Echte oder falsche Töne?

von Redaktion

Ebenfalls Fake: Der virtuelle Sänger Breaking Rust.

Singen da die Beatles – oder nur ein KI-Programm, das auf Lennon und McCartney trainiert wurde? Wie schwer Fake-Musik heute zu entlarven ist, zeigen die US-Charts. Dort stand gerade mit „Walk My Walk“ ein Countrysong auf Platz eins der „Billboard Country Digital Sales“, der komplett von Künstlicher Intelligenz erzeugt wurde. Hinter dem virtuellen Sänger „Breaking Rust“ steckt kein Cowboy mit Hut, sondern ein Algorithmus. Nur der Songwriter, der die Maschine füttert, ist noch real.

Lediglich leichte Verzerrungen und Wackler in der Stimme lassen erahnen, dass hier kein echter Mensch singt. Aber dafür braucht es ein geschultes Ohr. Für echte, für ambitionierte Musikerinnen und Musiker ist das künstlerisch wie finanziell eine Horrorvision: Wenn KI-Songs so klingen wie echte Studio-Produktionen – wer braucht dann noch teure Bands, Komponisten oder Background-Chöre?

Wie groß die Verwechslungsgefahr ist, zeigt eine neue Studie des französischen Streamingdienstes Deezer. In einem Test mit rund 9000 Hörern aus acht Ländern, darunter auch Deutschland, konnten 97 Prozent nicht erkennen, ob ein Stück komplett von KI oder von Menschen produziert wurde. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer fühlt sich unwohl bei dem Gedanken, den Unterschied nicht zu erkennen.

Bei Deezer ist mittlerweile rund ein Drittel der neu hochgeladenen Musik KI-generiert. Rund 50 000 Songs pro Tag überfluten den Streamingdienst regelrecht. Die meisten großen Anbieter wie Spotify oder Apple Music machen bislang kaum transparent, ob ein Stück künstlich entstanden ist oder nicht. Deezer geht einen anderen Weg: Die Firma markiert KI-Musik bereits, nimmt sie aus redaktionellen Playlists heraus und will so menschliche Kreativität schützen.JÖRG HEINRICH

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