Begeistert sich für Botanicals: Gründer Paul Georg Martin beim Mixen.
Cocktails schmecken auch ohne Alkohol. Leo Vincon zeigt, wie‘s geht.
Stoßen alkoholfrei auf Franz von Fein an: Gründer Paul Georg Martin (l.) und Leonard Vincon. © Oliver Bodmer
Im Trend: Cocktails mit Tees aufgießen.
Botanicals wie Kräuter, Gewürze, Früchte oder Blüten sorgen bei den alkoholfreien Drinks fürs Aroma und die Farbe.
Aqua Faba und Zesten verfeinern den Bernstein Aperitif.
Alkohol ist hierzulande eng mit Events verknüpft. Alkohol trinken ist gesellschaftsfähig. Gerade eben haben wir zum Jahreswechsel flaschenweise die Korken knallen lassen. Mit Sekt, Crèmant oder Champagner. Doch immer mehr Menschen greifen mittlerweile gerne zu alkoholfreien Alternativen. Nicht nur im Dry January, der gerade begonnen hat.
Der Dry January ist eine weltweite Gesundheitskampagne, bei der Teilnehmende den ganzen Monat komplett auf Alkohol verzichten, um Körper und Geist eine Auszeit zu geben, sich zu resetten und gesündere Gewohnheiten zu entwickeln. Das Interesse an alkoholfreien Alternativen wächst. Die Branche spricht von Wachstumsraten bis zu 30 Prozent.
Wir treffen Paul Georg Martin (34) und Leonard Vincon (35), die beiden „Franz von Fein“-Gründer, in ihrem Tasting-Raum im Westend. Die beiden Freunde haben sich vor vier Jahren auf alkoholfreie Drinks spezialisiert. Erst neben ihren Jobs, mittlerweile kümmern sie sich hauptberuflich um ihre alkoholfreien Drinks. „Franz von Fein“ steht für alkoholfreie, handwerklich hergestellte Premium-Aperitifs. „Wir verwenden ausschließlich natürliche Zutaten wie Bio-Früchte und Botanicals.“
Auf die Frage, wann er das letzte Mal einen Schluck Alkohol getrunken hat, muss Leonard Vincon erst einmal lange nachdenken. „Weiß ich jetzt gar nicht. Das war keine bewusste Entscheidung, es hat sich einfach so ergeben. Und ehrlich: Ich vermisse es nicht.“
Denn keinen Alkohol zu trinken, hat nichts mit Verzicht zu tun. Das ist den „Franz von Fein“-Gründern wichtig. Ihre Produkte erinnern nicht an süße Saftschorlen, sondern bestechen durch ihre eigene Note. Das Motto der beiden Freunde ist pragmatisch: „Entscheidend, was ins Glas kommt, sollte der Geschmack sein und nicht wie viele Prozente das Getränk hat.“ Alkoholfrei trinken, ganz ohne Dogmen.
Ihre Getränke kommen an. Münchner Sternelokale wie das Tantris haben sie bereits auf ihre Getränkekarte gesetzt. Außerdem heimsen die Bitters einen Preis nach dem anderen ein. 2024 wurde der Rubin Aperitif bei den World Alcohol Free Awards goldprämiert. Darüber hinaus wurde er bei diesem Wettbewerb für alkoholfreie Getränke unter allen Teilnehmern zum ‚Best Aperitif‘ gekürt. Beim Falstaff Spirits Special 2024 erhielt der Rubin Aperitif 93 Punkte. Seit 2025 exportiert das einst kleine Unternehmen sogar in die USA.