Vögel füttern – aber richtig!

von Redaktion

Nicht jeder Zaungast mag alles – Futterstellen können zur Keimschleuder werden

Tipps fürs stressfreie Füttern: Angelika Nelson vom LBV.

Wacholderdrossel: Heimische Beeren machen nicht immer satt. Da hilft dann die Fütterung beim Überleben © Mauritius

Feld- und Haussperlinge mögen Körner, aber auch Haferflocken und Getreide. © LBV (2)

München – Natürlich sind Vögel Wildtiere und könnten theoretisch von den heimischen beerentragenden Sträuchern leben, auch Samenstände von Gräsern, Astern, Karden und Disteln sind wichtige Nahrungsquellen. Aber in Zeiten intensiver Landwirtschaft und wenig naturnaher Gärten ist Füttern auf jeden Fall eine Hilfe – und tut der Winterseele gut. „Die Fütterung von Wildtieren, insbesondere von Vögeln, macht Freude. Blaumeise, Rotkehlchen und Stieglitz bringen Farbe ins Leben und wir Menschen erleben ein kleines Stück Natur aus nächster Nähe”, findet Angelika Nelson vom Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV).

Manche haben ja den Eindruck, dass immer weniger Vögel kommen – möglicherweise haben sie Stress! Denn eine Fütterung lockt immer ungebetene Gäste wie Fressfeinde an und auch aggressive Artgenossen. Eine Studie von 2025 hat bewiesen, dass der Besuch der Futterstelle stark vom Risiko abhängt. Die Studie untersuchte, wie acht heimische Singvogelarten an einer Winterfutterstelle reagieren, wenn dort entweder ein Räuber oder ein Futterkonkurrent auftauchten. Es zeigte sich: In beiden Fällen kamen die Vögel deutlich seltener, Stress beeinflusste die Entscheidung, überhaupt zu kommen. Die Arten waren unterschiedlich stressanfällig, bei Kohlmeisen waren Jungvögel unbedarfter als Altvögel. Wenn ein Vogel sich trotz Gefahr an der Futterstelle befand, fraß er genauso lange wie ohne Risiko.

Daraus resultiert, dass man allein mit der Platzwahl der Fütterung viel Stress für Vögel abbauen kann! „Am besten wählt man einen ruhigen, ungestörten Ort, der aber dennoch eine gute Übersicht für die Vögel bietet, damit sie Gefahren durch Fressfeinde vom Boden wie Katzen oder Greifvögel aus der Luft wie Sperber oder Habicht frühzeitig erkennen können. Am besten ist der Platz an drei Seiten frei, um eine möglichst gute Rundumsicht zu gewährleisten. Die vierte Seite sollte eine Fluchtmöglichkeit in unmittelbarer Nähe bieten, z.B. ein Gebüsch oder eine Hecke sein“, erläutert Nelson. „Die Futterstelle sollte auch nicht zu nah an Fenstern sein, um Kollisionen zu vermeiden!

Auch eine Hauswand eignet sich für kleine Futterstationen: Die Vögel haben dort eine schützende Wand und müssen aber nach vorne, links und rechts freie Sicht haben.“ Wer nur einen Balkon oder einen sehr kleinen Garten zur Verfügung hat, kann eine flexible Futterstation aufstellen. Die wird mit einem Erdhaken zum Bespiel in einen großen Pflanzkübel gesteckt.

„Oft ist sehr viel los an der Futterstelle. Auch das Zusammentreffen mit Artgenossen kann Konflikte auslösen, weil häufig einer versucht, die Futterstelle zu dominieren. Um Stress unter Vögeln zu vermeiden, kann es auch helfen, verschiedene Futterstellen im Garten zu verteilen, damit sich die Vögel aus dem Weg gehen“ können“, rät Angelika Nelson und beruhigt zusätzlich: „Man darf in Zeiten von Vogelgrippe durchaus füttern.“

Heimische Gartenvögel wie Meisen, Amseln oder Spatzen gelten derzeit nicht als Überträger des Vogelgrippe-Virus. Wichtig sei aber, trotzdem sorgfältig auf Hygiene zu achten, „denn Singvögel können andere Krankheiten übertragen“.

■ Das schmeckt Fink & Co.

Die fliegenden Gäste haben unterschiedliche Geschmäcker: Körnerfresser wie Finken (Buchfink, Grünfink, Stieglitz) lieben Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Nigersaat. Haus- und Feldsperlinge fressen zusätzlich Getreide und Haferflocken. Weichfutterfresser wie Amsel und Rotkehlchen mögen weiches Futter, wie Rosinen, in Öl eingeweichte Haferflocken, geschnittenes Obst, getrocknete Mehlwürmer, die besonders dem kleinen Zaunkönig schmecken. Mischfresser fressen beides, wie z.B. Meisen (Kohl-, Blau-, Tannen-, Sumpfmeise), auch der Kleiber oder Spechte fressen Erdnüsse oder Fettfutter.

■ Hygiene am Futterplatz

Eine regelmäßige Reinigung von offenen Futterstellen und ein Wechsel des Wassers bei Vogeltränken ist wichtig. Reste des Futters und Kot müssen entfernt werden, damit Bakterien und Viren keine Chance haben. Grünfinken geben eine Trichomonose an Futterstellen weiter. Erkrankte Finken wirken lethargisch und haben aufgeplustertes Gefieder, oft Speichel am Schnabel. Blaumeisen können von dem Bakterium Suttonella ornithocola eine Lungenentzündung bekommen. Die Vögel sind ebenfalls aufgeplustert und haben Atemprobleme. Man vermutet, dass die Bakterien bei engem Kontakt durch die Luft übertragen werden. An einer Futterstelle können auch Bakterien der Gattung Salmonella vorkommen, die besonders Spatzen trifft. Die Vögel sind dann apathisch und haben dünnflüssigen, oft grünlichen Kot. Findet man kranke oder tote Vögel an Futterstellen, sollte man sofort die Fütterung einstellen und alle Futterstellen und Tränken sehr gründlich reinigen.

Links: lbv.de/ratgeber/lebensraum-garten/voegel-fuettern/rn; www.running-rabbit.eu, (tolles Katzenhaus)NICOLA FÖRG

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