Regelmäßige Kontrolle: Einmal im Jahr sollten Personen ab 60 Jahren zum Augenarzt gehen. © smarterpix
Nachlassende Sehkraft: Vorsicht, durch Bluthochdruck können Ihre Augen geschädigt werden. Bei drei von vier Menschen zwischen 70 und 79 Jahren sind die Blutdruckwerte zu hoch. © Smarterpix
München – Der optimale Blutdruck bei einem Erwachsenen liegt bei 120/80 mmHg (oberer/unterer Wert). Ab 140/90 mmHg sprechen Ärzte von erhöhtem Blutdruck (Hypertonie), einer Gefäßerkrankung. Fakt ist: Bei drei von vier Menschen zwischen 70 und 79 Jahren sind die Blutdruckwerte zu hoch, bei über 80-Jährigen sind es mehr als 80 Prozent.
Geplatzte Äderchen als Alarmsignal
Bei einer Hypertonie sollten Betroffene unbedingt auch einen Augenarzt aufsuchen, teilt die Deutsche Hochdruckliga mit. Denn das Tückische bei Bluthochdruck ist: Es gibt keine klaren ersten Anzeichen, wenn die Augen betroffen sind. Fällt den Betroffenen auf, dass sie nicht mehr richtig sehen können, seien die Augen leider schon stark geschädigt, warnen die Experten. Geplatzte Äderchen im Auge, Hyposphagma genannt, seien zwar ein Alarmsignal, da sie häufig bei Bluthochdruck auftreten – sie können allerdings auch andere Ursachen haben.
Generell sind die Blutgefäße in der Netzhaut fein und empfindlich. „Bluthochdruck bedeutet immer Stress für die Gefäße“, erklärt Fachärztin Dr. Christina Kerckhoff. Ein zu hoher Blutdruck kann dazu beitragen, dass die Gefäße verstopfen, bluten oder undicht werden. Problem: Bildet der Körper in Folge einer Thrombose der Netzhautvenen neue Gefäße, um die Durchblutung zu sichern, sind diese noch fragiler und können zu Blutungen und Netzhautablösung führen – bis hin zur Erblindung.
Einmal jährlich zum Augenarzt
„Menschen mit erhöhten Werten sollten unbedingt einmal jährlich zur Augenärztin oder zum Augenarzt gehen“, rät die Expertin der Hochdruckliga. „Regelmäßigkeit ist entscheidend, denn die Schäden entstehen schleichend.“ Heißt: Auch wenn bisher noch keine Schädigung besteht, kann es im Verlauf des Lebens trotzdem noch dazu kommen.
Bei der Untersuchung prüfen die Augenärzte dann den Zustand von Netzhaut und Sehnerv. In der Netzhaut ist zu sehen, ob Gefäße verändert oder verstopft sind oder ob es schon zu einer krankhaften Gefäßneubildung gekommen ist. Der Sehnerv wird auf ausreichende Durchblutung und Entzündungen kontrolliert. Werden blutdruckbedingte Veränderungen festgestellt, ist eine konsequente Blutdruckkontrolle entscheidend. Dr. Christina Kerckhoff betont dabei: „Je besser der Blutdruck eingestellt ist, desto stabiler bleibt die Durchblutung im Auge.“
Die richtige Therapie gegen Folgeschäden
Was aber ist, wenn die Augen durch den Bluthochdruck schon geschädigt sind? „Hier helfen keine speziellen augenärztlichen Medikamente“, erklärt Augenarzt Prof. Dr. Hans Hoerauf. „Aber am Auge sind wir in der Lage, diese kleinsten Blutgefäße direkt und ohne invasive Untersuchungen betrachten und beurteilen zu können.“ Entscheidend seien dann blutdrucksenkende Maßnahmen, „um Folgeschäden an allen Organen, aber auch am Augen zu vermeiden“, berichtet das Vorstandsmitglied Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V.
Die gute Nachricht, da sind sich die Experten sein: Sinkt der Blutdruck, werden nicht nur weitere Schäden verhindert – auch bestehende Veränderungen können sich teilweise zurückbilden. Erst bei schweren Komplikationen seien spezielle Maßnahmen wie Lasertherapie oder Medikamentenverabreichungen in den Glaskörperraum nötig. Diese Eingriffe würden sich aber mit konsequenter Blutdruckkontrolle und regelmäßigen augenärztlichen Checks gut vermeiden lassen.