Nach Radl-Drama: So gefährlich sind Sturzverletzungen

von Redaktion

Münchens Ex-Bürgermeisterin Habenschaden erleidet Knochenbrüche – Unfallchirurgen klären auf

Begeisterte Fahrradfahrerin: Münchens Ex-Bürgermeisterin Katrin Habenschaden. © Foto: Achim Frank Schmidt

Erfahrene Orthopäden, Unfallchirurgen und Sportmediziner: Dr. Martin Kiechle (links) und Dr. Sebastian Torka. © Foto: Andrea Jaksch

Unfallopfer Katrin Habenschaden. © Foto: privat

Ex-Bürgermeisterin Katrin Habenschaden hat sich bei einem Radl-Unfall in Berlin schwere Verletzungen zugezogen, darunter Knochenbrüche und Prellungen. Wie böse Stürze ausgehen können, hängt auch davon ab, auf welchem Körperteil man landet. Hier erklären die Unfallchirurgen Dr. Sebastian Torka und Dr. Martin Kiechle vom Spezialistenzentrum Ortho-Sports in München und Starnberg häufige Verletzungen.

■ Stürze auf den Kopf

Besonders kritisch sind Stürze auf den Kopf. Die Bandbreite der Verletzungen reicht von Platzwunden über Gehirnerschütterungen und Schädelprellungen bis zu Gehirnblutungen. Bei Kopfschmerzen nach einem Sturz sollte man sicherheitshalber lieber rasch zum Arzt gehen. Nach Kopfverletzungen sollte man keine Aspirin-Tabletten nehmen, weil sie schlimmstenfalls eine Hirnblutung befeuern können.

■ Wirbelsäule

Vorsicht ist auch bei Stürzen auf den Rücken geboten. Relativ häufig ziehen sich die Patienten dabei eine Stauchung der Wirbelsäule zu. Bei älteren Patienten – gerade mit Osteoporose – drohen oft Wirbelkörperbrüche. Bei gering verschobenen Brüchen kommen die Patienten um eine OP herum, oft muss aber der Wirbelkörper mit einem Spezial-Zement oder Metallimplantaten stabilisiert werden. Die Heilung nach dem Eingriff dauert inklusive Reha etwa zwei Monate.

■ Hüfte

Wer schon mal auf der Hüfte gelandet ist, der weiß, wie höllisch weh das tun kann. Dabei ziehen sich jüngere Patienten eher selten einen Bruch zu, häufig allerdings schmerzhafte Prellungen samt Quetschungen von Muskeln und Sehnenansätzen. Dagegen gehört der Bruch des Oberschenkelhalses zu den häufigsten Sturzverletzungen bei älteren Patienten, jedes Jahr trifft es 120 000 Senioren. Viele der älteren Sturzopfer brauchen dann ein künstliches Hüftgelenk.

■ Knie

Wenn man aufs Knie stürzt, erwischt es oft die Kniescheibe. Sie kann geprellt werden oder brechen. Oft wird das Knie dick, weil der Schleimbeutel vor der Kniescheibe einblutet. Eine Prellung oder Einblutung des Schleimbeutels sollten in ein bis zwei Wochen erledigt sein, ein Bruch heilt in sechs bis acht Wochen.

■ Schulter

An der Schulter werden bei Stürzen häufig das Schultereckgelenk oder Sehnen in Mitleidenschaft gezogen, oft die vier Sehnen der sogenannten Rotatorenmanschette. Sie heißen so, weil sie den Oberarmkopf flächig umgreifen. Die Heilung solcher Verletzungen ist relativ langwierig – mit oder ohne OP. Es dauert zwei bis drei Monate, bis die Schulter wieder alltagstauglich ist. Ganz generell gilt bei Stürzen: ruhigstellen und kühlen.

■ Handgelenk

Stürze aufs Handgelenk gehören zu den Klassikern – auch weil viele Unfallopfer versuchen, sich mit den Händen abzufangen. Operiert werden muss dann, wenn eine größere Fehlstellung des Handgelenks oder eine instabile Bruchform vorliegt.

■ Ellenbogen

Der Musikantenknochen hat seinen Namen nicht von ungefähr: An dem Höcker am Ellenbogen liegt der Nerv an der Oberfläche, deshalb ist die Stelle so schmerzempfindlich. Bei Stürzen auf den Ellenbogen bricht man allerdings meist den sogenannten Ellenhaken. Ein Ellenbogen-Bruch muss meistens operiert werden. ANDREAS BEEZ

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