Anfällig für Verschleiß und Verletzungen: das Kniefgelenk. © Foto: Mauritius
Knackpunkt Knie: Dr. Manuel Köhne von der Orthopädischen Chirurgie München (OCM) erklärt, wie Ihr Gelenk möglichst lange belastbar bleibt. © Foto: Yannick Thedens
München – Kaum ein Gelenk muss mehr aushalten als das Knie. „Wir gehen jeden Tag tausende Schritte, aber kümmern uns oft zu wenig um Verschleiß, Verletzungen und Fehlbelastungen. Dabei lassen sich schwerwiegende Knieprobleme oft vermeiden, wenn man Beschwerden rechtzeitig behandelt und Risikofaktoren reduziert“, sagt Dr. Manuel Köhne. Deshalb rät der erfahrene Kniespezialist zu einem regelmäßigen Gelenk-TÜV beim Orthopäden. In unserer Zeitung erklärt Köhne, worauf bestimmte Schmerzen hindeuten können und wie Ihr Knie wieder fit wird.
In Deutschland zwickt nach Expertenschätzungen etwa zehn Millionen Menschen das Knie. Jedes Jahr legen sich 400 000 Patienten wegen Meniskusschäden, Kreuzbandrissen, Knorpelschäden und anderen Verletzungen unters Messer, weitere 200 000 lassen sich ein künstliches Gelenk einsetzen. Sie leiden unter starker Arthrose. Diese Verschleißerkrankung kann von Risikofaktoren befeuert werden. „Dazu zählen beispielsweise O- oder X-Beine, eine Instabilität aufgrund eines nicht mehr vorhandenen Kreuzbandes oder defekte Menisken, die ihre Stoßdämpferfunktion nicht mehr erfüllen können. Oftmals leidet dann der Kniegelenks-Knorpel besonders stark und nutzt sich im Laufe der Jahre immer mehr ab“, weiß Kniespezialist Dr. Manuel Köhne von der Orthopädischen Chirurgie München (OCM).
■ Häufige Symptome und die Ursachen
Chronische Schmerzen: Wenn das Knie auch in Ruhe – etwa nachts im Bett – schmerzt und sich entzündet anfühlt, dann spricht einiges für eine aktivierte Arthrose. Im fortgeschrittenen Stadium wird das Knie immer öfter dick und das Gehen immer mühsamer. Eigenblutbehandlungen und Spritzen mit Hyaluronsäure können helfen, die Beschwerden zu lindern – aber die Verschleißerkrankungen nicht heilen. Bei X- oder O-Beinen können Einlagen mit Schuhranderhöhung Entlastung bringen. Zu einem guten konservativen Anti-Arthrose-Plan gehören auch gezieltes Muskeltraining und Gewichtsabnahme. Letzter Ausweg ist ein künstliches Knie. „Heute wird immer öfter nur ein Teil des Gelenks ersetzt, meist auf der Innenseite. Wir Ärzte sprechen von einer Schlittenprothese“, berichtet Köhne. Voraussetzung ist allerdings, dass die anderen beiden Gelenkflächen im Knie (außen und unter der Kniescheibe) noch intakt sind.
Schmerzen beim Beugen und bei Drehbewegungen: Das kann auf einen Meniskusschaden hindeuten. Die Schmerzen spürt man oft besonders stark, wenn man in die Hocke geht oder das Knie mehr als 90 Grad abwinkeln möchte. Die Schwellung fällt meist nur moderat aus. Eine OP ist dann nötig, wenn ein abgerissener Meniskusanteil eingeklemmt ist. Heute achten versierte Knieoperateure darauf, so viel Meniskus wie möglich zu erhalten und nur wenig Gewebe zu entfernen. Dem trägt der englische Slogan „saving the meniscus“ Rechnung. Falls möglich, wird das sichelförmige Knorpelstückchen genäht. „Es erfüllt eine wichtige Funktion für die Biomechanik des Gelenks“, erläutert Köhne.
Das Knie fühlt sich an wie Wackelpudding: Dahinter steckt oft ein Riss des Kreuzbands als wichtigstem Stabilisator des Kniegelenks. Das Band reißt typischerweise bei Sport mit schnellen Drehbewegungen und fast immer ohne Fremdeinwirkung. Eine größere Schwellung kommt meist erst nach ein paar Stunden, die Schmerzen halten sich in Grenzen. Einen ersten Anhaltspunkt, ob das Band beschädigt ist, liefert der sogenannte Schubladentest. Eine sichere Diagnose ermöglicht die Magnetresonanztomografie (MRT). Operiert wird meist bei Menschen mit einem hohen sportlichen Anspruch. Man kann die Verletzung – sofern Knorpel und Knochen nicht ebenfalls verletzt sind – in manchen Fällen auch ohne OP ausheilen lassen und konservativ behandeln.
Starke Schmerzen auf der Innenseite, insbesondere beim Strecken des Beines: Das könnte ein Innenbandriss sein. Die Schwellung ist meist nicht so wild, es tut aber oft mehr weh als ein Kreuzbandriss oder Meniskusschaden. In 90 Prozent der Fälle kommt man ohne OP wieder auf die Beine. Das Motto: kühlen und schonen. Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac (Voltaren) lindern die Schmerzen, eine Bandage für 4–6 Wochen bringt Entlastung.
Kurze, aber höllische Schmerzen: Nach einem Sturz oder Zusammenprall beim Sport spricht einiges für eine Prellung. Sie zieht meist keine starke Schwellung nach sich. Die Schmerzen sollten allerdings schnell wieder nachlassen – und ein Röntgenbild gemacht werden, um sicherzustellen, dass Knochen bzw. Kniescheibe nicht gebrochen sind. Eine Prellung wird in der Regel rasch besser, und eine längere Sportpause ist nicht nötig.
Dumpfe, eher flächige Schmerzen: Fühlt sich das ganze Knie nach einer Verdrehung so an, könnte eine Kapselverletzung dahinterstecken. Sie verursacht keine größere Schwellung. Diese allein ist nicht dramatisch, heilt unter Schmerzmitteln, Eispackung und einer Bandage rasch ab. Man sollte aber mit einer MRT in der Röhre vorsorglich klären, ob auch Bänder lädiert sind. ANDREAS BEEZ