Bypass-Operationen retten viele Leben

von Redaktion

Lebensrettende Umleitungen: Ein Beispiel für Bypässe. © Zeichnung/Grafik: Deutsches Herzzentrum

Hightech-Operation im Deutschen Herzzentrum: Die Herzchirurgen legen einem Patienten Bypässe. © Foto: Dr. Elda Dzilic

München – Für Laien wirkt es fast so, als wäre die Bypass-OP im Kampf gegen den Herzinfarkt aus der Mode gekommen: Heutzutage werden die allermeisten Patienten mit einer behandlungsbedürftigen Koronaren Herzkrankheit (KHK) – Auslöser des GAU im menschlichen Maschinenraum – im Herzkatheterlabor behandelt. Darin können Herzspezialisten sogenannte Stents durch einen dünnen Schlauch bis zu den verstopfen Herzkranzgefäßen transportieren. Diese winzigen Metallröhrchen (selten werden auch Modelle aus Magnesium verwendet) sollen die Engstellen von innen schienen und auf Dauer offen halten. Der große Vorteil an diesem Verfahren: Man muss die Patienten nicht operieren. Doch die Bypass-OP hat nach wie vor ihre Berechtigung. „Sie kann sehr effektiv und sicher Leben retten. Bei 97 Prozent unserer Bypass-Patienten treten keinerlei Komplikationen auf. Ob Stents oder Bypässe die beste Behandlungsoption sind, muss man in jedem Einzelfall genau analysieren“, sagt Professor Markus Krane, Direktor der Klinik für Herz- und Gefäßchirurgie im Deutschen Herzzentrum in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Hintergrund seiner Einschätzung: Das Thema KHK gehört zu den größten Herausforderungen der Herzmedizin – allein schon deshalb, weil es sich um die mit Abstand häufigste Herzerkrankung in der westlichen Welt handelt. Aber noch immer wissen zu wenige Menschen, wie gefährlich eine KHK werden kann. Deshalb hat die Deutsche Herzstiftung in diesem November im Rahmen ihrer „Herzwochen“ eine bundesweite Aufklärungskampagne gestartet. In Deutschland leiden etwa 4,7 Millionen Menschen daran. Sie fordert jedes Jahr etwa 120 000 Todesopfer, etwa jedes dritte stirbt an einem akuten Infarkt. Die tückische Volkskrankheit entsteht in einem schleichenden Prozess. Dabei bilden sich in den Herzkranzgefäßen (Fachbegriff Koronararterien) Ablagerungen aus Kalk, entzündlichen Zellen, Bindegewebe und Cholesterin. Sie werden Plaques genannt und können die Herzkranzgefäße immer stärker einengen – bis hin zum Verschluss. So entsteht ein Herzinfarkt. Eine KHK kann auch zu Herzschwäche oder plötzlichem Herztod führen.

Um diese Schreckensszenarien zu verhindern bzw. akut betroffene Patienten zu retten, werden in Deutschland nach Angaben der Deutschen Herzstiftung jährlich etwa 350 000 Stents gesetzt. Nur in zehn Prozent der Fälle wird eine Bypass-OP vorgenommen (35 000 Eingriffe jährlich). Wann ist dieses Vorgehen ratsam? Als Faustegel gilt: Wir Menschen haben drei große Herzkranzarterien. Wenn einer oder zwei dieser Äste verengt sind, dann werden meist Stents gesetzt. Wenn aber alle Gefäße oder der Hauptstamm der Arterie betroffen sind, ist eine Bypass-Operation meistens überlegen. Experten sprechen dann von einer Dreigefäßerkrankung.

„Bypässe kann man sich vorstellen wie Umgehungsstraßen, die eine verstopfte Hauptverkehrsader entlasten“, erläutert Herzchirurg Krane. „Dabei wird über das Bypassgefäß das sauerstoffreiche Blut hinter die kritische Engstelle geleitet. Das am häufigsten verwendete Gefäß ist die Brustwandarterie, die man nicht zum Leben braucht. Gegenüber Stents haben Bypässe auch den Vorteil, dass ein gesamter Gefäßabschnitt umgangen wird und nicht nur eine einzelne hochgradige Engstelle. „So werden gleich auch andere Gefahrenstellen mit instabilen Plaques entschärft, die möglicherweise in Zukunft Probleme bereiten könnten“, erläutert Krane.

„Eine Bypass-OP ist aufwendig, aber sicher“, betont Krane. Der Patient wird dabei in den allermeisten Fällen an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen und das Herz wird stillgelegt, um möglichst kontrolliert die Bypässe anlegen zu können. Bei der Anlage eines Bypasses müssen zwei Gefäße miteinander verbunden (vernäht) werden, die gerade einmal einen Durchmesser von ein bis zwei Millimetern haben (vergleichbar mit einer Kugelschreibermine) – es ist also absolute Präzisionsarbeit. Bypässe gelten als besonders effektiv. Wie Studien belegen, leben Patienten nach einer Bypass-OP länger als mit Stents. Das spiegelt sich auch in der Nationalen Versorgungsleitlinie wider. So lindert eine Bypass-OP die Beschwerden der Koronaren Herzkrankheit (KHK) um 94 Prozent, das Einsetzen von Stents um 80 Prozent. Jeder fünfte Patient mit einem Stent muss innerhalb von vier Jahren erneut mit Stents versorgt werden, nach einem Bypass-Eingriff müssen nur sechs Prozent binnen vier Jahren noch mal behandelt werden. In jedem Fall entscheidend ist, dass sich Patienten mit Brustschmerzen, die auf eine KHK hindeuten, schnell zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. In manchen Fällen kann eine Computertomografie des Herzens (Koronar-CT) sinnvoll sein. Sie ermöglicht eine präzise Beurteilung der Herzkranzgefäße.

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