch. „Der Goldstandard ist die Technik der Rekonstruktion mit Eigengewebe aus der Bauchregion“, sagt Grünherz. Umfassende Informationen zum Thema gibt es beim BRA DAY in der München Klinik Bogenhausen am 15. Oktober (siehe Kasten).