Marvins Zufallsbefund: Darmkrebs mit 39

von Redaktion

Tumor dank Stuhltest rechtzeitig entdeckt – Münchner erzählt seine Geschichte

Die moderne Medizin hat immer bessere Waffen gegen Krebs. Sie sind umso wirksamer, je früher Krebszellen entdeckt werden. © Smarterpix

München – Als bei Marvin 2023 Darmkrebs festgestellt wurde, war er völlig symptomfrei. Zudem gab es bei dem heute 41-jährigen Münchner auch kein erhöhtes Risiko – er rauchte nie, trinkt kaum Alkohol und seine Mutter hatte nie Krebs. Marvin machte dennoch einen Blutstuhltest – es gab zwar eigentlich keinen Anlass, doch war ein Bekannter an Darmkrebs erkrankt. „Mein Partner informierte sich über Früherkennungsuntersuchungen und machte den Test. Das hat mich davon überzeugt, ihn ebenfalls zu machen“, erzählt Marvin. Bei seinem Freund hatte der Stuhltest ein falsch positives Ergebnis angezeigt, nach der darauffolgenden Darmspiegelung aber gab es dann Entwarnung. „Auch bei mir war der Stuhltest positiv, nur gab es bei mir nach der Darmspiegelung dann keine Entwarnung“, erzählt Marvin: „Im Gegenteil: Im Aufwachraum sagte man mir, man habe einen etwa tischtennisballgroßen Tumor gefunden.“ Das klang alles gar nicht gut. Den Befund bekam Marvin an einem Dienstag, bereits am darauffolgenden Freitag machte er eine Kernspin-Tomografie, um nachzusehen, ob der Tumor schon gestreut haben könnte. „Das war die schlimmste Zeit, ich versuchte, mit allen möglichen Szenarien meinen Frieden zu finden“, erinnert er sich. Immerhin gab es Entwarnung in Sachen Metastasen – und eine Woche später wurde mir in einer Operation gut 40 Zentimeter meines Darms entfernt. Zwischen der Entdeckung des Tumors und seiner Entfernung lagen gerade mal 13 Tage. „Es war wie ein Fiebertraum“, sagt Marvin. Chemotherapie verordneten ihm die Ärzte keine, und auch die Nachsorgeuntersuchungen verliefen gut. „Es ist schon sehr erstaunlich, wie schnell sich der Körper erholen kann“, sagt Marvin rückblickend. Regelmäßig lässt er sich nun von den Onkologen im TUM-Klinikum durchchecken. „Glücklicherweise wurden keine Tumormarker mehr gefunden, es heißt, der Timer sei bei mir jetzt auf null zurückgedreht“, sagt Marvin. Sein Leben verdanke er mehr oder weniger einem Zufall, nämlich dem, dass sein Freund die Untersuchung machte und auch er daraufhin beschloss, nachsehen zu lassen.

Sein Arzt, der TUM-Krebsexperte Prof. Hana Algül, hat die Krankheitsgeschichte von Marvin ausgewählt, um für Vorsorge zu werben. Und, um auf ein beunruhigendes Phänomen aufmerksam zu machen: In den vergangenen zwei Jahrzehnten erkranken immer mehr junge Menschen an Krebs – vor allem Darmkrebs – und die Krebserkrankungen seien oftmals auch sehr aggressiv. „An den Ursachen hierfür wird noch geforscht, wahrscheinlich ist eine Kombination aus verschiedenen Auslösern, darunter eine Ernährung mit wenig frischen und ballaststoffreichen Lebensmitteln, zu wenig Bewegung und Umweltgifte“, sagt Algül.

Er plädiert deshalb für eine Reform der Vorsorge, um zu verhindern, dass Menschen durch das Raster fallen. „Zu einer modernen Prävention gehören individuell zugeschnittene Vorsorgeuntersuchungen, die das genetische Risiko miteinbeziehen, ebenso niederschwellige Angebote, etwa Stuhltests oder Blutuntersuchungen auf zirkulierende zellfreie Tumor-DNA“, sagt Algül. Künstliche Intelligenz werde in Zukunft immer mehr dabei helfen, verdächtige Strukturen aufzuspüren, die das menschliche Auge übersehen könnte. Denn auch wenn klar ist, dass ein gesunder Lebensstil viele Krebserkrankungen verhindern kann, treffe die heimtückische Erkrankung immer wieder auch Menschen, die eigentlich gesund leben. „Je früher Krebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen“, betont der Krebsexperte. SUSANNE SASSE

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