Viele nehmen sich vor, sich gesünder zu ernähren. © Smarterpix
Das menschliche Gehirn liebt die Routine. © Smarterpix
Mit kleinen Schritten starten, schneller Erfolg haben: Das gilt für den Vorsatz, sich im neuen Jahr zu bewegen. © Smarterpix
München – Während wir noch mit uns selber diskutieren, ob wir heute wirklich weniger aufs Smartphone glotzen und dafür joggen gehen, ist Konrad uns zig Schritte voraus. Er weiß, wie wir unser Gehirn austricksen können, und verrät unseren Lesern, wie es 2026 endlich mit den guten Vorsätzen klappt. Zum Jahresstart erklärt er, warum Disziplin gnadenlos überschätzt wird, welche Mechanismen uns immer wieder scheitern lassen und wie wir unser Gehirn überlisten können, damit Vorsätze endlich länger überleben als der Kater nach der Silvesternacht. In einem Extrakasten schenkt er unseren Lesern zum Start ins neue Jahr seine vier besten Tricks, mit denen 2026 vielleicht tatsächlich das Jahr wird, in dem wir beim Durchhalten nicht schon am 12. Januar wieder schlappmachen.
Warum sabotiert uns unser Gehirn so zuverlässig, wenn wir versuchen, neue Gewohnheiten zu starten?
Weil unser Gehirn Routinen liebt. Es möchte Energie sparen. Eingeübte Wege verbrauchen wenig Energie und machen den Alltag vorhersehbar. Neue Gewohnheiten dagegen kosten erstmal Kraft und fühlen sich unnötig anstrengend an. Das Gehirn bewertet Veränderungen deshalb oft als potenzielle Belastung, nicht als Chance. Kurz gesagt: Es meint es gut, will uns schützen, aber steht uns damit oft im Weg. Die gute Nachricht: Mit ein paar Tricks lässt es sich hervorragend überlisten.
Was ist der häufigste Fehler, den Menschen bei Neujahrsvorsätzen machen – und was sollten sie stattdessen tun?
Die größten Fehler sind, zu groß und zu vage zu starten: „Ich werde fitter“ oder „Ich will weniger Stress“ reicht dem Gehirn nicht. Es braucht klar, konkret und machbar. Am besten mit festen, ersten Mini-Schritten.
Ein Vorsatz wie „jeden Dienstag 20 Minuten spazieren gehen“ hat eine viel größere Erfolgswahrscheinlichkeit. Kleine Erfolge sind wie mentale Belohnungen, diese stoßen Glückshormone im Gehirn aus und motivieren zum Dranbleiben. Also lieber klein starten und schnelle Erfolge erzielen!
Welche Rolle spielt unser Gedächtnis dabei, ob ein Vorsatz hält oder im Februar schon vergessen ist?
Eine erstaunlich große! Wenn ein Vorsatz nicht bewusst verankert wird, rutscht er im Alltag schnell wieder nach hinten. Wenn uns jemand fragt: „Was hast du dir vorgenommen?“ wissen wir die Antwort, denken aber trotzdem nicht dran. Unser Gedächtnis speichert, was emotional wichtig erscheint und häufig abgerufen wird. Deshalb ist es entscheidend, den Vorsatz offensichtlich zu machen: Handywecker auf nächsten Montag stellen, Sportschuhe vor die Haustür. Hauptsache, das Gehirn wird regelmäßig daran erinnert. Dann ist es uns bewusst, und die Hürde, es trotzdem nicht zu machen, wird viel höher.
Was unterscheidet Menschen, die ihre Vorsätze durchziehen, von denen, die immer wieder scheitern?
Es gibt zwar individuelle Unterschiede, aber im Prinzip unterscheidet uns wenig. Erfahrung spielt eine Rolle: Wer erlebt, also gelernt hat: „Ja, ich kann was ändern!“, hat auch genau diesen Gedanke eintrainiert und startet beim nächsten Mal mit mehr Selbstvertrauen und weniger Zweifel. In meinem Buch „Mehr Platz im Gehirn“ zeige ich, dass das auch beim Gedächtnistraining so wichtig ist: Sich selbst überzeugen, da geht noch einiges im Hirn! Genau dort hat das mit dem präfrontalen Cortex zu tun, der liegt hinter der Stirn und ist für Planung, Impulskontrolle und damit auch das Durchhalten nötig.
Was sind Ihre Vorsätze für 2026?
Ich möchte meine verschiedenen Rollen als Forscher und Redner sowie die Zeit mit meiner Familie besser vereinbaren. Ich bin sehr dankbar, dass ich Tipps aus der Wissenschaft und auch das Gedächtnistraining so viel in meinen Vorträgen auf Bühnen und auch in den Medien teilen darf.
Aber auch als Gedächtnisweltmeister vergisst man mal, wenn man sich dafür eigentlich gute Strukturen vorgenommen hat. Und ein Lernziel setze ich mir auch jedes Jahr. Also etwas lernen, wo ich noch gar nichts mit zu tun hatte. Für 2026 Häkeln.