Die Hand ist ein Wunderwerk des perfekten Zusammenspiels. © Smarterpix
Bei Schmerzen im Ellenbogen sind oft Sehnen in Hand und Arm entzündet. © Smarterpix
Probleme mit Gelenken können jeden Handgriff zur Hölle machen. Häufig ist auch der Ellenbogen involviert. Die Orthopädin Dr. Anna Borys untersucht eine Patientin. © Artemed
München – Die Orthopädin und Handchirurgin Dr. Anna Borys ist Leitende Ärztin Hand- und Ellenbogenchirurgie am Benedictus Krankenhaus Tutzing. Sie erklärt, wie Sie Sehnenentzündungen, Erkrankungen und Gelenkprobleme selbst erkennen können – und dann auch einordnen können, ob das Problem harmlos oder behandlungsbedürftig ist. „Dies gilt natürlich nicht nach einem Unfall oder dann, wenn plötzlich starke Schmerzen oder Funktionsverluste von Gefühl oder Beweglichkeit auftreten, die sich nicht bessern, sondern verschlimmern, oder wenn Rötungen, Fieber oder Ähnliches auftreten – in all diesen Fällen sollten die Betroffenen einen Hand-Experten konsultieren“, betont Dr. Anna Borys und stellt klar: Der Selbstcheck ersetzt keine ärztliche Diagnostik.
Karpaltunnelsyndrom
Beschwerdemuster: „Die Finger zeigen an, dass etwas nicht stimmt“, sagt Dr. Borys. Anzeichen für massiven Druck auf den Medianusnerv im Handgelenk sindSchmerzen, Kribbeln und Taubheitsgefühle in Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger, nachts schläft die Hand ohne erkennbaren Grund ein.
Selbstcheck und Diagnose: Kribbeln oder Taubheit der Finger, nächtliche und ausstrahlende Schmerzen bis in die Schulter, das Gefühl von elektrischen Schlägen, Schwäche beim Greifen. Ob ein KTS besteht, wird festgestellt durch eine klinische Untersuchung, gefolgt durch eine neurologische Untersuchung (NLG/EMG zur Nervenleitgeschwindigkeit) und bei Bedarf ergänzenden Nervenultraschall (Sonografie).
Therapie: Behandelt wird bei milden Formen konservativ mit Schienen oder auch mal Kortison, bei starken Beschwerden oder dauerhaftem Taubheitsgefühl operativ durch Spaltung des Karpaldachs.
Schnappfinger
Beschwerdemuster: Ruckartiges Schnappen beim Strecken der Finger, im fortgeschrittenen Stadium bleibt der Finger oft in der Faust und muss mit der anderen Hand aufgerichtet werden.
Selbstcheck und Diagnose: Schmerzen im Finger, Schnappen oder Klicken beim Beugen und Strecken, Steifigkeit.
Therapie: Ursache eines springenden Fingers ist, dass die Sehne nicht mehr gleiten kann, da sie am Ringband mechanisch behindert wird. Konservativ wird durch entzündungshemmende Medikamente, lokale Kortisoninfiltrationen behandelt. Bei Versagen der konservativen Therapie kann eine minimalinvasive OP notwendig werden, bei der das Ringsband gespalten wird, damit die Sehne wieder gleitet.
Sehnenprobleme
Tennisellenbogen, Golferellenbogen und Sehnenscheidenentzündung können nach Überbelastungen auftreten. Dies führt zu Reizungen der Sehnenansätze.
Beschwerdemuster: Schmerzen an der Innenseite oder der Außenseite am Ellenbogen oder dem Handgelenk, besonders bei bestimmten Bewegungen. Die ziehenden, dumpfen oder auch brennenden Schmerzen verschwinden auch nachts manchmal nicht mehr.
Selbstcheck und Diagnose:
Beim Tennisellenbogen sind die Sehnenansätze an der Außenseite des Gelenks gereizt. Typische Auslöser sind neben Tennisspielen auch das Benutzen der Computermaus, Schrauben oder das Bedienen von Werkzeugen.
Beim Golferellenbogen sind die Beugesehnen an der Innenseite des Ellenbogens überlastet.
Symptome einer Sehnenscheidenentzündung am Handgelenk sind vor allem ziehende Schmerzen (oft am Handgelenk/Daumen), die bei Bewegung schlimmer werden und später auch in Ruhe auftreten, sowie eine Druckempfindlichkeit und Schwellung.
Therapie: Konsequente Entlastung und Ruhigstellung. Bei Entzündung von Sehnen im Ellenbogen hilft frühzeitige Physiotherapie. Beim Handgelenk kann auch eine Operation angezeigt sein.
Schleimbeutel
Beschwerdemuster: Schwellung über dem Ellenbogen mit Schmerzen und ggf. Hitzegefühl.
Selbstcheck und Diagnose: Druckschmerz, evtl. Kernspintomografie (MRT).
Therapie: Oft geht die Schwellung nach Kühlung und Ruhigstellung von selbst zurück.Wenn eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis) unbehandelt bleibt, kann sie chronisch werden, was zu dauerhaften Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen kann. Bei einer bakteriellen Infektion, z. B. nach einer Verletzung, besteht sogar die Gefahr einer lebensbedrohlichen Sepsis (Blutvergiftung). Notfalls kann der Schleimbeutel auch entfernt werden, da er eine Art Stoßdämpfer ist und kein Funktionsorgan, sagt Dr. Borys.
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